Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 16.02.1696

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7

AbschriftSchreiber

Glaubt, dass Bruder Karl (Philipp) bezüglich der Gräfin (Augusta) von Hohenlohe nach der Rückkehr des Grafen von Elter einen Entschluss fassen wird, mit dem EMT zufrieden sein wird. – Wegen des Schallenberg ist Eile geboten, der Bischof von Konstanz und andere verlieren wegen der Verzögerung schon den Mut. – Wiederholt seine Empfehlung (für Graf Kaunitz ) für die Reichsvizekanzlerstelle. Ist zwar dem Grafen von Oettingen sehr verpflichtet, aber der Dienst des Kaisers ist ihm noch wichtiger als seine Freunde. – Bittet, den Hamilton rasch abreisen zu lassen, denn die nächste Kampagne naht und Frankreich drängt auf baldige Antwort. Bittet deshalb auch, seinen Hofkanzler möglichst bald zurückzuschicken. – Legt das jüngste Schreiben des B.W. bei; der Pater wird stündlich zurück erwartet. Gratuliert, weil alles nach Wunsch abgeschlossen ist.

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000116 februar 96 0002Allergnädigste durchlauchtigste etc. 0003Zu allervnterthänigster beantwortung ewer kayserlichen Mayestät allergnädigsten schreiben 0004vom 4 dieß, thue ich deroselben in allertieffestem vnterthänigsten 0005respect vnuerhalten, daß, so vil die hohenlohische händel anbetrifft, 0006die sachen nunmehro auff deß General Veldt Zeugmaisterß Graffen 0007von Elteren (welchen ich stundtlich aniezo gewertig bin) widerkunfft 0008dependiert, nach welcher mein armer bruder Carl endtschlossen, 0009eine endtliche resolution zu fassen, mich disertwegen auff daß ienigeß 0010kurze halber beziehendt, waß ich in diser abgeschmakten materi an 0011meinen Hoffcanzler aigenhendig geschriben, vnd hoffe ich, eben deß 0012Millerß (so vor drey tägen wider hiehero komen) infantuose negotiation 0013werde disem werkh mehreren nuzen, alß schaden bringen, massen mein 0014bruder dise allein zu dem ende verordnet, vmb die hohenlohischen 0015desto mehr in ihren torto zu sezen, indeme er ihnen das meritum, wie0016er sagt, hat wollen lassen, bey beeden ewer kayserlichen Mayestät Mayestät vnd mit verdienste 0017mit ersterer abstehung ihrer seitß von disem werkh, das ich also ganz 0018glaube, er werde nach der ankunfft deß Graffen von Elteren eine 0019solche resolution fassen, daran dieselbe allerseitß ein allergnädigstes ver- 0020gnuegen haben werden. Waß daß schallenbergische wesen anlangt, scheint 0021wegen deß protectorii fast periculum in mora zu sein, wie ewer kayserliche 0022Mayestät mein Hoffcanzler mit mehrerem referieren, vnd vorzeigen 0023wirt, vnd ist gewiß, das der ehrliche Bischoff von Costniz so wohl, alß 0024vorige deponentes gewaltig den muet verlieren mit diser ver- 0025zögerung, stelle iedoch alleß ledigklich beeden ewern kayserlichen Mayestäten anheim. 0026So vill daß Reichß vicecancellariat betrifft, mueß ich gestehen, hab ich 0027wegen deß Öttingen recht daß innerste meineß herzenß an ihro Mayestät, 0028meinen allergnädigsten allerliebsten Kayser, vnd herren geschriben, wie es


