Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 08.11.1696
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7
Versteht nicht, warum der Graf von Hohenlohe nicht auch als Domherr Reichshofrat werden kann, und warum er nicht zumindest eine nominelle Kämmererstelle bekommt, denn er hat bei der Mainzer Koadjutorwahl selbstlose Dienste geleistet und seine Eltern und Schwester in der bewussten Sache (der Verlobung Bruder Karl Philipps mit einer Gräfin von Hohenlohe) überredet. – Glaubt gerne, dass der Bruder des augsburgischen Schallenberg nicht so „abgeschmackt" (ungehörig, unvernünftig) ist wie dieser, könnte ihm aber als (Kriegs-)Kommissar nicht vertrauen. – Dankt wegen (der Beförderung von) Landgraf Philipp (von Hessen-Darmstadt) und vertraut darauf, dass dieser das nächste freiwerdende Kürassierregiment erhält. – Wird EMTs Befehl bezüglich der Tochter des Landgrafen Wilhelm (von Hessen-Rotenburg) umsetzen, sobald er ihre Antwort auf seinen letzten Brief hat. – Der dänische Envoyé macht noch Schwierigkeiten. JW vermutet aber, dass dies nur den äußeren Anschein wahren soll, und hofft, dass auch der König und sein ganzes Königreich katholisch werden. – Zwar verdienen die Friedensverhandlungen reifliche Überlegung, aber bald könnte jeder kaiserliche Beschluss zu spät kommen. – Bedauert, dass der Kaiser in Polen mehrere Kandidaten unterstützt; so wird ein Dritter zum Zug kommen und JWs Kurhaus wiederum zurückgesetzt. – Wird demnächst über die gefährlichen und unverantwortlichen Machenschaften des Hamilton berichten. – Bittet nochmals, seine und die Sache der mit ihm alliierten Stände zu protegieren.
18 novembris 96 2Aller durchleüchtigste, großmächtigste römische Kayserin, 3allergnädigste liebste frau 4auch herz allerliebste frau schwester. 5Ewer kayserlichen Mayestät allergnädigstes handtbrieflein vom 21 octobris 6iüngst, habe ich mit aller tieftisten vnderthänigsten respect zue recht vnder- 7thänigst erhallten, vnd dero gnädigsten befehl vnd mainung in ein vnd 8anderem gehorsambist vernommen. So viel nun den guetten Grauen 9von Hohenlohe ahnbelangt, will ich demselben dero gnädigste intention 10bedeütten, vnd wirdt der arme mensch, so gewisslich bey allen 11coniuncturen, alles was nur in seinem vermögen gewesen ist, zue 12seinem aigenen nichtgeringen schaden vnd discaptio zue vnsers 13churhauses dienste gethaen, vnd sich vnd alle sein zeitliche wolfahrt, 14absonderlich bey der lezteren churmainzischen coadiutorie wahl mit vnbe- 15schreiblicher standhafftigkheit vnd generositet sacrificirt, nicht wenig 16darab perplext vnd disconsolirt seyn, absonderlich dahe er, vmb 17seinen eiffer vnd schuldigste devotion ewer khayserlichen Mayestät zue erweisen, 18vnd den eiffer, so er hatt in allem dero willen zue erfüllen, vnd 19dero allerhöchsten authoritet desto mehrern nachtrukh zuegeben,
