Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 25.02.1696
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7
Legt ein Schreiben von Bruder Karl (Philipp) an EMT und den Kaiser bei und hofft, dass sie mit dem Entschluss des Bruders zufrieden sein werden. Bezieht sich ansonsten in der hohenlohischen Sache (Bruder Karl Philipp wollte eine Gräfin Hohenlohe heiraten) auf das PS, das er seinem Hofkanzler geschrieben hat. – Ist sehr bestürzt über EMTs Wunsch, den Pater Wiser zurückzurufen, und vermutet, dass Graf Hamilton das Projekt absichtlich sabotiert hat. Pater Wiser hat sich inzwischen selbst zur Rückkehr aus Kopenhagen entschieden; JW sendet beiliegend seinen Bericht. Die angefügte Deklaration ist nicht relevant, da sie ohne Kenntnis des Königs von Dänemark aufgesetzt worden ist. Hofft, dass EMT das Projekt nicht abbricht, da es sehr gut läuft und Hoffnung besteht, dass ganz Dänemark katholisch werden könnte.— Auch könnte sonst die Lage in Nordeuropa die Friedensverhandlungen verderben. Es wäre gut, wenn der Kaiser den Königen von Dänemark und Schweden und dem Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf zureden würde, sich gütlich zu vergleichen.— Der Müllner und der Graf d’Autel haben Briefe des Kurfürsten von Brandenburg an den Erzbischof von Mainz gesehen, in denen letzterer gedrängt wird, keinesfalls auf sein Vorschlagsrecht für die Neubesetzung des Reichsvizekanzleramtes zu verzichten. – Legt die Antwort des Herzogs von Sachsen-Zeitz wegen des Bistums Raab bei und empfiehlt diesen neuerlich.
125 februarii 96 2copia 3Allerdurchleüchtigiste etc. 4Ewer kayserlichen Mayestät durch aigenen courrier an mich abgelaßenes 5allergnädigstes hanndtbriefflein vom 7ten dießes sambt noch 6einem vom 11ten dießes ejusdem, so mit der ordinari post kohmmen, 7habe ich mit tieffstem respect zuerecht gehorsambist er- 8hallten, vnd hette kheines weegs ermanglet, daß erstere 9asogleich vnterthänigist zue beantwohrten, vnd den courrier 10zue expedieren, wan nicht mein bruder der Pfalzgraff 11Carl mich vmb gottes willen gebetten denselben nur biß auff 12heüt auffzuehallten, vmb alßdan beyden ewer kayserlichen Mayestetten 13eine positivè, vnd hoffentlich zue deroselben beyderseits aller- 14gnädigisten völligem vergnüegen, vnd contento eingerichtete 15resolution allerunterthänigist überschreiben zue können, 16wie dan dieselbe in vnterthänigkeit hiebey gehen. Vnd damit 17ich ewer kayserlichen Mayestät mit meinem langen schreiben absonder- 18lich in dießer materia nicht gahr zue beschwehr falle, thue ich 19mich der auff der hohenlohischen, vnd theilß auch meines 20bruders seiten habender vnterthänigister desideriorum 21halber, auff daß jenige gehorsambist beziehen, waß ich 22vnterm heütigen dato in einem an meinen Hoffcanntzlern 23abgelaßenen postscriptum weitläuffig an denselben geschriben, aller- 24vnterthänigist bittendt, darauff vmb demehr allergnädigst 25zue reflectieren, vnd eine gewührige allergnädigste resolu- 26tion ehistens mir zue zueschickhen, alß dießer der woll- 27feüliste, vnd kürzeste, auch glümpfflichiste wegist, der- 28mahlen einist baldt- vnd mit ehren auß dießem werckh 29zue kohmmen. Sonsten allergnädigste Kayserin, vnd frau, khan 30ich deroselben, so vil deß Pater Wisers negotiation betrifft,
