Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Favorita am 15.07.1699
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/6
0001Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 0002Die einzige vhrsach meines so langen stilschweigens 0003ist allein gewe ßen die täglich erwartenden abreiß des 0004Graven von Sinzendorff, wie dan dero Liebden aus beyligenden meinem 0005schre iben erse hen werden, welches ich scho n den 3ten passato geschriben vndt 0006daglich auf meinem disch dißer abreis erwart hatt. 0007Alle die jenige, so dero Liebden mihr haben wollen nac h vndt nac h reccomen- 0008dirn, werd nit vnterlaßen, ihr Mayestät, me in Keiser, auch eifrigst zue 0009reccomendirn, insonderheit den Clermont betreffent werde 0010auch die antwort solicitirn. Wegen des Prinz Don Gaston werden 0011ihr Mayestät, wan er solte hie herkommen, kein bedenken haben, gleich 0012dem Prinz Iacob ihm priuata in der retirade zu schprechen, 0013auch sonsten alle möglige ehr vndt distinction erzeigen, 0014was ohne preiudiz vndt consequens geschen kan. In den übr igen puncten 0015beziehe mich auf mein herbey lie gendes, so lang wartendes schrei ben
0016schre iben vndt auf den Sinzendorf selbsten, welchem in 0017ein vnd andren auf gedragen mit dero Liebden zue reden. Die fondation 0018betreffendt, wie auch die herunterreis, hatt der Hamilton 0019sehr übel gedahn, wan er es hatt suchen zue beförderen, 0020wolt es ihm auch gern vohr halten, wan mihr dero Liebden nuhr beri chten, 0021auf was vohr weis ich es duen soll oder kan. Weillen 0022dero Liebden nit wollen, das ich iemandt melden derf, von wem 0023ich es weiß, so wirt er alles platt laugnen vndt 0024kan ihm es hernach nit probiren. Es ist artig gewest, 0025das, eh ic h dis gewist, ich ihm durch sein dochter schrei ben 0026laßen, er solle diese reis verhindern, iezt kan er nit 0027wehniger duen. Sie ist iezt in der kintbett, erst wehn ig 0028dag, sonst wolt ich ihm schre iben laßen, das es nit mehr von 0029nöten sey, dan ihr Durchlaucht schon die resolution genommen, 0030dise reis auf ein ander occasion zu verschiben, wie 0031dero Liebden aus beyligenden werden ersehn, weil ich ihr die sac h 0032verleidt, das sie hie nit so frey werd sein, weil 0033die Herzogin von Hanouer hir wir t sein. Wegen der 0034fondation hab ich ihr anfanglich große difficulteten 0035gemacht, das vill dazue vonöten, ein große fondo erfordre,
0036auch ohne dero Liebden consens nit geschehen vndt cooperation könne. So antwort 0037sie mihr darauf, das dero Liebden ihr schon alles verwilliget hetten, 0038sie habe auch die mittel schon alle bey handen, das in 0039nichts kein difficultet seye, bitt mich nuhr, das ich etwas 0040wehnigs zum baw contribuirn solle. Auf das hab ich 0041geantwort, wan dem also, so wüntsche vill glükh dazu 0042vndt werd, wie ich kan, etwas zue sammen schparn, ewer 0043Durchlaucht zu gehorsammen. Iezt mit lezterer post aber 0044schreibt sie mihr vndt bitt mich vmb gotteß willen, ich 0045soll ihr doch schreiben, das ich die fondation aprobire 0046vndt gern sehe. So antworte ich darauf, das werde ich 0047gahr gern duhe, bitt allein mihr so genedig zu sein vndt 0048zu participirn, ob dan alle mittel dazu beihanden vndt 0049ab solche ohne beschwer der vnterdahnen geschehn könne, 0050so dan wurde ichs gahr gern sehen. Es ist mihr aber 0051ein anders mittel bey gefallen, sie von disen gedanken 0052zu bringen, nemlich durch bruder Carl, das er soll von ihr 0053begehrn dise mittel, so sie zu der fondation wolle 0054anwenden, vndt auch von dero Lieben vndt dem Bischof von Augschpurg
