Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 11.11.1694
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/6
Bittet, EMT möge ihre Schwägerin (Pfalzgräfin Luise Charlotte) zum Verkauf ihrer litauischen Güter zugunsten des Bruders Karl (Philipp) bewegen und den kaiserlichen Residenten in Polen mit der Abwicklung des Verkaufs betrauen; dies ist wegen des schlechten Gesundheitszustands der Schwägerin dringlich. – Bittet um baldige Antwort bezüglich der Prinzessin Sophia Hedwig von Dänemark (wegen Eheverhandlungen für König Joseph I. ) und bezüglich seines Friedensprojekts sowie des Oberrheinischen Reichskreises .
1234Weilen ew. kay. May. mir so allergdst. erlaubt haben, 5in allen meinen vnd vnsers ganzen Churhauses anligenheiten 6in alltem engen brüederlichen, vnd kindtlichen vertrawen 7zue deroselben meine allervnterthänigiste zueflucht zu 8nehmen, also thue mich dessen bey gegenwehrtiger con- 9junctur in tieffestem respect mit deroselben allergdstem 10erlaubnuß, allergehorsamb. praevalieren, vnd vnter- 11thänigist bitten, dero höchste authorithet, vnd mächtigiste 12 protection anjezo vnß sambtlichem, alß am allermaisten 13dabey interessiert, allergdst. mit zuetheilen, vnd genüesen 14zulassen. 15Eß werden sich verhoffentlich ew. kay. May. annoch 16allergdst. erinnern, welcher gestallten sowohl meines 17liebsten bruders Carls, alß ich, theiulß schrifft, theilß mündt- 18lich wegen verkhauffung der in Littaw ligenden, so ansehentlichen 19güetteren, von welchen mein liebster bruder, wenig, oder 20nichts geniüeßet, durch meinen jüngst an deroselben 21hoff von mir verschickt geweßenen Hoffcantzlern Freyh. 22von Wißer, ew. kay. May. vnterthgst. anbringen, 23vnd belangen lassen, vnd waß für trifftige vhrsachen mir 24damahlß vnterthgst. vorgebracht, auch auff weme 25dießes ganzes negotium biß anjezo beruhet. Gleichwie 26nun allergdste Kayserin, vnd fraw, durch die ver 27mählung deß herren Churfürsten in Bayern Ldten vnserer 28seits die sonsten etwah gehabte nicht geringe hoffnung 29zuer cron, wohe nicht völlig verschwunden, wenigistens 30mercklich schwehrer gemacht worden, alß siehe ich khein 3132
33anderes mittel, meinem armen, vnd liebsten brudern 34dermahlen einist völlig auß seinem ellendt. vnd be- 35trüebnuß zuehellffen, als daß man, auß hirbey gehen- 36den vnwidertreiblichen vhrsachen demselben 37auf alle möglichiste weiße zue verkhauffung obge.mr 38seiner güetter durch dero ehiste, vnd mächthigiste protection 39interposition, vnd authorithet bey meiner fraw 40schwägerin (so wegen ihrer vnbeständigen gesundtheit 41vnd einer etlichen mohnaten bevorstehender nider- 42kunfft auffs schleünigiste vnd nachtrucklichiste geschehen 43muß, wan man anderst ein so grosse advantage nicht 44völlig will verlohren gehen lassen) verhellffe, demen ich nur 45dieses noch hinzueseze, daß wan ja ew. kay. May. 46allergdst. vermeinen, daß dem von Vogt hierinfalls 47nicht allerdings zuetrawen seye, vnd man seiner dannoch 48bey obgemellter verkhauffung, wegen einer in sachen 49habender recht gründtlichen information, nicht wohl 50wirdt enbehren können, ew. Kay. May. demselben 51einen zuegeben, so auff seine andamenti achtung gebe, 52worzue dero Resident am pohlnischen hoff, vmb bey der 53verkhauffung der güetter, vnd derentwegen etwan 54empfangenden gelldern gegenwährig zuesein, vnd die 55übermässige etwan auff rechnende vnkosten zue hin- 56der treiben, zue derselben heraußtigen anlegung aber 57etwah ein anderer, auff welchem dan ew. kay. May. 58das mehreste allergdste vertrawen möchten gestellt haben, 59am tauglichisten sein vnd gebraucht werden möchte: 60Ich bitte ew. kay. May. allervnterthänigist hierinfalls 61vmb so schleüniger gdste gewührige resolution,
62vnd expedition, alß es wahrhafftig summum periculum in 63mora ist, vnd jeder augenblickliche verzögerung gefährlich, 64sey können vnß allein aus diesem vnserem anligen helffen, durch 65ein par gdster, vnd nachtrucklicher zeilen an meine frau schwä- 66gerin, vnd expedition der commission, vollmacht vn instruction 67auff den Voget, vnd dero pohlnischen Residenten; sonsten 68allergdste frau erwahrte ich annoch mit schmerzen durch 69meinen nunmehro in die siebende wochen zue Wien war- 70tenden courrier, dero gdste resolution wegen der werbung, 71der vnterthgster anfrage wegen Dennemarkh, deß von 72mir vnterthänigist auß auff richtigister meinung, vndt 73treüen intention auffgeseztem vnd überschickten friedens-pro- 74ject, vnd deß ober rheinischen crayßes wegen, wegen 75wessen ein kherniges allergdstes auff munterungs-schreiben 76an meinen bruedern den jezigen Hoch- vnd Teütschmaistern 77nicht vndienlich währe, dan wan man diese occasion vorbey- 78gehen lasset, wirdt sobaldt, vnd villeicht nimmermehr eine 79so favorable khommen, den vncatholischen wenigistens an diesem 80ohrt gantz glümpfflich vnd vnvermerkt die waffen aus den 81handen zue reissen, vnd vnsere in höchter gefahr stehende 82religion zue salvieren, ew. kay. May. nehmen mir dieße 83meine vermessenheit nicht vngnädig auff, vnd glauben, 84daß eß auß lauterem auffrichtigem redtlichen teütschem 85gemüeth, treüer devotion, vnd vnterthänigistem ver- 86trawen zu deroselben höchsten kayserl. persohn einzig vnd 87allein herrüehret: vnd keiner in der welt, mit mehrerer 88wahrheit, trewe, liebe, devotion, vnd respect vnveränderlich 89sein kann, alß der jeniger, so sich zu dero beharrlichen höchsten 90kay. hulden vnd gnaden empfehlendt vnverenderlich bleibet vnd stirbet 91
92P. S. 93Mein hertz allerliebste gemahlin leget sich zue ew. kay. 94May. füessen, vnd bittet vnterthänigist, sie beständigist 95in dero gnaden, sambt allen den ihrigen zue erhallten, 96 ihrer dhrt vnsere gdste fraw muetter ist zwahr etwas 97bessers, hat aber dannoch einen noch hefftigen huesten. 98Vom Hamilthan hab ich brieff vom ersten dieses aus 99Hamburg, vnd ist die gutsche, so ihn dahin gebracht 100gestern wiederumb hier angelanget, ich trawe, er seye 101nunmehr zue Stockhholm den erfolg bericht ich vnter- 102thänigist p. 103104105106107





