Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 11.10.1696

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7

AbschriftSchreiber

Dankt für die anhaltende Gnade und Protektion EMTs. Bittet, dass EMTs Kammermusiker Ballerini bis zum nächsten Fasching dableiben darf, um bei einer kleinen Oper aufzutreten. – Dankt dafür, dass EMT den Grafen Lamberg beim Kaiser empfehlen will. – Bedauert den Tod des Grafen Heißler von Heitersheim und bittet, keinesfalls einen der Grafen von Schallenberg zu seinem Nachfolger zu ernennen. – Weil durch den Tod des Grafen Heißler und des Generals Bolland zwei Regimenter frei werden, wird EMT sicher den konvertierten Landgrafen Philipp (von Hessen-Darmstadt) bedenken. Es tröstet JW, dass die Schlacht (bei Olasch in Ungarn) noch relativ gut ausgegangen ist. – Wird so bald wie möglich weitere Informationen über die Vermögensverhältnisse der Prinzessinnen von Hessen-Rheinfels schicken. – Wartet auf einen Gesandten des (dänischen) Königs aus Kopenhagen . – Kann nicht glauben, dass der Kaiser sich die Friedensverhandlungen so leicht von Mächten (England und den Vereinigten Niederlanden ) aus der Hand nehmen lässt, die das Reich sofort ihren Interessen opfern werden. Rät, umgehend unter der Hand Gespräche mit Frankreich über eine Wiedereinsetzung König Jakobs (II. von England und Schottland) und vorteilhafte Friedensbedingungen aufzunehmen. – Bittet im Konflikt JWs und der oberrheinischen, westerwäldischen und wetterauischen Stände mit dem Landgrafen (von Hessen-Kassel) um die oberrheinische Kreisverfassung um die Unterstützung des Kaisers. – Wiederholt die Bitte um Anweisung der 5.000 Dukaten für Bruder Karl (Philipp). EMT wird diesem die polnische Krone umso mehr gönnen, als das pfälzische Kurhaus dem Kaiser so viele Opfer gebracht hat, Prinz Jakob (Sobieski) ohnehin keine Chancen hat und der Herzog von Lothringen nur wenige. – Herzog Christian August von Sachsen-Zeitz war bei JW und hat ihm gesagt, dass kaiserliche Minister in Köln an der Wiedereinsetzung der fürstenbergischen Parteigänger („Kreaturen“) arbeiten. – Hofft, dass Graf Hamilton bald zurückkehrt. – Bedauert von Herzen, dass Erzherzogin Maria Theresia so plötzlich von den Blattern überfallen wurde.

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000111 octobris 1696 0002copia 0003Allerdurchleüchtigste etc. 0004Von ewer kayserlichen Mayestät bin ich mit dreyen aller- 0005gnädigsten handtbriefflein vom 17 und 18ten 0006augusti jüngst vnd 8ten septembris jüngst 0007begnadiget worden, daß erstere habe ich durch 0008die Gräffin von Hamilton, deren liebster noch 0009nicht hier ankommen, daß zweyte durch dero 0010cammer musico Ballerini, vnd daß dritte 0011mit der ordinarie post zue recht vnterthänigst 0012erhalten. So viel daß erste und zweyte anlanget, 0013erstatte ich ewer kayserlichen Mayestät allervnterthänigsten danck 0014nicht allein daß sie mich mit so gnädigsten 0015expressionen die beständige continuation dero 0016gnaden vnd propension gegen mich versichern 0017wollen, die ich dann auch alß daß einzigstes 0018vnd gröstes kleinoth, vnd schaz von diser 0019welt eusseristen fleißes nach zue conseruiren 0020mich möglichst vnd eyferigst angelegen sein 0021lassen werde, sondern auch mich dero 0022mächtigsten protection bey allen begebenheiten 0023vergewissen, vnd dabenebenst die grosse 0024vergnüegung gönnen, einen so vngemeinen 0025virtuosen, wie der Ballerini ist, hören zue