20seine baide elttern sambt seiner schwester persuadirt, von dem 21bewussten impegnio abzuestehen, vnd also vnderthänigst verhofft gehabt 22sich ein absonderliches meritum vnd mächtigste protection von ewer kayserlichen 23Mayestät zueerwerben, sich nunmehro ganz verlassen, vnd in seinem 24billigen verlangen vngetröster abgewiesen sehen muss. Dan 25so vil die reichshoffrathsstelle erstlichen anlanget, wais ich nit, warumb 26der thumbherrn standt bey ihme mehr, als bey dem von Benen- 27burg, so der Teütschmaister seeliger darzue portirt, im weeg stehen 28solle. So viel aber den cammerschlüssel anlanget, warumben vnder 29so vilen supernumerariis, so schon darzue benennet seyndt, vnd 30ebenfalls noch nit admittirt werden, er nit ebenfalls benennet 31werden könnte? (dan das warthen, bis würkhlich die an- 32trettung des diensts ahn ihnen khombt, ihme endtlich gar nicht 33schwer ankhomben würde) Es müesste nur seyn, das meine 34wenigste recommendation vnd das er sich so partial vor 35mein churhaus erzaiget, des armen so wol meritirten mensches 36vnglükh einzig vnd allein seye, so bey weittem das peso nicht 37hat, wie des seeligen Teüdtschmaisters seins. Solchen fahls will ich 38gehrne alle mein ihm zuem besten vnderthänigst wolmainendt 39eingewendte officia retractiert haben, vnd ewer kayserlichen 40Mayestät vnderthänigst gebetten, mihr meine aus alleiniger 41vnderthänigster confidenz zue deroselben genommene
42zueflucht, vnd aus inniglichster wolmainung gethanen interposition 43mihr nicht in vngnaden zuenemmen, vnd den armen Hohenlohe, 44so seine zueflucht zue mihr genommen, derentwegen nichts entgelten 45zuelassen. So vil die widerbestellung des commissariats be- 46trifft, will ich zwarn glauben, das der augspurgischen Schallenbergs 47brueder nicht so vngeformbt vnd abgeschmakht ist wie derselbe; 48auch das er einige devotion vor ewer kayserliche Mayestät vnd vnser 49churhaus zeiget. Deme allem vngeachtet aber, le sang ne demon- 50tit pas, vnd khan es nit weniger seyn, als das es ihme innerlich 51wehe thuen muess, das wir vns über seinen vngereimbten brudern 52dergestallten, obwohlen höchstbillichst, beschwehren, vnd dessen 53amotion quoris modo so starkh urgiren, quod manebit semper 54allâ mente repostum, das ich ihme also, vnd mein churhauses 55ganz vnd zuemahlen nicht trawen können, sondern alles widri- 56ges von ihme, fals der rang ihne auch dazu brächte, wurden 57vnfehlbar zu gewarthen haben. Bitte also nochmahlen vnderthä- 58nigst, darauf allergnädigst zue reflectiren; vnd wan es möglich 59were, den herrn Fürsten von Heyttersheimb möglichst zue portiren, 60vnd auf denselben consideration zuehaben, aus allen denen in meinem 61vnderthänigsten bericht vom 11 octobris iüngst, vnderthänigst ange- 62zogenen relevanten motivis. Wegen des Landgraffen
63Philipps, erstatte ich ahn statt seiner ewer kayserlichen Mayestät aller- 64vnderthänigsten dankh vnd zweifle ich nit, er werde ganz consolirt 65seyn, vnd bey nechster apertur eines cuirassirers regiment, 66damit gnädigstvertröster massen begnadiget werden. 67Wegen der hessischen Princessin erwarthe ich nur dero 68gnädigsten befelch auf mein letzteres vnderthänigsters schreiben, 69vmb deme nechst dero gnädigsten willen wegen des Landgrafen 70Wilhelms seiner Princessin ins werckh zuestellen. 71So vil den dänischen heyrath ahnlanget, hat der vnder- 72thänigst iüngst berichteter Envoyé mit mir 73lang von sachen gesprochen vnd obwohlen derse 74lbe noch allerhandt difficulteten 75movieret so hab ich iedoch wohl sovihl 76von ihme vernehmen können, das sie eher 77vollig nachgeben werden als diese 78occasion aus handen gehen gehen lassen. Er het 79derendtwegen nach Coppenhagen geschr 80ieben und müessen sie wohl eusserlich 81solche grimassen und difficulteten machen, 82umb die eusserlige apparentias 83zue salvieren a come se lo facessero arigu 84brdo d' honori monabni1, das wirdt aber
