Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 03.11.1694
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/6
13. novembris 94 2Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerlibster herr bruder 3Ich hab dero liebsts schreiben vom 14ten dis woll empfangen, auch 4eines aus der canzley von eben selbigen datum . Wegen 5bruder Allexander, so hab ich mit ihr Mayestät gerett 6vndt vermeinen, das Regenspurg ihm nit vill helfen 7wurd vndt mitt Freisingen filleicht mit Cuhrbeyren 8wurd difficulteten geben vnd solches die schon durch das 9lüttische weßen geschwechte confidenz zwischen beden heüsern 10nit wider zuerecht bringen ließe vndt wan ers auch bekem, 11durch die üble conduite des bewerten schuzengels, 12ob er gutt oder bös ist, weis ich nit, würde es ewiche hendel 13mit Beyrn geben, weils so gahr in ihren landt ist. 14Also meinen ihr Mayestät, wan man dem Herzoch von Saxen, 15welcher ein posater gescheider herr, künte dort hin helfen, 16zu welchem ihr Mayestät alls bey dragen werden, vndt
17mit Beyrn wurd beßer comportiren zue dem, 18das er mit Rechenschpurch nit leben könt, weils 19jeziger zeit so schlecht ist. Also, meinen ihr Mayestät, wers 20beßer, wan man dem Bischoff von Augschpurg 21zur coadiutoria zue Eigstet helfen könte, warzu 22ihr Mayestät gahr gern helfen werden, wan ihnen nuhr wirt 23an die hant geben, wie die sach zu negotiren sey. Mit 24der odiosen materi, hoff ich, werds nuhn balt einmahl 25ein endt haben, welches mich woll frewen wirt. 26Wegen der quartier haben ihr Mayestät dem Graven von Holach 27befohlen, das er dero Liebden troupen solle sehn zue accomodiren. 28Wegen der anwerbung gibts noch einigen difficulteten, 29vndt meinen, die conditiones wehren schwer, es wirt 30aber mit nechstem ein resolution erfolgen. Ich bedank 31mich schönstens in nahmen meiner Hermenstein vohr 32alle gnaden, die ihr dero Liebden erzeigen, hab nuhr noch 33eine zue bitten, weil sie vermeinen, das nötig 34sey die atestation auch von vohrnemmern Cuhrfürsten 35solle vnterschriben werden, ob dero Liebden ihr auch diese gnad 36dun wolten, der Hezers wirt dero Liebden in ihren nahmen darum 37vnterdehnigst bitten. Die haubt sach betreffendt bin ich
38woll froh, das er abgereist ist. Wegen Dennemarkh 39hab ich schon lezt mein meinung geschriben, nemmlich 40das sie schon zue alt, in vnser religion erzogen zue 41werden. Der Hamilton mues sich aber precieus halten, den wan 42sie sehn werden, das er gahr zue vill empressement 43zeigt, werden sies deürer geben. Ich wolt, das der 44hiesige Resident drinnen wehr, der hett gern die gloir 45daruon, vndt wan man nuhr das intent erreicht, 46kan man ims schon laßen. Er ist ein wehnig gialous 47über des Hamilton reis, dan er meindt, er wurd ihm ein 48eindragt dun, aber ich will machen, das man ihm 49an die handt gibt, er soll sich des Hamilton gebrauchen, 50damit er durch dero Liebden bey vns die sach helfe richten. 51Man könt woll auch dorten sich verlauten laßen, das, 52wan sies nit wurden dun, Dennenmarkh nit so vill 53difficultet villeicht wurd machen. Nit, das man drauf soll 54gedenken, sondern damit dise desto ender die andre draus 55zue halten möge eingehn. Dise sach mus mit großer 56dexteritet negotirt werden, der Hamilton ist schlim genuch 57darzue. Bitt, dero Liebden wollen ihm dise nachrichten schreiben, auf 58Dennemarkh ist nit zu denken, schlies vndt
59werde sterben 60dero Liebden 61getrewste schwester 62Eleonora 63Wien den 3ten novembris 169464Bitt, mich bey meine liben fraw schwegrin zue entschuldigen, 65mit nechstem werd mich mit schreiben einstellen, 66haben disen brif so lang gemacht, das mihr kein 67zeit ist über bliben. 68Das hatt auch der Resident gesacht, man mus 69nuhr die predicanten bestechen, sie sein so geizich, 70das sie vmbs gelt dem Könich als vom 71gewißen nemmen werd.




