Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 04.11.1694
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/6
Überlegt, wie die Mutter zum Verbleib in Neuburg zu bewegen wäre. – Wartet in der „odiosen Materie“ noch Antwort aus Kaub ab; der Dr. (Doktor Schweizer) weigert sich, den Revers zu unterzeichnen. – Als weiteres Bistum für den Bischof von Augsburg (Bruder Alexander Sigismund) käme eher Regensburg als Eichstätt oder Freising in Frage; der Schallenberg sollte aus seiner Nähe entfernt werden. – Bittet um Anweisungen zur Aufstellung eines Regiments für die Reichstruppen, da die Zeit drängt. – Befürchtet nach der Freilassung des (kursächsischen Generalfeldmarschalls Hans Adam von) Schöning dessen Rache und schlägt deshalb vor, ihn im kaiserlichen Dienst in Ungarn zu verwenden. – Sieht sich von kaiserlichen Kommissaren bei der Truppenversorgung benachteiligt und bittet um Unterstützung EMTs in dieser Angelegenheit sowie bezüglich des Oberrheinischen Reichskreises . – Berichtet im Zusammenhang mit der Brautsuche für König Joseph I., dass er dem nach Stockholm entsandten Hamilton die von EMT geschickte Instruktion weitergeleitet hat und dass der spanische König keineswegs Savoyen bevorzuge. – Bittet um eine Entscheidung bezüglich der Prinzessin von Dänemark . – Hält Modena für die beste Option für die Wiederverheiratung der Schwester (Dorothea Sophie) in Parma . – Empfiehlt den guten armen Rummel .
14. novembris 94 2Copia 3Allerdurchleüchtigiste p. 44. Nov. 1694 5Ew: Kay. May. allergdstes handtbriefflein vom 20ten 6octob. jüngst habe ich mit geziemendem respect zurecht 7gehorsambist erhalten, vnd erstatte ew kay. May. aller 8vnterthgisten dankh, daß dieselbe meine gehorsambiste ent- 9schuldigung so gnädigist auffgenohmmen haben. Ich mache mit 10deroselben kein ceremonien, sondern observiere den schul- 11digisten respect: vnd weilen ew. kay. mirs also gdst. 12erlauben, so werde ich in dem vnterthgsten alltem engen 13vertrawen mein offenes: vnd devotes hertz zu dero gdsten: vnd 14liebsten füessen, bey allen vorfallenden gelegenheiten legen, 15vnd daß innerste meines herzens in allem tieffestem respect 16ausgiesen, mit der alleinigen aller vnterthgsten bitte, wan 17imer einmahl propositi heraus brechen, es meinem auff- 18richtigem vnterthänigist-getreüem eiffer vnd vnver- 19änderlicher devotion, auch rndtlichem teütschen patrioti 20schem intention, vnd keinem andern zuezueschreiben: sovil 21nun forderist vnsere gdst. vnd liebste frau mutter dhl. 22anlanget, beziehe ich mich, weg ihres beständigen hirbleibens 23mit dero gdsten erlaubnuß, kürze halber, auff mein jüng- 24steres, vnd kan ich ew. kay. May. versichern, daß die 25Margret: vnd der appotecker alles vermög, wie auch die 26gute fraw von Ketzgen, allein wirdt gar vil darzue 27contribuiren, wan ew. kay. May. durch die Mamer 28zu Neüb. auch vnsere gdste fraw mutter beständigist bey 29mir zu verbleiben persuadiren lassen wollten, vnterdessen 30will ich dahin trachten, daß ich den Pater Guardian 31von den Franciscanern zue Neüburg durch versprechung 32vund allerhandt andere mittelen auch mir kräfftigist
33zue assistieren disponiere, vnd wan ew. kay. May. vor 34die Bergerin einen heürath wüssten, so wehre demnechst alle 35difficultet aus dem weeg geraumet, vnd daß negotium 36haubtwohl incaminiert, dan ohne dennen selben ist niemahl 37wahrhafftig nihks auff der wellt zu richten, dan die fraw ist 38so variabel, daß ichß vnmöglich beschreiben khan, vnd 39habe ich, vmb sie insensiblemente noch mehrers zu enga- 40gieren, eine Zeit lang: vnd also nach vnd nach gahr beständig 41hier zu verbleiben meinen bruder Carl ersuechet, mit seiner ge 42mahlin hiehero zue mir zu khommen, vmb bey mir einzueliegen, 43wie fart: vnd schwehr eß mich auch wirdt ankhommen, es ist mir 44doch alles leicht, wan ich nur gedenkhe, daß ich vnser gdste 45frau mutter dadurch conserviere, vnd ew. kay. May alle 46gdste intention erfülle, deren gesundtheit sonsten betreffent, 47hat dieselbe wider einen zimblichen strkhen cathar, vnd huesten, 48befindet sich sonsten aber, gottlob, haubtwohl, weilen sie 49mir gahr starkh