0055darzu zu bekommen verlange, sie ihme möge geben, damit 0056er desto ehnder heiraten könne. Wehre ein beßers gutts 0057werkh als dise fondation, wolle he rnac h ein dochter dazu 0058geben. Der Sinzendorf wirt es dero Liebden ausfü rlige vohrdragen, 0059auch sonst meine gedank wegen bruder Carl . Zwar wan es 0060ein deütsche sein kunte, wer es mihr woll vill lieber, 0061einmahl mues man gedenken ihn zu ver heiraten, dan ich sic her 0062nochricht hab, das er gan z melancolisch vndt gefahr der 0063hectica habe, das wan er nit balt hei rat, die sucession 0064auch nit erfolgen möchte. Bitt auch mihr wider zu schre iben, 0065was sie mihr geben wegen vergrößerung des appanage, 0066dan ichs verlegt, verlohrn wirts nit sein, aber kans nit 0067finden, werds ein mahl finden, dan zum wehnigsten drau f denke. 0068Ich sag nit, das dero Liebden sollen land vndt leüdt wekh geben, 0069aber etwan in zum Statthalter zu Neubur g machen, damit 0070er dort bey vnser geliebsten fraw mutter möge wohnen vndt 0071auch die däglige lebens mittel genießen möge. Wan 0072auch dero Liebden ihm noch wolten was zulegen, als mit der fon- 0073dation oder sonsten, könnens doch restringiren nuhr auf 0074sein lebtag, vndt das seine kinder das ordinari
0075apanage des haus herkomens gemehs haben sollen, einma hl 0076ligt dero Liebden vndt der religion alles dran, be zie mich auf 0077den Sinzendorf bezihe. Den Fürst von Salm betreffendt, so hab 0078ich woll verhoffet, wegen der furstendum bey ihr Mayestät zu erhalten, 0079aber ihr Mayestät haben solche vhrsachen, das es vnmöglich haben 0080dun können. Es ist iezt aber die sach auf solchen wegen, 0081das ich hoff, das mit sein contento alles werde 0082auistirt werden. Wegen der Schulzin ists ein bös stükh 0083vndt woll in secret zu halten, mich erbarmen nuhr ihre 0084so vohrnemme freündt, das disen schimpf müßen haben. 0085Ich beken me in schuldt, das nit hab leßen können, wen 0086dero Liebden zu der kleinen gedahn. Es ist dahier der Vogt 0087gestorben, die arme wittib ist ein dügentlig, gescheid 0088weib, ob die mit etwan daugen möchte, wehr ein almu s 0089darbey. Ist mihr leid, das hier nit das glükh kan haben, dero Liebden 0090zue sehen, was gott schikt, das dise crisis ist, mus es mit 0091gedult erleiden, hoff aber könftigs iahr dise vergnugen 0092zue genießen vndt dero Liebden mein enikel zeigen zue können.
0093Der Pater Poitier ist mit seinen gesellen hir gewe st, 0094er, kombt mihr vohr, hab gutte intention, der 0095gutte mensch, aber ist ein wehnig ein visionarius, 0096man hatt ke in einzig fondament noch machen können 0097auf alles, was er gesacht. Er verschpricht aber 0098alles zu erfahren vndt zu berichten, das er nit hatt 0099wollen, das dero Liebden sein nuhln wißen, glaub ich darum, den 0100er mihr selber hatt gesacht, wan sein eigener vatter 0101lebet, wolt ihms nit vertrawen, sonder n allein dem 0102Pater, auch woll durch ihn als beric hten, also mus mans 0103erwarten. Der Pater hatt sonst gan z von niks sich gemelt, 0104sonder n vns allen nuhr dero Liebden affection versichert. Auch hatt 0105mich mein Obrist Hoffmeister Fürst von Schwarzenber g 0106ersucht, weilen er zuuerleßig vernommen, das 0107der heirat mit der von Ritberg vnd dem Cauniz völlig 0108zu rukh geh, weil das madel ihn absolut nit 0109will vndt man sie woll nit zwingen kan, weil 0110das verschprechen in ihrer minderiarichkeit geschehn 0111ist, also bitt ehr in solchen vall, das dero Liebden seinem
0112sohn wolten genedig vndt verhülflich sein. Ich kan dero Liebden versic her n, 0113das er die beste intentiones vndt dero Liebden vndt dem hau s 0114auf alle weis verlangt zue dienen, so er schon in 0115villen occasionen gezeigt, iah so gahr, ich glaub, wan noch 0116ein gefahr mit der Augusta, das er sich resoluiren 0117wurde, sie zu nemmen, bruder Carl aus diser sac h zue 0118brengen, wie woll sonst sein intention gan z auf ein 0119andere geht, welches er mihr schon lengst vertraut 0120hatt, auf wen sein gedanken seindt, aber ich glaub, er 0121sacrificirte sich in dißer occasion aus lauter deuotion. 0122Wan dero Liebden etwas duen können in diser sachen obgemelten verlangen 0123wegen seines sohns0124werden sie mich auch obligirn. Ich aber werd 0125le ben vndt ster ben 0126dero Liebden 0127ge tre wste schwe ster 0128Eleonora 0129Fauorita den 15ten julij 1699