31in allervnterthänigkeit nicht bergen, welcher gestallten deroselben 32courrier den 18ten dießes gantz in spätter nacht, alß ich eben mich 33retiriren wollte, vmb mich in die ruhe zue begeben, ankhommen, 34vnd bin ich nit wenig bestürzet geweßen, alß ich auß deroselben 35obangezogenem allergnädigstem ersehen, wie allarmirt 36dieselbe in diesem negotio geweßen, vnd daß dieselbe resol- 37viert den Pater Wiser zue avocieren, vnd vom negotio abzuebrechen, 38dahe doch dasselbe noch, gottlob, nicht in den terminis gestanden, 39vill weniger noch stehet, wie ewer kayserliche Mayestät hernacher mit 40mehrerem allergnädigst vernehmmen- vnd ersehen werden, 41also daß ich mir kheine andere gedanckhen habe machen können, 42vnd zwahre nicht ohne fundament, wie hernachmahlen erscheinen 43wirdt, alß daß der Hamilthan, damit er mir- vnd dem Pater Wiser 44dieses negotium auß hannden, vnd in die seine desto eher- vnd 45leichter bringen möge, mit fleiß durch die dritte, vierte 46handt dieses werckh ewer kayserlichen Mayestät hat so schwehr machen lassen, 47daß sie dieße mir allergnädigst zuegeschriebene resolution 48gefaßet. Indem ich nun die gantze nacht nicht darüber 49geschlaffen, vnd schon deroselben allergnädigsten befelch mit 50avocierung des Pater Wisers, meiner vnterthänigisten schul- 51digkeit nach, jedoch mit meiner nicht geringen mortifi- 52cation, vnnd inniglichem herzen leydt, inß werckh richten 53vnd ihme ewer kayserlichen Mayestät allergnädigsten befelch commu- 54niciren wollte, kohmet derselbe von Coppenhagen den 5519ten vormittags vmb 9 vhren selbsten hier an, deme ich 56dan alsogleich ewer kayserlichen Mayestät allergnädigsten befelch vorgetragen, 57vnd ihme auffgeben, nebenst einer weitläuffigen relation
58vom ganzen negotio, vnd auff wehme dasselbe dermahlen be- 59ruhe, auch seine verantwortung auff die von demselben 60mir allergnädigst überschribene puncte schrifftlich an ewer 61kayserliche Mayestät auff zuesetzen. Hierauff hat derselbe mir deß 62anderen tags gegen abendt hieneben gehende relation, sambt 63deren beylagen zuegestellt, wie auch seine vnterthänigste 64verantwohrtung, wobey nur dieses vnterthänigst bitte, nicht so 65sehr auff die obangezogene beylagen, alß auff die formalia, 66vnd substanz seiner relation, vnd allervnterthänigsten 67verantwohrtung zue reflectieren, absonderlich da er ver- 68melldet, daß man auff die also rubricierte declaration 69vmb so weniger riguardieren solle, alß dieselbe ohne vor- 70wißen deß Königs, vnd bloß allein von Rebenclau also 71auff gesetzet, vnd von derselben auff die heütige stundt 72der König annoch kheine wißenschafft hat, alß waß ihme 73vermuetlich hernechst einige andere auß seinen ministris 74mögten hinterbracht haben. Anjezo erwahrte ich allergnädigste 75frau, dero finale resolution, waß ich weiters, vmb 76dießes werckh völlig zum vnzweiffentlichisten erwünsch- 77tem ende zuebringen, vnd dardurch villeicht daß ganze 78königreich, in den schoß vnßerer wahren, vnd alleinigen 79römisch catholischen- vnd seeligmachenden glauben- vnd 80kirchen sambt dem König, welcher es so sehr zu verlangen 81scheinet, zuelegen, thuen solle, vnd ob ich den Pater Wiser wider 82dahin schickhen, oder aber abwahrten solle, daß sie mir einen 83herauß schickhen, vmb daß negotium völlig bey mir zue 84adjustieren? Wie aber dieses ganzes werckh durch den 85Hamilthan esclattieret, vnd publique gemacht worden,