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0026machen, deßgleichen ich nicht glaube, daß man 0027sobaldt vnd leichtlich weith und breith finden 0028wirt. Gleichwie aber gemeinigklich eine gnade, 0029die andere pflegt nach sich zu ziehen, also thue 0030ich micht erkühnen ewer kayserliche Mayestät vnuergleich- 0031liche clemenz zue imploriren vnd dieselbe 0032vnterthänigst zu bitten, mir noch dise dabe- 0033neben wiederfahren zulassen, vnd dem 0034Ballerini zue erlauben daß derselbe bey künfftigen 0035fasching in einer kleiner opera bey mir alhier 0036recitieren möge. Er weiß noch nichts hieruon, 0037und habe ich mir auch nicht getrawet, ihme et- 0038waß von diser meiner intention zue sagen, 0039ehe- und beuorn ich gesichert seye, daß von ewer 0040kayserlichen Mayestät ich die gnädigste erlaubnuß erhalte, 0041und ihne durch selbige persuadieren könne, 0042dise recita bey uns zu thun. Ewer kayserliche Mayestät 0043verzeihen mir meine vermessenheit, die 0044vnuergleichliche clemenz ewer kayserlichen Mayestät hat 0045mich so kuen gemacht, sonsten würde mich 0046nimmermehr vnderstanden haben dieselbe 0047mit diser meiner vnterthänigsten bitte zube- 0048helligen, lebe dahero der gänzlichen vnterthänigsten 0049hoffnung, ewer kayserliche Mayestät werden mir dises mein 0050vnterthänigstes petitum nicht in vngnaden


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0051vermercken. Daß sonsten ewer kayserliche Mayestät vermög 0052dero dritten hieroben angezogenen allergnädigsten schreibens 0053so sorgfältig und mitleidig vor meine gesundtheit 0054seind, dauor erstatte ich ebenmäßigen allergehor- 0055sambsten danckh, mit der vnterthänigsten versicherung 0056daß der trost so ich darab empfunden allein ca- 0057pabel wehre gewesen, vom augenscheinlichen todt, 0058zue völligen gesundheit mich zu bringen. So viel 0059sonsten dem Graffen von Lamberg ahnbelanget, 0060erstatte ich ewer kayserlichen Mayestät vnterthänigsten danckh, 0061daß dieselbe den gueten ehrlichen cavallier ahn 0062ihro Mayestät den Kayser meinen allergnädigsten 0063liebsten herrn, durch dero alluermögende inter- 0064position, nachtruckhlichst recommendieren wollen 0065und zweiffle ich ganznicht, es werden ihro Mayestät 0066mein allergnädigster Kayser und herr, fallß der Graff 0067von Kauniz solte zue exercierung seiner function 0068vnd carica nacher hoff beruffen werden, ewer 0069kayserliche Mayestät dise gnade nicht abschlagen, zugleich 0070auch auff deß Graffen von Lamberg bishero deren 0071selben geleistete ersprießliche diensten, allergnädigste 0072reflection machen. Vor den armen Graffen 0073Heußler ist mir wohl von grundt meines 0074herzens leidt, vnd zwaren vmb demehr, alß diser 0075mann über alle andere guete qualiteten, absonder- 0076lich dise gehabt, ein auffrichtigster, trewister, vnd


