Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 02.02.1712

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/11

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtigster Cuhrfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Ich hoffe, das dero Liebden persuadirt seindt der bestendigen herzligen 3schwesterlichen lieb, so ich jederzeit zue deroselben gedragen 4vndt also biß in mein gruben in meinem herzen er- 5halten werde. Also verhoffe ich, dass sie mihr desto wehniger verüblen, 6das ich ihnen in allem, was ich zue der guetten verständtnus 7vndt bestendigen verträwlichkeit zwischen deroselben vndt 8ihr Mayestät dem Kaißer, meinen gelibsten sohn, nuzlich oder 9schädlich sein möchte, an deren vnion vndt engen ver- 10trawen beim erz vndt cuhrhausen so vill, jah alles gelegen, 11vertrawlich mitt meiner gegen dieselbe biß dahto gepflo- 12genen offenherzichkeit als mein liebsten herrn bruder vnd papa eröffne. 13Es hatt mihr obgedachter mein geliebster sohn Mayestät mit seiner gewohn- 14ligen moderation (vmb welche ich nebst andren gnaden 15dem almechtigen nit genugsamb danken kan) dero Liebden schreiben


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16communicirt, welches sie wegen des Großherzogen Liebden an 17ihne abgehn laßen. Nuhn mueß ich woll bekennen, das ich 18darüber sehr bestürzt gebliben, weilen ich disen in solchen 19terminis gefunden, welche ihme woll empfintlich sein 20müesten, wann nicht seine absonderlige estime vndt lieb 21gegen dero Liebden selbiges verhindert hette. Ich habe dannoch ge- 22glaubt, beßer zue sein, das er selbsten selbiges nicht be- 23antworte, sondren mihr selbiges überlaßen solte, in deme 24in selbigem natürliger weiß einige terminos hetten ein- 25fließen können, welche beßer zu evitiren. Nuhn aber die 26sach betreffendt, so kennen dero Liebden ohne diß des Kaisers sein 27gemüeht, wie er so heiklich ist, sein gegebenes wort 28auf das genaweste zue halten, nicht allein vohr sich, 29sondren auch sein ministerium vndt generalitet darzu 30anzuhalten weiß, deßen widerschpill in dero schreiben zimlich 31hart angezogen wirt vndt ihme billich empfindtlich vohr- 32kommen kan. In deme auch klar ganz andrest die 33sach sich befindet, weilen zwar er verschprochen, die troup- 34pen alsogleich herauß zue zihen, so balt keine operation 35mehr vohrgenommen werden könte, welche man doch jezt 36in bälde vohrzuenemmen verhoffet, wie dan die nö- 37tige orders dazue bereits ergangen seindt. Die verschprochene


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38abreitung vndt nachlaß betreffendt, ist sich auch vmb so wehniger zue 39beklagen, als selbiges in allem zue adempliren keine 40difficultet gemacht worden noch könftig sein wirt. 1Bitte41also nachmahlen dero Liebden, fürohin sich nicht so leicht auf vn-42gleiche raport zu übereilen, insonderheit auch in dennen43terminis sich etwas in acht zue nemmen und wan etwas44widriges vohrfallen möchte, lieber das vertrawen zue45mihr, wie bis dahto, sezen möchten, die ich dero Liebden allezeit den46grundt der sachen berichten, auch bey mein gelibsten sohn Mayestät 47allezeit suechen werde, nach möglichkeit dero verlangen48zu secondiren, vmb dißer so nötige harmonie vndt49vertrawen bederseits immer mehr zue befestigen, weil50alle geringst dissapori zwischen so inniglich gelibten51sohn vndt brudren mihr vnerdraglich fallen vndt bald52in die andere weldt befördern wurde, die ich ehnder53sterben werde, als verendern zue sein 54dero Liebden 55getreweste schwester 56Eleonora 57Wien den 2ten februarij 171258Auch empfange ich gleich dero schreiben 59vom 21ten passato, anbetreffendt das zuemueten von Rohm 60an vnsren herrn brudern, des Deütschmeister Liebden, welches mich überaus 61vngereimbt vohrkombt vndt mich nit genug verwundern 62vertatur


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63kan, das der Fede sich vnterstanden einzulaßen, eine minuta 64von ihr Heiligkeit zue begeren, wie der Deutschmeister ihme herüber 65schreiben solle, welche, wan mann nit duen wirt (wie es nit 66möglich sein wirt können) die sach nuhr verschlimert vndt 67in steken gerahten lässt, wie auch der Papst offendirt werden wirt. 68Versicher dero Liebden, das der Kaißer gern seines orts alles möglige 69beydragen wirt, dises werkh bestens zue befördern, welches der 70gutte Fede scheindt zimlich verdorben zue haben. Die zeitungen 71auß Frankhreich derften wohl in der fridens sach einige 72mutation nach sich zihen, der allerhöchste gebe, was zu 73seiner ehr vndt zum besten sein wirt, amen.


1Die folgenden Ergänzungen wurden nach Überprüfung verdeckter Papierstellen am Original durch die Editorinnen vorgenommen.