Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 02.05.1699

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/6

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerliebster herr bruder 2Neülich habe ich wider mein willen meinen brief vnuollenter 3vortschiken müeßen, weilen die zeit nit erlitten hatt, weiters 4auf die andere puncten zu antworten, also due es 5hiermit vortsezen. Vndt zwarn des Herzoch von Florenz 6wegen der lehen, weis ich mich einmahl nit mehr 7zue erinnren, was es seint, auch der Montauti dersider 8kein weitere instanz gemacht hatt. Das auditorat 9betreffendt hab ich woll so vill abnemmen könen, 10als das ihr Mayestät mehrer auf ein deütsch sub- 11iectum gedenken, hab auch gehört, ob solte der


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12der Cauniz vohr seinen sohn ein gedanken darauf 13haben. Wegen des Prinzen Don Gaston, ist mihr sehr leidt zu 14vernemmen das ienige, was aus derselben brif, welcher 15herbey wider zuerukh kombt, ersehen. Dero Liebden aber die wahrheit 16zue bekennen, hab ich woll allezeit dises vohrgesehn, 17dan ihr humor, soganz nuhr auf die wirtschafft 18vndt landleben gesezt, mit ein solichen herren, der in 19ein solchen hoff, woh allerhandt diuertissement vndt 20gutte geselschafften seindt, hab ich alzeit geförcht, werden 21sich nit vergleichen, wie dero Liebden sich dan noch woll werden zue 22erinnern wißen, das ich etwas dergleichen gemeldt, wie 23diese heirat ist proponirt worden. Ich glaub woll 24nit, das sie leichtlich sich beklagen werde, solte aber 25etwas soliches an mich gebracht werden, so werde ich 26nit vnterlaßen, alles mögliste bey zue dragen, was 27zum besten vndt vereinigung der gemüter 28gedeyen möchte. Was aber das tractament anbelangt 29haben ihr Mayestät, mein Keiser, mihr geantwort, das das tratemento


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30regio nichts neweß, sondern schon beym Keißer Matias gewest, 31alßo die bede herren, welche dahir gewest, gleichwoll 32niks mehrers pretendirt haben, dah sie doch selbiges mahl 33eine von Florenz von dißem hauß des Keisers selbsten, 34sein fraw schwester, zue ihrer fraw mutter gehabt vndt 35also wegen der nahenden anuerwantschafft ender 36es hetten pretendiren können. Wan dan man dißen Prinzen 37wurde merers duen, wurden alle die herren, welche so nahendt 38vndt deils nähender als sie befreündt seindt, auch 39von curfürstligen hauß, ein gleiches begehren vndt 40diße sach in gahr weitlaufige vndt ihr Mayestät sehr 41preiudicirlige consequens gezogen werden. Wegen des 42Clermont, werden ihr Mayestät kein bedenken haben, ihme reccomen- 43dation in Schpanien zu geben. Were etwan gutt, wan er 44noch in einen memorial begerete, wie er es begert, 45damit man die reccomendation darnach könne 46einrichten. Den Pfilip von Zinzendorf werd ihr Mayestät bestens 47reccommendirn. Wegen der indimnisation, in


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48in gleichen, waß dero Liebden in der allianz gedahn, daruohr 49seint ihr Mayestät dero Liebden sehr obligirt, werden alles suchen zu erkenen. 50Der Fukerin eiden werd auch ihr Mayestät reccomendirn. Den Landgrav 51Friz betreffent werd also in Portugal schreiben, wie dero Liebden 52veranlasen. Die Königin in Schpanien war drüber 53sehr allarmirt, hatt vermeindt, er werde in 54Schpanien gehn vndt schreibt mihr, ich soll ihm nach- 55schreiben, das er alsobalt wider zurokh keren soll, 56weil er aber in Portugal geht, wirt es ihr schon recht 57sein. Die römische sach betreffendt, so hatt mit occa- 58sion, das man die dispens zur heirat begert, der 59Herzoch von Modena sich interponirt, auch nachgehns 60ihr Mayestät dem Cardinal de Medici herüber zuegeschriben, 61bisdahto aber habens nit vill ausgericht. Ist zwar 62alles ohne comission von Keiser, wan dero Liebden nuhr machen 63können, das ihm der Papst audienz gibt, vndt 64zwar nit nuhr einmahl zue vrlaub nemmung, 65sondren vorhero wie sonsten, so werden hernach