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0077eifferigster vnterthänigster diener von meinem 0078allergnädigsten liebsten Kaysern vnd herrn gewesen 0079zu sein. Ich glaube ganz wohl daß ewer ewer 0080kayserliche kayserliche Mayestät Mayestät gewiß viel zu thuen 0081haben werden, ein capables subjectum zu finden, 0082durch welches dise so importante stelle condigne 0083könne wider besezet werden. Ich vor mein theil 0084habe nur dises vnterthänigst vmb gottes willen 0085fueßfälligst bitten wollen, nur auff keinen 0086von den Graffen von Schallenberg zu reflectieren, 0087dann der zu Augsburg ist der ärgste feindt, so ewer 0088kayserliche Mayestät vnd vnser gesambtes chur hause 0089hatt, dabenebenst dieselbe gnädigst wissen, wie sehr 0090derselbe, wegen der, von mir gegen ihnen er- 0091haltenen inquisition, vnd kayserlichen commission 0092irrittieret, sein brueder auch derentwegen vnß 0093sehr auffsässig sein wirt, vnd dahero dise beyde, 0094ewer kayserlichen Mayestät so wohl, alß vnserem gesambten 0095chur hause, jederzeit alles zu wider thun werden 0096waß sie nur immer werden können, vnd mögen, 0097derentwegen sie dan auch von allen dergleichen 0098cariche und impieghi abzuehalten, vnmaßgeb- 0099lich sein werden, in welchem sie ewer kayserlichen Mayestät 0100vnd unserem chur hause einigen vndienst nur 0101per ambram thuen können. Solten ihro Mayestät mein 0102allergnädigster Kayser und herr bis dato noch freye


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0103handt haben und auff keinen resoluieret, solchen 0104fahls hette ich ewer kayserlichen Mayestät keinen besseren, alß 0105meinen hieniedigen Statthaltern den Fürsten 0106von Heytersheimb, vorschlagen können, der ihro 0107Mayestät meinem Kaysern gewiß wohl und nuzlich 0108würde in diser carica dienen können. Er hat bis 0109dato über meine wenige miliz daß rueder 0110löblich geführet. Ich habe es nur vnterthänigst vor- 0111schlagen wollen, dann ewer kayserliche Mayestät vnd unser 0112chur-hause seiner deuotion, capacitet vnd 0113gueten zuneigung vnd willens versichert 0114sein, es komme entlich dazue wer nur immer 0115wolle, den ihro Mayestät mein allergnädigster liebster 0116Kayser und herr darzue vor capace haltet, wans 0117nur keiner von den beyden Schallenberg wirt, 0118dann solchen fallß, werden ewer kayserliche Mayestät die 0119gröste mortificationes vnd chagrins, vnd unser 0120chur hauß die äusseriste verfolgung vnfehl- 0121bar zue gewarten haben. Vnd weilen dann 0122durch deß ehrlichen Graffen Häußlers, vnd 0123Generalen Holandtß todt zwey regimenter 0124cuirassierer vacant worden, zweiffle ich nicht 0125ewer kayserliche Mayestät werden auff den armen vetteren, 0126den Landtgraffen Philippß, welcher sich bey 0127disem treffen so embsig und fleissig gehalten, 0128allergnädigst reflectieret haben, und ihme zu einem 0129derselben verholffen, allenfalß thue ich ewer kayserliche


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0130Mayestät allervnterthänigst bitten disen neo con- 0131uertitum nach so langem nachwarthen, vnd ge- 0132habten so kräfftigen versprechungen nicht trost- 0133loß zue lassen. Vndterdessen consoliret mich 0134nicht wenig, daß das treffen vnserer seithen 0135noch so wohl abgeloffen, ich will zue gott hoffen, 0136es werde künfftige campagne noch alles besser 0137ablauffen. Waß die Prinzessin anlanget, 0138so ist gewiß daß die jenige so wohl die den Ragozzi 0139hat alß die Princess Sophie, beyde von der 0140ersten ehe seyen, alle die andere seind von der 0141jezigen gemahlin. Ich erwarthe vnterdessen 0142von der jezigen wegen ihrer habschafft noch weitere nach- 0143richt, und von ewer kayserlichen Mayestät ferneren allergnädigsten 0144verhaltungs befehl. Mein courier0145ist von Coppenhagen vor zwey tagen wider0146kommen mit der andtwort vom König, das0147er einen aigenen envoye in der st0148ille zue mir schickhen wolle, der wür0149de alle difficulteten mögligst zu0150beheben befelchs sein. Tiberiuswirdt also den0151selben abwartten müssen. Vom d' Harcourt0152habe ich noch keine andtwort,was ver- 0153muetlich dahero rühret das derselbe die0154gantze zeit hindurch mit seinem0155corpo beim Choiseulle hat stehen müss0156en. Sobaldt aber die andtwort kombt, er-