86zeiget der Pater Wiser durch deß Graffen von Königsegg ihme 87ultranèe gehalltenem discours zimblich klahr, vnd vn ver- 88neinlich an, vnd glaube ich ehistens derenthalber etwaß 89schrifftliches von ihme Graffen von Königsegg auff weisen zu können, 90darauß dan ewer kayserliche Mayestät gantz sonnen klahr die ver- 91malledeyte cabales, vnd intriguen deß Hamilthans nicht 92allein sehen, sondern sein interessiertes gemüeth mit händen 93greiffen können. Der Doktor Stigler ist, dero allergnädigstem be- 94felch gemeß zue Nürnberg zueruckhgeblieben. Das haubt 95negotium betreffent, bitte ich ewer kayserliche Mayestät allervnterthänigst 96ihro Mayestät dero- vnd meinem liebsten allergnädigsten 97Kayßern- vnd herren vmb gottes willen zuebitten 98dieses werkh, dahe es doch anietzo durch 99die gnade gottes so weit gebracht, das alles 100nicht allein mogligst facilitieret, sonderen 101auch nichts als gar favorable conditiones 102und zwaren solche, welche von allen allierten mussen 103approbieret werden, auffs tapet gebracht worden, 104nicht zue abandonieren, sonderen zuem gluckligen 105endt zuebringen, vnd zwahren vmb demehr, alß ich sonsten 106förchte das nordische wehsen mogtte uns dieses 107gantzes negotium verderben, derowegen khein zeith 108mehr zue verliehren, vnd wehre meines wenigisten vnterthä- 109nigisten erachtens, nicht vndienlich, wan ihro kayserliche Mayestät 110dem Konig in Dennemarckh sowohl als auch dem 111Herzogen von Holstein Gottorff und dem Konig in 112Schweden nachtrucklichist zuesprechen liessen, 113von allen thattligkeiten abzuestehen und in der gutte 114sich zue vergleichen, dahe sie benebenst dem ersteren
115etwas flattieren, von dem Hertzogen aber seine 116trouppen in Ungaren zuebegehren, oder aber er dieselbe 117den alliierten gegen den allgemeinen feindt 118gegen baahre bezahlung uberlasse. Wegen deß 119Reichß vicecancellariats beziehe ich mich mit ewer kayserlichen 120Mayestät allergnädigsten erlaubnuß auff mein voriges, vnd bitte 121vnterthänigist, auff meine vnterthänigste intercession zue 122reflectieren. Ich khan aber ewer kayserlichen Mayestät in vnterthänigsten 123vertrawen nicht bergen, wie daß mir sowohl der Müllner, 124alß der Comte d'Autel gesagt, brieffe von Chur Branden- 125burg an den Churfürsten von Mayntz gesehen zuehaben, 126durch welche derselbe jetztgemellten herrn Churfürsten be- 127ständigist animiret, von dießer seiner praesentation, 128alß welche ihme allein gebühre, durch auß nit abzuestehen, 129dan solche cession, oder aber weichung, ihm- vnd allen chur- 130fürsten höchst praejudicirlich, vnd nachtheillig sein wurde. 131Ich habe meiner schuldigkeit zu sein ermeßen, dieses 132pflichtmäßig ewer kayserlichen Mayestät zueberichten, damit 133dieselbe ihro Mayestät meinem allergnädigsten liebsten Kaysern 134vnd herren dauon advertieren können, vmb dero höchster- 135leüchteste mesures darnach nehmen zuekönnen. Der ich 136im übrigen ewer kayserlichen Mayestät habe vnterthänigst hiebey 137legen wollen, waß der liebe Herzog von Sachsen Zeits an 138beyde ewer kayserlichen Mayestät Mayestät vnd mich, dero allergnädigsten 139intention, vnd mir gegeben befelch gemeß, wegen des 140vacierenden bischthumben Raabß, hat gelangen lassen, 141vnd ich ihme vorläuffig geantwohrtet, wobey ich vmb so 142leichter meine abermahlige allervnterthänigste inter- 143cession
144cession bey ewer kayserlichen Mayestät einzuelegen übernohmmen, 145alß mir scheinet sein in meinem schreiben gethanes pe- 146titum, vndd oblatum, in höchster billigkeit zuebestehen, 147er eß auch so vill sicherer inß werckh richten wirdt, alß 148derselbe gahr eines überauß zahrten gewißens ist, womit 149mich zue deroselben höchsten kayßerlichen hulden- vnd gnaden 150in aller vnterthänigkeit empfehle, vnd in vnveränderlicher 151devotion lebe- vnd sterbe. Düsseldorff den 25ten 152februarii 1696. 153An 154ihre kayserliche Mayestät die Kayserin, 155von 156ihrer churfürstlichen Durchlaucht zu Pfaltz etc. 157aigenhändig also abgangen.







