Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 07.02.1692
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Geheimes Hausarchiv, Korrespondenzakten 1147
12 februarij 92 2Durchleüchtiger Fürst, mein herzallerliebster herr bruder 3Ich hab drey dero liebste schreiben vom 9ten, 19ten vnd 23ten 4woll empfangen. Vnd gleich als mich herzlich 5erfreüdt daraus zue vernemmen, das dero Liebden sich in 6guettem wohlstandt befinden, also ist mihr leidt, 7das sie mein (gewißlich aus purer lieb vndt 8verlangen, dero Liebden allezeit an leib vnd sehl glükh- 9sehlich zue sehn) überschribene meinung, die heidel- 10bergische reforme betreffendt, als wan ich darbey 11einiges risentiment hette haben, auf genommen. Ich 12wünschte, das dero Liebden mein herz sehen könten, würden
13sie gewißlig von meiner guetten meinung vndt trewen 14lieb anderst vrteilen. Ich hab dißes geschriben, mich 15verlaßendt auf dero güete, das mich nach, dah 16ich zue haus wahr, gern angehört, wan ich ihnen etwas 17in gutter meinung zue dero selbsteignen nuzen 18erinnert. Hab ich darin gefehl, so wollen sie mihrs 19vergeben, dan es ist mihr gahr zue dief in 20meinem herzen eingedrukt die lezten wortdt 21vndt lehr vnseres gnädigen vnuergleichligen herren vatter 22sehligen gedechtnus (nemmlich das mihr kinder 23vntereinander die brüeder vndt schwesterlige 24lieb vndt einichkeit vohr allem conseruiren 25sollen), das ich mit meinem wißen woll auf 26keine weis, auch mit keinem gedanken vmb 27keine sachen in derwelt gern wolte vhrsach zue 28etwas widrigens geben, vndt eben darumb 29auch dero Liebden inniklist bitte vmb die lieb, so sie 30mihr biß dahto erzeigt, sie wollen den üblen
31vndt falschen angwohn, so ich woll aus dero schreiben 32vermerkt, gegen den Deütschmeister, als solte er 33dieses so eiffrig bey mihr angebracht haben 34vndt dero Liebden verlangen böße dienst zue duen, fallen 35laßen vnd glauben, das er gewislich eine recht 36herzlige lieb, wie er auch schuldig ist vohr alles, 37was sie ihm in disen wahlen vnd sonsten er- 38zeigt, draget. Es ist diße sach dahier ein solches 39statgeschrey vnd froloken bey denen vnkatolischen 40als verwunderung bey den catolischen, das ich es nit 41vonöten wahr, anderstwoh her zue schreiben. Wan dero Liebden 42aber andere wichtige vhrsachen haben, die mihr 43vnbekant, so ist nichts zue sagen, traw mihr 44auch nit zue repliciren, damit dero Liebden nit möchten 45meinen, ich due es aus übler meinung, welchs 46ich mich sonsten woll vnterstanden hette. Bitte den 47liebsten almechtigsten gott, er wolle dero Liebden vnd alle ihre 48reht erleüchten, das sie in allem das mögen
49resoluiren vnd einrahten, was zue seiner ehr, 50dero Liebden vnd des publici besten möge gedeyen. Wegen 51der freile hab ich woll keinen gedanken gehabt, 52es übel zue nemmen, sondren nuhr mein 53vngeschiklichkeit wollen dero Liebden berichten, das ich meiner fraw 54schwegerin brief ehender beantwort, als ich dero Liebden sein 55geleßen. Im übrigen ists schon gahr recht vnd derfen 56dero Liebden mit mihr in dergleichen keine ceremoni machen, 57auch nuhr recomandirt hab, wans ihnen nit vngelegen. 58Des Großherzogen angelegenheiten betreffent haben 59ihr Mayestät die eine resolution schon hinaus geben, 60mit welcher der Montauti zuefriden wegen des 61feudi. Wegen der völker werden ihr Mayestät duen, 62was sie immer können, ist nuhr vmb dises 63iahr zue duen, wirt hoffentlich die könftige conpagne 64also glükhlich sein, das niks mehr wirt vonöten 65sein. Die übrigen fürsten haben sich alle schon verglichen, 66also hoffen ihr Mayestät, es wirt mit dem Großherzoch auch
67sich woll aiustiren laßen vnd alles woll gehen. 68Ich hoff, auch die entreueu mit Cuhrcöllen werd 69gar guet abgangen sein. Wegen der völker ist mihr 70woll leidt, das nit sein kan, traw mihr auch nit, 71etwas weiters zue vrgiren. Dero Liebden möchten etwan glauben, ich 72hett es übel genommen, das bitt ich dero Liebden einmahl 73vohr all, sie glauben, das ich incapace sey, etwas 74von deroselben übel zuenemmen, also wolt ich auch 75nit gern etwas duen, das ihnen mißfalen kann. Von diser 76campagne in Vngeren dependirt halt alles, 77dan wan auch im Reich solte dis iahr nit vil 78gericht werdt, wan mihr nuhr ein guette campagne 79in Vngern machen, das mihr ein friden krigen, so 80wirt könftiges iahr mit der gnad gotteß 81alles erßezt werden. Solte aber dise, das gott 82durch seine barmherzichkeit abwenden wolle, 83nitt wohl ab gehen vnd mihr keinen friden bekomen, 84so giengen mihr nit allein hier, sondern das 85ganze Reich übernhauffen. In consideration deßen
86wolen dero Liebden doch nochmahlen überlegen, ob sie nit mit disen 87an die handt könten gehn, es dependirt halt von diser 88campagne summa rei, vnd ist meines erachtens aus 89zweien üblen das wenigere zue erwelen. Doch stell 90ich alles dero Liebden heim vnd werd kein verschmach haben, 91wans nit geschiht, nuhr allein hab die hiesige rations 92representiren wollen. Allein bitt vmb schleünige antwort, 93damit man wiße, auf was man sich zue verlaßen. 94Jezt seint mihr hier schon occupirt mit 95dem fasching. Hierbey kombt die lista von der 96schlittenfart, die gewesen. Gestern war ein rionta 97von gewisen wälischen, die hier seint, habens zimlich 98gemacht. Die übrigen dag seint alleweil proben, balt 99von ein, balt von andern gewest, wie ich dan dis in 100der prob der opera schreib, also wan fehler geschen, bitt 101zue vergeben. In der statt dagen alledag der Cuhrfürst 102vnd bruder Carl, gehn hin, machen sich braf lustig. Mit 103disen due mich dero Liebden befehlen vnd werde sterben 104dero Liebden 105getrewste schwester 106Eleonora 107Wien den 7ten februarij 1692






