Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, o.O. am 29.04.1699
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/6
1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Ich förcht gahr, die tinten werd sich werben vohr dero Liebden 3zu erscheinen, in dem ich so lang dero liebste schreiben nit 4beantwort, dero Liebden haben woll vhrsach, ein rechten verschmach 5auf mich zue haben. Bitt aber auf aller herzligste vmb 6perdon, werd mich ins könftig befleisen fleißiger zu 7sein. Erstlich zwar seint die hochzeit vndt fest vndt der heilige 8fasching daran schuldich gewest, darauf hab ich ein 9fluß auf die augen bekommen, das ich nit hab 10schreiben derfen. Wie das vergangen, hab ich ein starkhen 11cattarr bekommen mit kopfweh, das ich wider
12nit hab schreiben können. Dißer hatt gedaurt bis in die heilige 13carwochen, darauf hatt dise heilige zeit mich wider 14biß dato verhindert, gott lohb, ich bin ganz iezt woll 15auff bin, weil ich izt will ich mich befleisen alls 16zue ersezen. Bedankh mich ersten, das dero Liebden meiner in dero heiligen 17gebett steint eingedenkh gewest vndt so vill gutte 18wuntsch haben duen wollen. Wüntsch dero Liebden auch das heilige alleluia 19vndt zu dero geburzdag, den mihr celebrirt haben, alle 20glükhsehlichkeiten, so sie selbsten verlangen können. 21Bedankh mich auch vohr den balsamb, werd dero Liebden daruohr alzeit 22obligirt sein. Wegen Prinz Jacob, so ist er schon reusonabler, 23er macht iezt die deilung mit sein brüdern, er offerirt, 24er will darnach die gütter seinen brüdern verkaufen 25vndt das geldt heraußen anlegen vndt mein fraw schwester 26darauf versorgen. Wan es geschicht, wirt es gahr gutt 27sein. Ich bin dero Liebden sehr obligirt, das sie sich in Portugal wegen 28der sucession interponiren wollen, ich förcht aber, sie werden 29sich doch nit heraus lasen, weil man noch von hier 30nit den Botschafter hinein geschikt hatt, welcher 31doch iezt gehen wird, wirt der junge Carl Walstein sein,
32dan weil sie ein heraus geschikt haben, pretendiren sie billich, 33das mihr wider einen hinein schiken sollen. Wan man die 342 schwestern wider kundt in gutte verstentnus 35brengen, wehr es woll gutt, weis aber nit, ob dero Liebden bey 36der Konigin in Schpanien vill credit haben werden, dan kan dero Liebden 37nit bergen, das sie sich gegen mihr sehr beklacht hatt, 38das dero Liebden ihr nit fleisich schreiben vndt sie gahr nit 39achten, vndt solten dero Liebden gnädig daruohr halten, sie laße sich von 40der Perlips ganz regiren, das hatt sie sehr übel 41genommen. Ich hab es ihr zwar widerschprochen vndt 42dero Liebden so schön entschuldigt als mihr immer möglich. 43Ich bitt, dero Liebden wollen ihr fleisich schreiben vnd lieb zeigen, 44aber beyleib niks melden, das ich dero Liebden geschriben, dan sie 45mihr es hoch verbotten. Hatt aber doch gemelt, das ich soll 46suchen, dero Liebden die sach bey zue bringen, aber nit, das sie mihr 47es geschriben hab oder das sie was drumb wuste. Also 48bitte ich, dero Liebden wollen doch ganz niks melden, das ich geschriben, 49das sich die Königin beklacht, sonst kem ich auch 50auf einmahl aus dem credit. Es wehr auch gutt, 51wan mein fraw schwegrin ihr bisweilen schreiben deht. Sie zeicht sich
52sonst iezt gegen mich gahr gutt, gott geb die continuation. 53Es ist mihr sehr leidt, das die sachen zue Frankhfort so 54übel gehn, werd nit vnterlaßen, es ihr Mayestät eifrich zue 55reccommendirn, auch mit dem Cauniz daruon zue 56reden, dem ihr Mayestät, mein Keiser, entlich auf dero Liebden so hoches 57begern vohr sein fraw den zutrit geben hatt, waruohr er 58sich dan schon wirt vnterdehnigst bedankt haben. Er wirt dero Liebden 59auch bericht haben wegen dero anhero konft, das es 60etwan könte sein im julij, dah wolen ihr Mayestät auf die 61Neüstatt, oder ob es nit villeicht dero Liebden lieber vndt 62anstendiger wehr könftiges iahr, dah ihr Mayestät gedenken 63gleich nach der beys auf Prag zu gehn, das 64dero Liebden dorthin kehmen. Dah kunte mein fraw schwegrin auch das 65teplizer bad gebrauchen, welches man noch vohr tem- 66perirter halt als das zue Baden, vndt wurde auch 67wegen aller andern sachen villeicht dorten alles beßer 68vndt gelegener sein, auch länger könen beysammen bleiben. Doch duens ihr Mayestät dero Liebden frey stellen, 69wie sie es wollen einrichten. Ich kan vnmöglich heünt 70die übligen puncten beantworten, auch meiner
71fraw schwegrin nit schreiben, dan die zeit ist zue curz 72iezt, weil mihr balt auf Laxenburg gehen, über- 73laufen einen die leüt, das nitt zue sagen. Mit dem 74vilan Villars ist die sach gericht, vndt hatt 75man ihm meines erachtens nuhr gahr zu vill 76nach geben, dan er zimlich insolent, wie die nation 77pflegt zu sein. Hirbei kombt der roßenkranz, 78dero Liebden müßen ihn 3 mahl betten, ein mahl vohr die kirch, 79das ander vohr den Papst vnd das 3t vohr den, der 80ihn geweit, darauf haben dero Liebden den ablaß allezeit. Due 81mich dero Liebden schonstens befehlen vndt werd sterben 82dero Liebden 83getrewste schwester 84Eleonora 85Mein sohn last sich auch entschuldigen, 86das so lang nit geschriben. Er hatt die entschuldigung ganz 87aus dem euangelio vxorem duxi. Gottlob, 88sie haben einander so lieb vnd seint so content, 89das es woll vohr vns ein große freüdt, desto 90mehr, weil sie sich auch schon mus im seßel dragen 91laßen, mein sohn ist ganz stolz.











