Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 28.04.1696

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Eh ich dero liebste schreiben beantworte, mueß 3ich ihnen mein bedrübnus vnd vnser allen participirn, 4wie sie mit mehren aus beyligenden schreiben der 5Königin in Schpanien, vnserer fraw schwester, werden ver- 6nemmen. Die guette fraw suecht überall hülf, 7wie billich, ich bitt aber, dero Liebden wollen niemand hinein 8schiken, ohne zuefohr hir her zue berichten, ich förcht 9sonst, vill köch möchten die supen versalsen. Mihr 10haben hir ein consilium halten laßen, die halten alle


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11alle den zuestandt der liebsten verwittibten Königin vohr leider 12schon ein formahl kreps, wie wollen er noch nit offen 13ist. Dises aus dem grundt zu curiren, sagen alle, sey 14vnmöglich, insonderheit bey dem hochen alter diser 15fraw, welche schon zwey vnd sechzich iahr hatt, das man 16ihr kein starkhe cur oder operation mehr machen 17kan, also sey nuhr zue sehen, mit gutten mittlen sie 18zue erhalten so lang möglich, insonderheit zue ver- 19hüetten, das es nit aufgeht, darum niks pflasterich, 20kochicht oder feists brauchen. Wan dero Liebden iemant experi- 21mentirten in disem zuestand wüsten, wollen dero Liebden es 22zuewißen duen oder her schiken, das man mit ihm reden kann. 23Der Wirts kan vnmöglich mehr hinein, er 24deht vnterwegens sterben, ist so schon so alt vndt 25schwach, das ehr nit mehr dienen kan, sondern 26nuhr, wan extra was vohrfalt, ihr Mayestät in holen laßen. 27Das gebett wirt woll das beste müeßen duen, 28gott wolle alles zum besten schiken. Mein Keiser hatt


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29nuhr dise zwey frawen schwestern, vnd zwar dise allein von beiden 30seiten, so kann dero Liebden erachten, wie er es empfinden mues, 31wie woll ers nit zeigt vnd die conformitet mit dem 32gottligen willen hatt, doch ist bluet kein waßer. Dah bin ich 33auch in angsten, das ihr Mayestät schaden wirt, aber gott kan alles 34zum besten schiken, auf den hab ich all mein hoffnung. 35Indesen wirt der Wißer ankommen sein, meine 36brüder erwarte däglich, mit ihnen die hochenloische sach 37auszuemachen. Es ist auch gestern der Schidnizki kommen 38aus Polen, so ist eben recht, das mit ihm die polnischen 39sachen können eingericht werden. Wegen des fridens 40und danischen sach bezie mich auf den Wißer. Den 41Landgraf Pfilipp werden ihr Mayestät seine verschprochene 6000 42anweisen, das ers sicher bekommen wirt. Wegen des Sw 43eizer werd erwarten, was von mein herrn brudern vndt dem 44Hamilton vernemmen werde, das aber werden dero Liebden vom 45Wißer vernemmen, das die sach nit so gahr secret, 46wie dero Liebden es glauben. Des Herzoch von Sachsen sein expedition 47ist schon expedirt, eh ich dero Liebden schreiben empfangen, in welchem 48sie verlangt, das ichs ihnen soll zuschiken. Es ist aber


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49als eins, er weis doch woll, das ers durch dero Liebden vohrwort 50erhalten. Iezt kan nit vnterlaßen, dero Lieben in vertrawen zu 51berichten, das die Königin in Portugal, vnser fraw 52schwester, sehr verlangt, mit einem gewißen grande 53dorten von vohrnemmen haus einen eine von Landgraf 54Wilhelm oder Carl von Reinfels prinzeßin 1 verheirat 55zue sehen. Also wollen dero Liebden sich einwehnig vnter der 56hand erkundigen, was noch vohr prinzeßinen dah sein 57vndt wie alt, auch das wehnige, so sie von den ihrigen 58zue austaffirung oder sonst zue hoffen. Ich möcht 59aber vohr mein nachricht auch gern wißen, wie nahent 60sie mit vns befreündt seindt, welches mich nit 61recht mehr erinner. Bitt dis in geheim alles 62zue halten vndt mihr die verlangte nachrichten 63ehistens zue berichten, dan die Königin ein große pre- 64mura in dißer sach zeiget. Die opera wirt ihr Mayestät 65gahr angenehm sein. Bitt dero Liebden, meiner fraw schwegren vill 66schons von mihr auszuerichten, vndt ich werd sterben 67dero Liebden 68getrewste schwester 69Eleonora 70Wien den 28ten apprill 169671Vnser fraw mutter brif, weil der Meir durch fraw Kirch ganz alle offen vnd 72mihr geschriben, das sie schon von Düßeldorf wech wirt sein, so hab ihren brif, der dero Liebden war eingeschloszen, 73heraus genommen vndt geschikt.


1Es gab weitere Töchter, die aber entweder bereits verheiratet oder unter 14 Jahre alt waren.