Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 26.03.1695
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/3f
126. maij 95 12Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr bruder 3Ich hab dero liebsts schreiben vom 17ten dis woll empfangen. 4Ist mihr zwar tröstlich zue vernemmen, das vnser geliebste 5fraw mutter wider beßer, aber bleib doch in ängsten, bis 6ich weis, das ganz gutt ist, vndt weil dero Liebden schreiben, das 7ein starkhs hatt ausgestanden, so seh ich, das mihrs 8vohrhin nit recht müeßen geschriben haben, weils nuhr 9allezeit von ein cattarr haben gemeldt, so traw ich 10iezt nit mehr, bis sie wider ganz gesundt wirt sein. 11Wegen der Königin in Polen bin woll auch in angst, bis die 12post kommen wirt, gott wolle allerseits sie gnädig erhalten. 13Wegen vnsers alten vetters von Sulsbach, so hatt zwar der 14Wißer mihr vill vohrgepredigt, weil ich aber dise sachen 15nit genuechsamb versteh, laß ichs an sein ort gestelt 16sein, aber das bekenn ich, hatt er mich nit können 17capiren machen in mein vngeschikten kopf, das dero Liebden
18ihnen waß preiudiciren wurden, wan sie (insonder- 19heit weilen ihr Mayestät, mein gnädigster Keiser, selbsten ihr vohrwort 20heben einwenden wollen) auf selbiges mit vohrbehalt 21ihrer rechten condescendirt hetten, bis zue aus drag der 22sach ihnen ihr deputat zue laßen, sondern die ganze 23welt hett es ihnen vohr ein generositet ausgedeüt, 24welche dero Liebden ohne dem angeboren, ihr Mayestät ihnen auch 25daruohr obligirt wehren, wan sies auf dero vohrwort 26gedahn. Von mihr will ich nichts sagen, aber beken, 27das mich der arme alte herr von herzen daurt, dan er 28nit zue leben hatt, wurde es gewislich mich freüen, als 29wans mihr geschen wer. Sonst kan dero Liebden versichert sein, das 30ihr Mayestät dero Liebden kein vnrecht werden geschen laßen, sondern beim 31reishoffraht die sach debattiren laßen. Ichweis, wan dero Liebden 32den armen alten seheten, er deht ihnen selber erbarmen, 33vndt ihr generositet wirt nit zugeben, das einer von 34vnsern haus so elendt leben soll. Den Herzoch von Sachsen 35betreffendt hett wüntschen mögen, das beßer wer aus 36geschlagen, dero Liebden konnen aber versichert sein, das ihr Mayestät sorch- 37fältich sein, das er mög accommodirt werden vndt in 38gewißlich bey könftigen aperturen möglist portirn





