Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Ebersdorf am 27.09.1694

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/6

Ausfertigungeigenhändig

170 r
Faksimile

1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Ich hab dero liebsts schreiben vom 12ten dis woll empfangen. 3Hab dero vohrigen brief nit recht geleßen vndt verstanden 4gehabt, das mein fraw schwegerin ein wehnig ein colica hab, 5so hab ich gemeint, wert etwan ein gutte bedeütung 6haben vndt balt wider vergehn, wan ichs aberrecht 7gelesen, wehr ich in vnerhörten ängsten geweßen. Dißer lezte 8brif hatt mich widerumb getröst, weils wider 9beßer ist vndt nuhr ein cattarr ist draus worden, 10der, hoffe ich, werde izt auch balt wider vergehn. 11Mueß aber bekennen, das ich noch nit gahr 12außer sorgen bin, biß ich könftige post die 13vollige gesuntheit ihr Durchlaucht vernemmen 14werde. Freilich wehre zue wüntschen, das ihr Durchlaucht


170 v
Faksimile

15sich einges rechtschaffenen doctors bedienten, aber 16das hab ich, weil sie hier waren, offt gebetten, aber 17niks erhalten. Ich due woll auch in aller vnter- 18dehnikeit in mein schreiben etwas durch gleichnus melden, 19hoff nit, das es werde vngenedig auf nemmen. 20Wegen der odiosen materi wüntschete ich, das vom 21Wißer mein brief nit wehre übergeben worden, biß 22ihr Durchlaucht widerumb ganz woll auf wehren gewesen, 23dan möchte nit alles darinnen angenehm sein oder 24in genaden aufgenommen werden. Das wichtige negotium 25betreffendt wüntschete ich, das er schon wek were, 26dan dero Liebden können nit glauben, wie stark man 27an ihr Mayestät vndt mich dringet wegen der bewusten 28vndt die cron Schpanien sich intressiret, der Botschafter 29hier stark vrgirt, das also kein zeit zu verliren. 30Dero Liebden sein gar woll entschuldigt, das ihr Mayestät so gleich 31nit haben antworten können, ihr Mayestät wißen selber woll, 32das ihre schrift zimlich difficile zue leßen ist. 33In Vngren stehn sie ganz aneinander, gott 34gebe, das es woll ablaufe, wie ich zue gott hoffe,


171 r
Faksimile

35vnd die türken duen vnsere in iren retranche- 36ment ordentlich belegeren, ich förcht, es wirt ein 37scharfs gefecht abgeben. Der liebe gott wolle alls 38zum besten schiken, das ich dero Liebden mit der nechste post 39ein beßere zeitung schreiben könne. Mit disen 40due ich mich dero Liebden befehlen vndt werde sterben 41dero Liebden 42getrewste schwester 43Eleonora 44Eberstorf den 27ten septembris 169445Hab vohrigs mahl vergeßen dise brif zuerukh zu 46schiken.