85alles hoffentlich zue ewer kayserlichen Mayestät 86gnädigsten verlangen und intention aus 87schlagen, als ich aus des Envoiees mir 88gehalttenen discorssen wohl sovihl 89nicht undeuttlich abnehmen konnen, 90das der Konig selbsten und sein2 91Königreich durch diese occasi 92on wieder zue der romisch catho 93lischen kirchen zue kommen ahnlass neh 94mmen würden, deme dann villeicht 95noch mehrere andere wohl folgen würden. 96Was nun das friedensnegotium ahnla 97nget förchte ich wahrhafftig, mein ewer kayserlichen Mayestät 98vnderthänigst überschriebenes prognosticum werde lai- 99der gar zue wahr werden, et sine remedio aedaequato 100et sufficionti wirdt dises so violentes übell nit wol 101können curirt werden. Weilen dises aber eine gar delicate 102materia ist, so braucht es wol überlegens, wann nur die 103consilia nicht zue späth vnd allerdings postfestum 104genommen werden. Erwarthe dahero mit vnaussprech- 105lichem schmerzen vnd verlangen hierüber dero gnädigsten
106befehl vmb da mehr, als es das ansehen gewinnet, ob nehme 107die gefahr praeveniret zue werden täglich mehr vnd mehr 108zue, welches gott verhüeten wolle. Wegen der polnischen 109sache beklage ich nur von herzen, das so viele concurrenter 110seyndt, so von ihro kayserlichen Mayestät portiert werden, 111welche eine dem anderen im weeg stehen, vnd dardurch 112vnfehlbar verursachen werden, das ein dritter, so ihro 113Mayestät meinem allergnädigstem Kayser vnd der chri- 114stenheit nur widerlich seyn wirdt, damit durchtringet. 115Vnd sehe ich schon dass bey disen concurrenten vnser churhaus, 116wie allezeit, wider zue ruckh wirdt gesezt werden, 117so dan bis dato alleweilen ceteris paribus geschehen 118ist. Bitte derowegen vnderthänigst vmb gottes willen 119die 5.000 species duggaten gnädigst bald zue wegen zue- 120bringen, solle mein brueder anderst sein interesse ob- 121serviren können, so ohne denenselben hinderstellig bleiben 122muess, welches ich ia nit hoffen will, das ewer kayserliche 123Mayestät beyderseiths intention seyn wirdt. 124So vil den Hamilton anlangt, bin ich gewiss, das 125ewer kayserliche Mayestät meiner suspicion, das er nemblich 126khein guthes gewissen haben muess, dem beyfall geben
127werden, wan sie werden wissen wie ich, was er gestifftet, 128vnd vor gefährliche vnd vnverantworthliche machinationes 129vnd intriguen geführet, welche ich mit nechstem in probanti 130forma ewer kayserlichen Mayestät vnderthänigst überschikhen 131werde. Wordurch ich dann wider meinen willen 132gezwungen werde, eine nachtrukhliche andung vnd enderung 133mit ihme vorzuenemmen, welche ich gesichert bin, wan ewer 134kayserliche Mayestät in allem werden gnädigst informirt seyn, 135nicht allein allergnädigst approbiren, sondern darnebenst 136mein vnglükh beklagen, vnd mich zue friden allergnädigst 137compatiren würden. Wegen des Ballerini erwarthe 138ich eine ganz gnädigst vnd gewährige resolution, vnd 139werde ich in vnveränderlichen devotion leben vnd 140sterben 141ewer kayserlichen Mayestät 142Das oberrheinische weesen 143bitte nochmahlen vnderthänigst 144sich recht zue herzen gehen zuelassen, 145vnd meine vnd der mitalliirten 146ständen gerechte sach kräfftigst 147zue protegiren. 148Düsseldorf den 8. novembris 1696.





