Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 20.08.1685

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Cuhrfürst, herzallerliebster herr vatter 2Mitt der gelegenheit, das ihr Mayestät den Grauen von 3Sinzendorf zue ewer Durchlaucht abschiket, habe ich nit vnter- 4laßen wollen, auch meine vnterdehnigste schuldichkeit abzuelegen, 5in mit dißen zeilen zue accompagniren vnd 6ewer Durchlaucht nochmahlen allen segen von gott zue dero 7angetrettene regirung gehorsamst ahnzuewüntschen, welches 8er mit mehrerem ewer Durchlaucht exprimiren wirt, auf 9welches ich mich bezihe. Ewer Durchlaucht werden auch von 10ihme vernemmen, wie das verwichenen samstag 11auf den iagen mihr gahr ein lieben gast bekommen, 12meinen brudern Carl, welcher die frölige zeitung 13bracht, das der feindt geschlagen, 20 stükh, alle munition 14vnd bagage erobert. Vnd heündt ist der General Wacht- 15meister Grav Schafftenberg kommen mit der Nachricht, das sie Neüheusel mit 16sturm verwichen sontag eingenommen, alles drin bekomen, 17vnd, wie es in dergleichen geht, nit verwehren können, das 18in der furie nit das meiste nidergemacht worden.


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19Gott zeigt seine gütte vnd almacht vnd sein liebe 20heilige muetter, das sie ein hülf der christen, in dem dis 21in ihrer octau geschen ist. Beinebens ist mihr 22aber leidt, das ewer Durchlaucht ich vnterdehnigst berichten mueß, 23das mein brueder heünt ein fieber bekommen, 24hatt der paroxismus 8 stundt gewert, vnd weil 25er vohrgestren sich auch nit wohl befunden, haben die 26docter es erkent vohr ein terzana ohne einigis 27gefahr, vnd hoffen sie, das er balt daruon werde 28befreidt werden. Er hatt heündt früe wekh gewolt, so 29hatt ihn aber das fieber hier behalten, ist noch beßer, das 30hier geschen, dan ich mich befleisen werde, das ihm 31an der wart alle versorgung gesche vnd er hoffent- 32lich balt restituirt wirt sein. Weil ich nit gewust, 33wie es ewer Durchlaucht mit dem Prinz Clement aus Beyren 34wollen gehalten haben, welcher als nehrder bey der cuhr 35die handt pretendiret, so hatt mans scinirt vnd 36vohrgestern mein brueder vnter dem pretext, wie 37es dan auch realiteer wahr, das er müet vnd schläffrig,


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38vohran herrein vnd sich ins bett gelegt auf den abendt. 39Den andren dag zue mittag hatt die verwittibte 40Kaiserin den Prinz Clement zue sich geladen vnd mein bruder 41bey vns zue mitag geßen, auf den abent vnter 42dem pretext, das er von der Kaiserin abschit 43genommen, weil er heünt wekh gewolt, hatt sie ihn 44bey sich behalten. Heünt leider ligt er im bett, vnd 45bis das fieber vergeht, wirt er im zimmer bleiben, 46das also kein concurenz sein wirt. Due mich 47hiermit in ewer Durchlaucht gnade vnterdehnigst befehlen, als 48die ich sterben werde 49ewer Durchlaucht 50vnterdehnigst trewgehorsamste 51dochter 52EMT 53Wien den 20ten august 168554Dise brief von Pater Marc vnd Pater Hippolit seindt noch 55vohr disen gutten zeitungen geschriben, dan mein bruder so 56eilent wekh, das Pater Marco nit hatt schreiben können.