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0029meine deroselben gethane aydt vnd pflichten mitbringen, vnd mein 0030gewissen erfordert, vnd vmb zu zeigen, das mir ihro Mayestät dienst 0031vber alle meine beste freunde, ia vber mein leben ist, auch dardurch 0032mehr im credito bel bleibe, weniger partialitet vor den gueten 0033Graffen von Ottingen zu zeigen, vnd dardurch andere mahl ihme nuzlichen 0034dienst praestieren zu können, wan man sehen wirt, wie es in sich ist, vnd 0035ich ganz vn-passioniert, doch aber auch nit vndankbar gegen gemelten herren 0036Graffen bin, alß dem ich zu sehr liebe, vnd ihme viel zu viel obligation 0037habe, alß ihme selber torto zu thuen, vnd dardurch ihro Mayestät vnd deß 0038ganzen gemeinen wesenß dienst in hazar vnd augenscheinliche gefahr 0039zu sezen stellen. Bitte derowegen vnterthänigst, mir nicht in vngnaden 0040zu vermerken, dan gleich wie ich dem ehrlichen Graffen von Ottingen 0041die eusserste obligation habe, daß er in sachen von meinem interesse 0042nit wil partialisch gehalten werden, vmb sich hierdurch nit inutil 0043zu machen, mir anderwertß mit desto grösserer freyheit, vnd 0044nachtrukh assistiren, vnd helffen zu können, also könne ich ihne auch 0045vor gar zu generos, alß das er mir verublen solle, mich ebenfahlß 0046wegen seiner ganz impartialisch zu bezeugen, vnd meineß Kayserß, vnd 0047deß gemeinen wesenß dienst seinem interesse vorzuziehen. Ich schreibe 0048dieß allergnädigste frau, wie ichs vor gott, vnd der erbaren welt 0049zu verantworten getraue, den allerhöchsten zum zeugen nemende, 0050das ichs auß keiner passion, oder wider willen gegen ihne herrn Graffen thue, 0051widerhole also meine vorige vnterthänigste gedanken vnd recommendationes 0052auffs allerinständigste vnd vnterthänigste, vnd submittiere mich sonsten 0053in allem ihrer kayserlichen Mayestät allerhöchster disposition, vnd 0054prudenz. 0055Ich hoffe, es werde der Hamilton auch nunmehro abgereist sein, massen ich 0056vermög dero lezteren allergnädigsten befelchß, deroselben noch zeitlich gnueg den 0057aigentlichen tag meineß Hoffcanzlerß abraiß allervnterthänigst berichtet, vnd 0058denselben mit fleiß noch einen tag lenger hier auffgehalten, damit ewer


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0059kayserliche Mayestät zeit hetten, deß Hamiltons raiß zu befördern. Es hat sich aber 0060wegen enge der zeit meineß Hoffcanzlerß seine, keineß wegß lenger auff- 0061halten wollen, absonderlich dahe die kunffttige campag0062ne herahnnahet, Franckreich auch0063sehr umb resolution pressiert und zim0064lich guet sich verahnlasset. Bitte derowegen 0065allervnterthänigst den Hoffcanzler ehist möglichst wohl versehener zu 0066depechieren, zu deme ich diser dero allergnädigster befelch ererst komme, 0067funff tag nach deß Hoffcanzlerß abraiß, sonsten hette ich denselben noch 0068etwaß auffgehalten. Waß den b. w.1 anlangt, werden verhoffentlich 0069ewer kayserliche Mayestät meine nach vnd nach in der materie abgangene 0070vnterthänigste berichtere, in welchen dessen schreiben einge- 0071legt gewesen, zu recht erhalten haben, wie Tiberiusdann diese0072iungsteren mit allem underthanigstem0073respect hiebey lege, aus welchem0074zue ersehen, das alles nach verlangen0075geschlossen und der Pater taglich alhi0076er erwartet wird, wahrzue ich aus dem0077innerstenTiberiihertzen untertanigst0078und congratuliert vnd in aller vnterthänigster vnuer- 0079endterlicher deuotion lebe, vnd sterbe. 0080Copia aigenhandigen schreibens vnter 0081dato Düsseldorf den 16 februar 1696 an 0082ihro kayserliche Mayestät die Kayserin 0083von ihrer churfürstlichen Durchlaucht zu Pfalz 0084abgangen.


1Die in der Chiffre verwendete Abkürzung steht wohl für den oft erwähnten Pater Wiser.