verbieten lassen, ew: kay. May. nichts 50hiervon zumellden, so bitte ich dieselbe auch allervnter- 51thänigist, jah nichts dergleichen gegen vnsere gdste fraw 52muetter vermerkhen zue lassen, wie auch wegen meines bru- 53der Carl, biß er mir antwohrt, vnterdessen aber können 54ew: kay. May. mir gahr eine grosse gnade thuen, 55wan sie meines brueders herunter reise gdst: befördern 56wollten: die odiose materie belangent, erwhrte ich noch 57antwohrt von Caub, dan der D:r sich gewaigert, den revers 58zu vnterschreiben, vil wenniger zu beschwehren, ich habe ihme 59aber noch eine: vnd andere remonstrationes thuen lassen, 60auff welche ich stündtlich seiner resolutionen gewährtig 61vnterdessen aber trawe ich die wahrheit zu sagen dem Bischoff von
62Augspurg nicht allerdings nicht, allerdings in dieser materie, dahero 63wirdt ew: kay May allergdste nachtruckhlichiste erinner- 64ung daß beste thuen müessen, vnd werden dieselbe hoffentlich 65deß bischoffen schreiben wider zue recht zu empfangen haben, 66daß ew. kay. May. ihme seine stichel wöhrter so gdst über- 67sehen, ist in wahrheit eine grosse gnade, dan obwohlen man zwischen 68brüdern, vnd geschwistrigten nicht alles so naw nehmmen vund men- 69suriren muß, so ist doch billich, daß man sonderlich gegen 70ew. kay. May. in terminis des schuldigisten respects bleibend, 71sonsten taugts nicht: eß wehre sonsten wohl billich, wan man 72dem armen menschen noch zue einem bischthumb verhelfen könnte, 73sonderlich aber in seinem verwirrten kopf, vnd glaubete 74ich zue Regensdpurg gehe es noch zum ersten an, dan zu Eich- 75stett hat er sich sans resource verhasst gemacht, durch 76seine grobheit, vnd Freyßingen bitte ich nochmahlen 77vor den ehrlichen herren von Sachsen aus, dan er es ein- 78mahl vohl meritiert per ogniverso, wie man ihne nihmbt, 79vnd wegen seiner vortrefflichen ? qualiteten, vnd wegen 80seiner meriten vnd wegen alles, den lieben sauberen Schallen- 81berg betr. bitte ich vnterthgst vmb gottes willn, dem Bischoffen 82zeitlich noch vnd zwahren schleünigist abzuernehmen, dan sonsten 83gehet mein armer bruder ohne änderung zeitlich vndt ewig 84verlohren. Wegen des regiments ist es die höchste 85zeith, sowohl die wechselen als die conditiones über zueschikhen, 86vnd zue fermieren, dan sonsten ich an kheine zeit, wan man 87mir auch 100. duggaten auff den man geben wollte, mehr gebun- 88den sein will, weilen eß mir pure lautere vnmöglichkeit ist, 89bitte derweg vnterthgst vmb gottes willen meinen courrier ehistens 90wider zu ruckh zu befördern, mit den resolutionibus, dan die zeith 91verstreicht, vnd an fueß volckh ist hart oder gahr nicht zu khmmen
92Jedoch können ew. kay. May. versichert sein, daß ich mein eüßerstes 93thun vnd gewiß nichts in meines Kaysers vndherren dienst ver- 94absaumben werde, allein es lasset sich nicht übereülen vnd 95wan man daß rechte tempo, so schon vorbey ist, nit genawest 96in acht nihgmbt, so ist es ohnmöglich fohrt zu khommen, wegen der 97übrigen Werb: vnd ?tirung daß ew. kay. 98May sich gdst bedankhen wollen, das ich mit dem von 99Nesselrahdt dero gdsten befehl adimpliret, ist ein excess dero 100gnädigkeit, vnd habe ich nichts gethan, als warzue mich meine 101höchste schuldigkeit anweiset, ingleichen wegen des Gessers. 102Des Schönings entlassung vnd dessen üble sequelas belan- 103gent, lasse ich ew. kay. May. ja allergdst höchst ver- 104nünfftig consideriren, ob das nicht ein grosse schwach- 105heit von einem ministro ist, wie der graff Strattman wahr, 106seinem gdstem herren zu einem ding zue rathen, welches er 107darnach selbsten desapprobiert, vnd wider zu emdern 108eingerathen, dan er ja gahr leicht denkhen können, daß disem 109mensch, wan er wider auff freyen fues sollte gestellet werden, 110sich diser gefangenschafft halber gewiß rechtschaffen vindiciren 111würde, absonderlich, dah er seinen vindicativen humor 112gnugsamb gekhennet; hat man fundament gehabt, hette man 113kurzen process mit ihme machen sollen, oder gahr gehen lassen, mit 114einem wohrt, eß ist hallt ein fürstenberg. gefängknuß daraus 115worden, gott gebe nur, daß man kheine noch üblere sequelas dar- 116auß zue befahren habe, wie sich schon zu seiner zeit leider her für 117ihm wirdt, vnd ist diesem allem vorzukhommen, khein anderes 118mittel, als daß I. May. dem Schöning suechen in ihren dienst zue 119nehmmen vnd in Hungahrn zu emploijeren, sonsten fprchte ich 120wohl, eß werden dergleichen contra tempi, wie heüer am Rhein 121vnd dessen passierung wider geschehen mehr vnd gott gebe kheine ärgere, 122khünfftig hir her vorbrechen, dan er gilt anjezo mehrers alß niehe 123vnd wirdt