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0157mangle ich nicht selbige ewer kayserlichen Mayestät vnterthänigst 0158zu überschickhen. Wegen des congressus0159seind ihro Mayestät meines allergnädigsten liebsten Kaysers 0160vnd herrens gefaste resolutiones sehr löblich, vnd 0161wohl, ich förchte aber sehr diese potentien,0162als welche leider das arbitrium0163pacis et belli in henden haben, we0164rden handel drein machen und uns pr0165aeveniren, wie sich dessen dann dem 0166gemeinen wesen rueff vnd gespräch nach, offent- 0167lich verlauten lassen, vnd zwahren in disen ohnge- 0168fährlichen formalibus falß ihro kayserliche Mayestät sich 0169wegen deß orts der conferentz0170wohl alß sonsten noch vor der abreise des0171Konigs in Engelandt also erk0172lären würden, wie sie es verlang0173en, das alsdann mann ihnen nicht ver0174ublen solle, wann sie particulie0175rer mesures mit Franckreich0176nemmeten. Gleich wie nun dises nicht 0177allein ein gefährliches vnd weit aussehendes 0178werck ist, es ihnen auch nichts newes mehr ist 0179in deme sie dessen die fürtrefflichste proben, 0180bey dem nimpwegischen frieden ge- 0181than, der König auch gegen Churbayeren,0182wie der von Saffig mir hinderbracht, auß dessen 0183mundt es zu haben, mit disen aigentlichen formalibus


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0184heraus gefahren, que cet iver il fall0185oit absolument avoir la paix et si0186l'on ne la scauroit avoir bonne qu'0187il la falloit avoir mechante, daß 0188man also nur gar zue clar ihre intentiones 0189sihet, vnd daß leider sors nostra, in eorum 0190manibus seye, sie auch nicht gemeint, den Ca0191lliers zue dimittieren, damit0192sie alle zeit das hefft in han0193den haben und uns das messer auff0194die gurgel setzen konnen. Was nuhn unse0195re arme religion dabey leyden0196wirdt müssen, wirdt die zeit ge0197ben. Meines wenigen erachtens sehe ich hoc 0198rerum misero statu kein anderes mittel, alß 0199violentis malis, talia remedia zue adhibiren 0200vnd heischet es frangenti fidem, fides frangatus 0201eidem, dann ich mir nimmermehr einbilden kan 0202daß ihro Mayestät mein allergnädigster Kayser 0203vnd herr, gemeint seye, sein munus caesareum 0204vnd demselben allein anklebendem arbitrio pa- 0205cis et belli wenigstens so viel daß Reich angehet, 0206sich so leichter dingen auß händen reissen, vnd 0207zuegleich von solchen leuthen, cum summo et ir- 0208reparabili praejuditio libertatis imperii et ante 0209omnia orthodoxae fidei, hinders liecht vnd mit


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0210der nasen führen zu lassen, zue vnbegreiff- 0211lichem nachtheil dero allerhöchsten respect, auctoritet, 0212vnd glorie. Daß also ich der vnterthänigsten gänzlichen 0213meinung wehre, jedoch ohne allervnterthänigste mas- 0214gebung, ihro kayserliche Mayestät solten dem eusserlichem 0215schein nach in diser leuthe verlangen jedoch 0216solcher gestalten consentieren, daß ihnen 0217allezeit der weg offen bleibe, daß jenige zu 0218thuen, waß dero vnd deß Reichs convenienz ist, 0219vnd aldieweilen ihro kayserliche Mayestät jahe augenschein- 0220lich sehen, daß sie in gröster gefahr seindt von0221diesen zweyen seepotentien wann 0222dieselbe nur ihr intent dabey erhalten sambt dem 0223Reich sacrificiert zu werden, dann kauffleu0224tten und geitzigen alles möglich, so 0225mögten dieselbe ohne die geringste zeith verlierung 0226sotto mano mit Franckreich ahn0227binden, das praevenire spihlen0228und sich und das Reich bestmöglig0229st zue salvieren suechen und die0230se beyde sacrificieren. Gewiß 0231ist es, daß wan man der cron Franck0232reich wegen restitution des0233Konigs Iacobs einige advan0234ce thuen worde, das man ahn sei0235tten von ihre Mayesteten und des Reic