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66ihr Mayestät schon ein mitel finden, in abzueruefen vndt einen 67dorthin zu schiken, welcher ihr Heiligkeit angenehm sein möchte. 68Dero Liebden müesen aber gahr niks melden, als wan man hir das geringste dauon wüste, 69sondern nuhr alles ganz aus sich vndt aus ihnen gett vnd so, das sie701gahr nit merken, das man hir was daruon weiß, was dero Liebden duet, auch damit der Cardinal Medici und Herzoch von 712Modena nit meine, man wolt von hir hinter im her negotiren, weil sie sich schon darumb angenommen. 72Den Neßelraht wolt gern helfen, wan nuhr könte, es ist 73zwar iezt ein bistumb in Vngern lähr, aber sie 74sagen, es mus durch einen vngren ersezt werden, 75es wurd sonst die nation gahr zu vill disconsoliren, 76wan man, nach dem der Cardinal vndt Bischoff von Rab seindt, 77wider einen deütschen sezen wolte. Ich hab mich sehr verwundert 78zu vernemmen der casus, so dero Liebden auf der reis begegnet, 79das das pfert gescheudt hatt, gott lob, das so ist abgangen. 80Hir hatts am carfreitag gedonnert, gestern ist auch ein 81zimblich starks wetter gewest, sie sagen, es bedeüt ein fruchtbares 82iahr, so der liebe gott geben wolle, amen. Sag dero Liebden schuldigsten 83vndt schönsten dankh vohr den balsamb, ihr Mayestät, mein Keiser, ist 84es absonderlig lib gewest, auch das recept dauon zu haben. 85Bedanke mich auch über das vberschikte fleisch, zungen, fisch 86vndt pumpernikel, mir zehren noch als daruon, allein 87bitt ich, dero Liebden wollen wider ein pumpernikel schiken.


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88Mihr haben neülich dauon gerett, so hatt mein fraw dochter 89gesacht, wie gern sie in ist, mich dunkt, es ist ein 90kleiner lust. Dero Liebden wollen balt einen schiken, der lezte 91war sehr gutt, ich hab in fleisich aufgeßen, hab vill 92wochen dran geßen. Das geselchte fleisch vndt zung 93hatt auch allen woll geschmekt, sach darführ schönsten dankh. 94Dero Liebden haben gahr zu vill geschikt, vnmasgebig, wan dero Liebden 95doch die guttheit wollen haben, biß weilen so waß zu schiken, 96wehre es beßer wehnig auf ein mahl nuhr mit 97der post, dan wans warmb ist, last sichs nit so lang 98halten. Ein recht pekel fleisch, mein ich, wurd her auch woll 99schmeken. Wan ich nuhr auch was wust, warmit dero Liebden 100bedienen köndt, bitt, dero Liebden wollen mihr es wisen laßen, wehr 101mein gröste freüdt. Die apfel vndt birn zue machen 102ist kein große kunst, man nimbt nuhr die apfel 103oder birn, dutts ganz dün geblätelt schneiden vndt 104so dan ein leg daruon vndt ein wehnig, aber wehnig zuker darzwischen. 105Darnach drukt man von portugeser pomerantschen oder von 106limoni was man will drauf vndt das so etlichmahl auf


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107einander. Wer gern scheller daruon ist, schneidt mans klein vndt 108duets oben drauf strauen, last hernoch ein stundt oder 4 109so stehn, so machts selbst die supen vndt ist fertig. Ich 110wüntsch, das es dero Liebden woll schmeken vndt bekommen 111möge. Ich aber werde leben vndt sterben 112dero Liebden 113getrewste schwester 114Eleonora 115Wien den 2ten maij 1699116Dero Liebden, bitt ich, wollen mein entschuldigung machen 117bey meiner fraw schwegerin meins langen stillschweigen, die vhrsach hab 118ich bey vohrige post geschrieben. Schik auch hir bey alles, 119was hier gehalten worden, dero Liebden wollens meiner fraw schwegerin geben, 120damit dero Liebden werden so occupirt sein, das sie dis nit werden 121als lesen konen.


1Es handelt sich um eine senkrechte Einfügung am linken Blattrand.
2Es handelt sich um eine senkrechte Einfügung am linken Blattrand.