124vnd wirt ohnerachtet seines geleisteten juraments 125vnd von Chur Sachsen, so solemnellement gethanem 126versprechen zu allem, nichts asgenohmen wider emploijret 127vnd führet in allem dicasterijs, wie sie auch nahmen 128haben, wider sein simone. Gott schicke alles zum besten 129was das quartier, electorats, vnd das oberrheinische 130craijswesen anlanget, bitte ich wol vnderthänigst, ewer 131kayserl. May. laßen eß sich doch allerggst angelegen 132sein, dan einmahl die religion, zuforderst gott, mein 133Kaijser vnnd daß ganze gemeine weßen leidet 134mercklich hierahn, wie sieselber vom h. Prinzen Louis 135selbsten vmbständtlig vernehmen werden, in dem 136ersteen bin ich ahm schlechten versehen, vnd habe das 137mehriste gethann vnnd gelitten, vnd daß wegen muetwilliger 138nachläßigkeit der kaijserl. commissariorum, so anderen 139sex vnnd dem meinigen kaum eins, vnd daß noch vnrichtig 140gereichtet, vnnd also meine trouppen den anderen ganz 141nicht gleich gehalten, welches die ursach ist, das meine 142trewen vnnd willigste trouppen ohne resource verdorben 143seint, daß andere gehet auch schläfferig herr, daß man 144nicht eben alles suechet vorzubringen, vmb der religion 145der cronn Böheimb vnd den laedirten chur: vnd fürsten zu
146ihrer satisfaction zu verhelffen, vnd daß letzte 147wegen deß craijses ebenfals, dahn doch hierinfalß periculum 148in mora, vnd könte nicht schaden, wan ewer kays. May. 149schon dem ietzigen Teutschmeistern etwas 150auffmunteren, vmb eijfferiger in diesem negotio zu 151sein, welcher sich etwa wegen privat absehen des 152ordres, einzuschlaüffen scheinet, wegen deß habt 153negotij habe ich dem hamilton die von ew: kays. 154May. mir ffst verschriebene nachricht zu seiner 155direction zugeschickt, vnd hoffe ich, er werde 156nuhnmehro schon zue Stockholm sein, vnnd habe ich 157von gewißer handt die nachricht, daß der König in 158Spanien der heyrath in Sauoyen gar nicht portie- 159ret, auch nicht mehr darinnen schreiben oder negotijren 160werde, vnnd waß er gethann, gleichsam darzue gegen 161seinen willen gezwungen worden, darauff sich ewer 162kays. may. gnädigst verlaßen können vnd nur 163wegen der anderwertig her etwahn beschehende starcke 164instanz in ruhe vnnd außer sorgen stehen, dan ich 165dauor canire, daß es der könig in Spanien 166nicht portiert, vnd gar seinee intention nicht ist 167meine schwester in Parma betrf. hatt mir ihro 168dh. vnsere ggste fraw mutter derselben brieff
169communiciret, warauff ich dan dem Hamilton 170befohlen, wan sie iahe zue Stockholm von ihr keine 171anregung theten, solte er absolute davon abstrahiren 172dan daß eine mögte etwan daß andere stecken 173vnnd finde ich ohne vnderthenigste maßgebung dißen 174heyrath mit Modena daß zulängligste vnnd daß kurzeste 175mittel sie auß ihrem elendt vnnd tormento u helffen, 176dahero keine zeit darinnen zu versaumen währe 177allein verden beyderseits ewer kays. May. may. 178dero mächtigste handt darüber halten vnnd sie beij 179diesem beßer, alß beym vorigem heyrath zu versorgen 180suechen, sie meritiert eß auff alle weiße, bitte 181dahero vnderthänigst meiner armen lieben, vnnd 182betruebten schwester allezeiyt nachtrukhligst anzu 183nehmen, wie ich dan darüber dero ggsten weiterem 184befehlt erwarte vnd vnueränderlich lebe vnd sterb. 185Bitte wegen meine anfrag, die Princeßin in 186Dennemarck betrf. eine ggste positiuè resolution 187mir ggst zu vberschreiben, vnnd den armen vnd trewen 188Rommel sich absonderlich in gnaden ahnbefohlen sein 189zu laßen, auß demen schon einmahl vnderthenigst 190vberschriebenen trifftigen ursachen. 191192193