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0236hs vihl advantagiosere iahe solche0237conditiones erlangen würde als man0238verlangen konte. Es mues aber her0239negst eine rechtte fäste zuesamm0240ensetzung aller catholischen poten0241tien verahnlasset werden, umb dies0242es ins werckh zue setzen und unsere0243religion kraffttigst zu guar0244antieren. Man muß aber hierin nicht die 0245geringste zeith verliehren, vnd dises delicates ne- 0246gotium in vnbeschreiblichem secreto tractieren, 0247und heischet es nur daß übel von vnß ab, vnd 0248denen jenigen zuzuwenden, die es unß haben 0249zuefügen wollen, ideorum est defensio licitissimam 0250sui ipsus, quae est juris naturalis, absonder- 0251lich dahe die andere so gott vnd ehren loß mit 0252vnß vmbgehen wollen. So viel sonsten die 0253oberrheinische crayß verfassung anlangt, brauchet 0254es dermahlen weiter nichts, als daß ihre kayserliche Mayestät 0255mein allergnädigster Kayser vnd herr es bey der 0256allervnterthänigsten remonstration so die ober- 0257rheinische vnd westerwäldische, auch wetterauische 0258ständte auff dero allergnädigstes schreiben gethan, be- 0259wenden liesse, vnd den herrn Landtgraffen von 0260aller thätlichkeit dehortierten, absonderlich dahe


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0261es doch eine zwischen obgemelten ständten 0262vnd mir, vnueränderlichst, vnd vnwiderruef- 0263liche abgemachte vnd geschloßene sache ist. Ewer 0264kayserliche Mayestät wissen, waß ihro Mayestät meinem 0265Kayser der religion, und unserem chur hause, 0266jahe dem ganzen gemeinen wesen vor vortheil 0267hierüber zuwachset, vnd wie alles wider in die 0268vorige alte reichß ordnung, vnd gebrauch ge- 0269sezet werde, vnd alle gefährliche newerungen 0270vermitten bleiben, dahero ich meine ganze 0271zuflucht zue deroseben nehme, mit vnterthänigster 0272bitte, dises so nuzliches vnd importantes werckh 0273durch dero mächtigste vnd alluermögende pro- 0274tection zue appoggiren, vnd zum erwünschtem 0275endt zu bringen, dann daran hanget gueten 0276theils die ruhe, vnd guete verständtnuß im 0277Reich, crayß, vnd dem ganzen gemeinen 0278wesen. So viel daß pohlnisches werckh anlanget, 0279erstatte ich deroselben allervnterthänigsten danck, 0280daß dieselbe zue dem pohlnischen wahlwesen 0281so viel vnd gnädigst concurrieren wollen. Ich bitte 0282aber nochmahlen allervnterthänigst fueßfälligst 0283vor die 5.000 species ducaten, dann ohne dieselbe 0284kan mein armer bruder Carl vnmöglich fort- 0285kommen vnd weiß ich daß ewer kayserliche Mayestät so viel 0286gnädigkeit und liebe vor ihr aigenes churhauß


