Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Ebersdorf am 17.09.1695

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/3f

Ausfertigungeigenhändig
1
Faksimile

117. septembris 95 2Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerlibster herr bruder 3Hab alle dero liebe schreiben woll empfangen. Weil ich 4nit zeit möcht haben alles zue beantworten, fang 5an von der hauptsach. Was anlangt, was der Seiler 6soll gesacht haben wegen des eqialents der 7zwei orten ist nichts, vndt habens ihr Maystet 8auch aller orten desauoviren lassen. In Sweden 9hatt man bis dato nur per generalia und ge 10samten alliirten gehandelt und auf keine 11particularia kommen. Tiberius mus wol caute 12gen, dan man sicht aus disen, was die franzosen 13als die nur misstrauen unter den allirten zue 14machen. Pater Wiser wirt schon weksein. Sonst 15dunkt mich der Doctor ein schlechter potentat sein, 16hab ihn einmahl hir gesehn, kombt mihr zimlich 17einfaltig vohr, iezt ists schon geschen, gott schike alles zum 18besten. Wegen des regiment haben ihr Mayestät dem Margraf


2
Faksimile

19erlaubt, es oben zu behalten, hoff aber, es werde könftigen 20früeling desto früer kommen. Das, so dero Liebden vohr vnsern Deütschmeister 21aufrichten, wirt schon abgerett, ist wegen der andren folker, bin alleweil 22drob, wie dero Liebden vom Hamilton vernommen haben werden, wie auch 23wegen der subsidien, ingleichen das dero Liebden das gelt wegen vetter 24Pfilips gleich restituirt werde. Das, was ich geschrieben, wie dero Liebden 25in Holandt, wahre nit also, freüdt mich, habs nuhr so 26gehört gehabt, nit autentisch, habs gleichwol dero Liebden berichten wollen. 27Wegen der bewusten person schreibt mihr ihr Durchlaucht niks, 28wirt gutt sein zue Salsburg, hob aber dem Deütsch- 29meister geschrieben, wan kundt dort accomodirt werden. 30Wegen Don Gaston weis ich nit, wie der guette Monauti 31mus verstanden haben, dero Liebden werdens vom Hamilton 32haben, das woll hab gesacht, wan sie ihn wirt verlangen, 33werden ihr Mayestät nit darwider sein, dan sie nit vnser 34kindt noch pupill, das mihr ihr können vohrschreiben. 35Bedankh mich nochmahlen vohr die recept vndt 36werde sterben 37dero Liebden 38getrewste schwester 39Eleonora 40Ebrstorf den 17ten septembris 1695


3
Faksimile

411p. fang an von der haubtsach, waß anlangt, waß 42der Seyler soll gesagt haben, wegen deß aequivalents 43der zwey ohrten, ist nichts, vnd haben ihr Mayestät 44auch aller ohrten desavoviren lasßen, in Schweden 45hat man biß dato nur per generalia vnd gesambten 46allijrten gehandelt, vnd auff kheine particularia 47khommen, Chur Pfaltz muß wohl caute gehen, dan 48man siecht auß dießem, waß die franzoßen, 49alß die nur misßtrawen vnter den allijrten 50zue machen. Pater Wiser wirdt schon weckh sein, sonst 51dunkt mich der Doctor ein schlechter potentat sein p. 52Notabene Hierauff haben zwahr ihre churfürstliche Durchlaucht 53selbsten aigenhändig vnterm 29ten septemris 95. 54geantwohrtet, so auch von mir abgeschriben, 55sothane copia aber alsogleich höchstgedacht ihrer 56churfürstlichen Durchlaucht zugestellt werden müessen.


1Bei diesem Blatt handelt es sich um eine partielle Transkription des Briefes mit aufgelöster Chiffre.