Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 12.04.1696
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7
Bittet dringend um sofortige Rücksendung seines Hofkanzlers Wiser, da der Fortgang der Friedensverhandlungen davon abhängt; erwartet stündlich die Ankunft des englischen Gesandten Stepney . – Erwartet bezüglich der dänischen Heirat weiteren Befehl. – Bezüglich des Doktor Schweizer werden JWs beide Brüder und der Hamilton, die kommenden Montag abreisen, EMT alles berichten; es gab kein anderes Mittel, um das größte Unglück abzuwenden. – Legt die Partitur einer Oper seines Vizekapellmeisters Hugo Wilderer bei.
1copia 2Allerdurchleüchtigiste, großmächtigiste etc. 3Ewer kayserlichen Mayestät allergnädigstes hanndtbriefflein vom 31ten 4martii jüngst habe ich mit gebührendem tieffestem re- 5spect zuerecht gehorsambist erhallten, vnd thue darauff 6in aller unterthänigkeit nicht verhallten, welchergestallten 7sovil das fridenswerckh betrifft alles 8auff des Wissers eilferttigen expedition 9beruhet, vmb welche ich umb so mehr bitte, als die 10campagne vor der thur und alles sich zuem feldt zue 11bereittet, Franckreich auch ahnietzo mehr als 12niehemahlen darnach verlanget, Tiberius auch des an 13glischen envoyees Stepney wiederkunfft stundt 14lich alhier gewarttig ist, und grosse ungelegenheit 15und hinderung in abschickung des Wiesers verur 16sachen wurde, absonderlich dahe ich ohnedem etwas im 17verdacht bin bey ihnen und wird derselbe alle Tiberii 18andamenti auff allergewiste examinieren. Bitte 19derowegen allervnterthänigst fueß fälligist, den Wieser auff 20s allerehiste und baldiste hieher zue depechie 21ren, damit noch alles vor des Stepney hieherokunfft 22gerichtet werde. So vill den danischen heyrath 23betrifft, beziehe mich mit dero allergnädigisten erlaubnuß auff 24daß jenige, waß ich noch jüngstens diessertwegen an meinen 25Hoffcanntzlern geschrieben, vnd er ohne zweiffel ewer kayserlichen Mayestät 26allerunterthänigist hinterbracht haben wirdt, vnd erwarte 27dero ferneren allergnädigisten befelchß. Waß den Doctor 28Schweizer anlanget, werden meine beyde brüeder- vnd
29der Hamilthan, welche nechst künfftigen montag von hier ver- 30reißen werden, ewer kayserlichen Mayestät die gantze beschaffenheit 31vnd anstallt der sachen allervnterthänigst hinterbringen, 32so hoffentlich deroselben nicht vnangenehmb sein wirdt, 33vnd wahre einmahl khein anders mittel, dem praesentissimo 34malo vorzuebüegen, alß eben dises, vnd währe sonsten die 35sache zue einer solchen deplorablen extremitet vnfellbahr kommen, 36daß man auff kheinerley weiße mehr hette hellffen können. 37Vorgestern ist ihr bagage von hier abgangen, vnd sie werden auff 38der post folgen. Ich habe ihnen die alhier gehalltene kleine 39opera in der völligen spartitura mit allen instrumenten 40mitgeben, vmb selbige ihro Mayestät dem Kayser allerunter- 41thänigist zue praesentieren, vnd ist dieße die erste, so der 42Hugo Wilderer mein Vice Cappellmaister gemacht hat, 43bitte allervnterthänigst ewer kayserlichen Mayestät Mayestät wollen 44sye in gnaden compatieren, vnd mir meine vermessenheit 45in gnaden verzeihen. Schliesslichen leget sich meine hertzaller- 46liebste gemahlin zue ewer kayserlichen Mayestät füessen, ich aber 47ersterbe vnveränderlich etc. Düsseldorff den 12ten aprilis 481696 49An 50ihre Mayestät die Kayserin 51von 52ihrer churfürstlichen Durchlaucht zu Pfaltz etc. 53aigenhändig also abgangen.