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0287haben, daß dieselbe vmb eine solche bagatelle 0288dasselbe nicht werden die etwa habende hoff- 0289nung verliehren machen, absonderlich dahe der 0290Prinz Jacob garkeine, der liebe Herzog von 0291Lothringen aber gar wenige vnd geringe hoff- 0292nung zuer cron haben. Conjuriere dieselbe 0293also durch alles waß ihnen im himmel und auff 0294erden am liebsten vnd werttisten ist, vnter- 0295thänigst mit disen 5.000 ducaten vnserem chur- 0296hauße, so doch alles ihro Mayestät dem Kayser, vnd 0297dem gemeinen wesen so redtlich sacrificiret, 0298vnd derentwegen vnsern vnuergleichlichen 0299liebsten herrn vattern seehlichster gedächtnuß in 0300seinem hohem alter, vnd noch gehabten gar schwachen 0301leibßkräfften haben davon verjagt sehen 0302müssen, ehistmöglichst an die handt zu gehen, 0303auch die baselische vnd oppenheimbische geldere 0304(welche leztere nur von einer liquiden ab- 0305rechnung, so ich mit ihme gepflogen herrührt) 0306bestens zu facilitieren, dann jahe hoffentlich 0307ewer kayserliche Mayestät so lieb- und lieber dero eigenem 0308chur hause, aus welchem dieselbe entsprossen, 0309eine solche cron vnd lustro gönnen werden, 0310alß einem Herzogen von Lothringen, oder einem 0311dritten, dann ihro Mayestät mein allergnädigster Kayser


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0312und herr unsere deuotion immer so sehr ge- 0313sichert seind, alß keiner von allen andern. Bitte dero- 0314wegen nach vnd nachmahlig vnterthänigst fueßfälligst 0315unß hierinnen nicht ausser händen zu gehen, 0316vnd mir, vnd meinem armen bruedern Carl 0317eine gnädigste vertröstliche vnd willfährige 0318schleunige resolution vnd nachtruckh zue geben. 0319Wegen deß Herzogen von Sachsen habe ich mit 0320frewden vernohmmen, daß derselbe andere vnd 0321bessere gedanckhen führe, ich habe aber meiner 0322schuldigkeit zue sein erachtet, daßjenige zue 0323ihrer kayserlichen Mayestät allergnädigster direction vnterthänigst 0324zue berichten, waß mir von gar guter handt 0325ist angebracht worden, vnd das zu discarchirung 0326meines gewissens. Es ist vnderdessen auch der 0327Herzog bey mir gewesen, vnd hat nach gar grossen 0328contestationen nur gesagt, daß daß kayserliche 0329ministerium selbsten auff die redintegration 0330der fürstenbergischen creaturen in allen ihren 0331würden vnd digniteten antrüege, mich wirts 0332also frewen, wann er andere gedanckhen habe, 0333und dises pernicioses werckh zue hindern 0334vielmehr, alß zu befördern suechen wirt. 0335So viel den Graffen Hamilton ahnbelanget, ist mir 0336eine gnade daß ewer kayserliche Mayestät sich seiner


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0337allergnädigst haben gebrauchen wollen, allein 0338hoffe ich es werde dise seine kleine commission 0339nuhnmehro auch sein endt haben, vnd derselbe sich 0340dermahlen einst zu seiner function bey mir ein- 0341stellen können. Es scheinet aber er habe keinen absonder- 0342lichen grossen lust darzue, vnd sein böses gewissen 0343halte ihne bis dato dauon ab, muß also alles 0344abwarten, vnd sehen wohe es hinauß wolle. 0345Daß die liebste Erzherzogin Maria Theresia so 0346vrplözlich von den blattern überfallen, ist mir 0347gewiß herzlich leidt. Ich will zu gott hoffen, 0348es werde alles nach wunsch von statten gehen, 0349ich aber viele gelegenheiten überkommen in der 0350that erzeigen zu können mit waß wahrer passion 0351vnd vnueränderlichen deuotion vnd trewe ich 0352beständigst verharre. Düsseldorff den 11 oktober 96. 0353Ahn 0354ihre Mayestät die römische Kayserin 0355von 0356ihro churfürstlichen Durchlaucht zu Pfaltz etc. aigenhändig 0357also abgangen.