Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 05.06.1711
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/10
1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerliebster herr bruder 2Ich bin dero Liebden so vill schuldig vohr alles, was sie gegen mein 3liebsten sohn, den König in Schpanien, erzeigen, das ich nit laßen 4können nit allein meine herzlige dankhsagung abermahl 5durch dise wehnig zeilen abzulegen, sondern auch den Grauen Goes 6zue deroselben vörders abzuschiken, selbiges müntlich dero Liebden 7mitt mehren vohrzue dragen, wie auch so woll das wahl 8wesen als die schpanische monarchia vnd beyrisch administration vndt 9andere meines sons interesse vndt besten betreffende 10anligenheiten deroselben mitt mehren vohrzudragen. Ich bin so 11gesichert von dero gegen meinen sohn vndt mich dragende 12vätter vndt brüderlige lieb, das ich ganz nit zweifle, dass sie 13alles vonselbsten werden gern befördern, was ich dero Liebden durch 14ihne werde zue meins sohns besten durch ihne vohrdragen 15laßen. Auf welchen dan, dero Liebden nit so lang mit meiner 16üblen schrifft aufzuhalten, mich bezihe mit bitt, ihme
17in allen, was er dero Liebden in meinen nahmen vohrdragen 18wirt, völligen glauben beyzumeßen, in sonderheit die contes- 19tation, so er dero Liebden ausfürlich duen wirt, das sie in allen gelegen- 20heiten in der daht erfahren werden, das ich bis in mein 21grab vnuorenderlig bleiben werde 22dero Liebden 23getrewste schwester 24Eleonora 25Wien den 8ten junij 1711


