Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 24.04.1695
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Geheimes Hausarchiv, Korrespondenzakten 1147
Der arenbergische Statthalter von Veyder war bei JW, um von seinem Treffen mit dem Marquis d‘Harcourt zu berichten: Der französische König meine, nur der Dauphin und Bayern seien zur Erbfolge in Spanien berechtigt, und plane eine Teilung des Landes. Frankreich würde gerne einen Vergleich mit dem Kaiser eingehen. Man befürchte dort aber, dass langdauernde Kriege die Folge seien. Deshalb und überhaupt zur Beförderung der Friedensverhandlungen wäre man in Frankreich einer Heirat mit dem römischen König (Joseph I.) durchaus zugeneigt. Bittet um rasche Anweisungen, was Tiberius (JW) antworten soll.
124 aprilis 95 2copia 3Durchleüchtigiste großmächtigiste etc. 4in hoffnung eß werden meine letstere vnterthänigste berichter 5sambt der vnterthänigst überschickten ziffre, zurecht einge- 6loffen sein, thue ich zu deren gehorsambster folge ewer kayserlichen 7Mayestät in tieffestem respect nicht verhallten, welchergestallten 8alß der arenbergischer Statthalter von 9Veider umb von demselben zue vernemen, was 10der Darcour in puncto bacis von seinem 11Konig ferner haben mogte, umb dermahlen 12einist zuesammen zue kommen, zue mir kommen, 13und als ich occasione des selben mit ihme 14Veider aus der sachen redete und von der 15spanischen succession vnter anderen auch 16mit melldung geschehen, derselbe sagte, wie daß fran- 17zösische königreich hierinfals wunderlige con- 18cepten fuerte, vnd vermeineten, eß hette khünnen 19einig recht, oder ahnspruch zu selbiger succession, alß der 20Delfin und Baiieren, derentwegen sie dan denselben 21starckh carissieren, vnd eine theillung diser monarchie 22mit ihme vor hat, nebst villen andern nachdenklichen raggioni, 23die vil zu weitleüffig seindt, vnd ich mit nechstem vnter- 24thanigist berichten werde. Welche, nach dem ich selbige 25zimblich klahr widerlegete, vermeldete er mir 26fernerß, daß Franckreich, wan es einen gueten 27und raisonablen vergleich dießerthalben treffen
28könnte, absonderlich mit ihro kayserlichen Mayestät, sie gahr gehrn 29sich einlassen würden, vnd haben vnter anderen vermeint, eß könnte 30nit allein dises, sondern auch daß ganzes fridens negotium 31nicht besser, alß mit einer heürathß mit dem römischen König 32geschehen, daß ich also wohl gesehen, der Vender auch Tiberio 33recht teütsch herauß gesagt, daß Franckhreich vorab vn- 34beschreiblich zu inquiet in dieser sachen seye, vnd dasselbe 35allein alß einen capidem offensiones ahnseheten, welcheß 36khünfftig hin vnfehlbahr newamotus1 und crudele 37langwierige krieg nach sich ziehen wur 38da, dahero sie in der welldt nichts liebers thuen 39wollten, vnd wurden, alß sich hierunder zeitlich in tracta- 40ten einzu lassen. Habe alß meine vnterthänigiste schuldig- 41kheit zu sein erachtet, nicht allein ein solches ewer kayserlichen 42Mayestät allerunterthänigst zueberichten, sondern auch dieselbe 43gantz einständigist zue bitten, mir gemessenen befelch 44allergnädigst zu kommen zuelassen, fahlß man mir mit 45dem heürath sowohl, alß auch mit dem spanischen 46successionswesen ahn khame, wie ich mich hierinfahlß 47zue verhallten vnd waß Tiberius antwohrten solle. 48Im übrigen lassenet sich alles noch gottlob sehr wohl an, 49wan nur die in Angelandt new befahrende 50troublen keine enderung, wie zu besorgen, darinnen 51bringen. Bin also dero praecisen allergnädigsten befelch hierüber
52schleünigist gewährtig und thue etc. Düsseldorff den 5324ten aprilis 95. 54Sie tragen in Franckreich wegen des hei 55raths mit dem romischen Konig auff des 56Monsieur seine prinzessin einer ahn 57welche obwohlen sie eine gebohrene fran 58zosin ist dannoch von der fraw muetter 59seitten eine von pfalzgrafligem gebl 60uet, so ich vnterthänigst zumelden vor höchstnöttig 61erachtet. 62An 63Ihro kayserliche Mayestät 64von 65Chur Pfaltz aigenhändig also abgangen.






