Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 11.11.1696

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7

AbschriftSchreiber

Hat Graf Hamilton ohne Skandal um seine Entlassung ansuchen lassen, weil EMT sich seiner angenommen hat, obwohl er sonst alle Härte verdient hätte. – Die Schwägerin (Pfalzgräfin Anna Maria Franziska), die seit zwei Tagen da ist, hat JW unter vier Augen bestätigt, dass sie den Landgrafen Georg von Hessen-Darmstadt keinesfalls heiraten will. Durch Unterstützung ihrer Ehe mit Prinz Gian Gastone von Toskana könnte EMT also den Großherzog (von Toskana) und das ganze Haus dauerhaft an das Kaiserhaus binden; JW und seine Gemahlin erwarten ihre Entscheidung.

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000111 novembris 1696 0002copia 0003Allerdurchleuchtigste etc. 0004Waß zeithero meines leztern vnterthänigsten berichts 0005vnterm 8ten dises in der dänischen heyrats0006sachen so wohl alhier mit dem dänischen En0007voye passieret wie auch waß vnterdessen 0008mit dem Graffen von Hamilton vnterthänigst vorläuffig 0009berichter massen vorbey gangen, vnd auff waß 0010weise vnd warumb derselbe seine dimission 0011begehret, vnd ich ihme selbige concediret, geruhen 0012ewer kayserliche Mayestät ab meinem nebengehenden vnterthänigsten 0013canzley schreiben bericht, vnd deme ange- 0014füegten beylagen worauff mich mit dero 0015gnädigster erlaubnuß kürze halber vnterthänigst be- 0016ziehe, sich vnterthänigst vorbringen lassen. Vnd 0017gleich wie ich nicht zweiffle, daß erstere werde 0018ein erwünschtes endt nehmen, also hoffe ich auch 0019ewer kayserliche Mayestät werden nach verlesung der 0020sachen gesehen haben, vnd allergnädigst erkennen, 0021daß ich allein zu bezeigung der vnterthänigsten de- 0022ference so ich deroselben in allem schuldig bin, 0023mit dem Hamilton nicht allein mit dem rigor, 0024wie derselbe wohl verdienet hatt, verfahren 0025bin, sondern demselben ohne den geringsten 0026esclat selber in der stille seine dimission begehren 0027lassen, vnd ihme selbige auch verliehen, dahe 0028derselbe sonsten wohl meritieret hette, wie ewer


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0029kayserliche Mayestät auß denen prothocollis gnugsam 0030abnehmen können, daß ich mit aller schärffe mit 0031ihme vmbgangen wehre, allein weilen ich gesehen, 0032daß ewer kayserliche Mayestät sich seiner so allergnädigst ahnnehmmen, 0033habe ich wie billich vnd schuldigst in ahnsehung dessen 0034die milde, der billigkeit vnd aequitet vorgehen 0035lassen, der gänzlichen hoffnung ewer kayserliche Mayestät werden 0036meine allervnterthänigste devotion daraus allergnädigst 0037erkennen. 0038Sonsten allergnädigste fraw, kann ich deroselben in 0039vnterthänigkeit nicht verhalten, welcher gestalten 0040meine fraw schwägerin Liebden sich vor zwey tägen 0041hiehero eingefunden vnd mir die frewde gegönnet, 0042sie auff so offtmahlige einladung endtlich einmahl 0043hier bedienen zu können. Nun hat sich zuegetragen, 0044daß alß ich vor geraumer zeith deroselben 0045zuegeschriben, vnd sie befraget, ob und wie weit 0046sie mit des herrn Landtgraffen Georgen von Heßen 0047Darmbstatt engagiert seye, vmb mich demnegst 0048wegen dero heyratß Liebden etwahe wegen dero 0049heyratß mit demselben impegnieret vnd en- 0050gagiert seye, vmb mich demnegst wegen der 0051ihro proponirter heyrath, mit meinem schwagern 0052deß Prencipe Giovanni Gastone di Toscana Liebden, so wohl 0053bey ewer kayserlichen Mayestät alß auch dem Prinzen darnach 0054regulieren zu können, hatt sie mir dise in originali


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0055nebenligende aigenhändige antworth gegeben, 0056mit bitte, sie bey ewer kayserlichen Mayestät bestermassen 0057helffen derentwegen zu excusiren. Weilen ich aber 0058geforchten, dise möchte nur ein angestifftes wesen 0059sein, so ihro nicht ernst, vnd sie dan dabeneben 0060mir vnterschiedtlich mahlen die hoffnung geben, 0061mich hier zubesuechen, vnd einen fasching bey mir 0062zuezuebringen, so habe ich mit fleiß obgemeltes 0063schreiben zu ruckh gehalten, vmb aus ihrem eigenem 0064mundt ihre intention, remotis arbitris zwischen 00654 augen zue vernehmen, wie ich dann gestern nach- 0066mittagß occasion gehabt, in ihrem aigenem ap- 0067partement ganz allein vnder 4 augen mit ihro 0068zu redten, vnd sie ihres an mich abgelassenen, obange- 0069zogenen schreiben zu erinneren, mit bitte, sie wolle 0070doch mir recht confidenter ihre hierinnen führende 0071intention, offenbahren. So hatt sie selbiges gethan, 0072dergestalten zwaren, daß sie bey dem, waß sie mir 0073vermöge obangezogenen brieffs geschriben, vnuer- 0074änderlich, vnd vnbeweglich bleibe, und mich ein- 0075ständigst vnd eifferigst ersuechet selbiges ewer 0076kayserlichen Mayestät allervnterthänigst zu hinterbringen, 0077und bey ewer kayserlichen Mayestät ebenfahls anzuehalten, 0078ihro nicht vngnädig zue nehmmen, daß sie sich 0079zue dem Landtgraffen nicht resolviren


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0080könne, weilen sie einmahl nie nichts die 0081geringste inclination vor ihne gehabt, nie 0082mit ihme sich gedacht zue engagieren, und auch 0083nimmer in einig engagement sich einlassen könne, 0084dann es ihre convenienz ganz nicht seye. Habe 0085also dises ewer kayserlichen Mayestät allervnterthänigst zue be- 0086richten, übernohmmen, wie ich selbiges dan hie- 0087mit in tieffistem respect thue, vnd zuegleich 0088allervnterthänigst bitte, daß alldieweilen nun 0089gar klahr erhellet, daß sie mit dem Landtgraffen 0090Georgen ganz im geringsten kein impegnio habe, 0091noch zue haben verlange, verfolglichen dasselbe 0092völlig cessiere, ewer kayserlichen Mayestät nuhnmehr, dero 0093gethaner allergnädigster zuesage gemeeß, den 0094heurath zwischen ihr, vnd dem Principe Giovanni 0095Gastone di Toscana allergnädigst portieren und 0096beförderen wollen, vnd sich, vnd dem ganzen 0097hohen erzhause, nicht allein an dessen persohn 0098eine von deroselben absolute dependirende 0099creatur sich erwerben, sondern den herrn Großherzogen 0100vnd das ganze haus Toscana indissolubiliter 0101in dero interesse ziehen, sich dasselbe obligat 0102machen, vnd vnaufflößlich vinculieren vnd de- 0103uincieren. Meine herzallerliebste gemahlin


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0104vnd ich, erwarthen hierauff mit schmerzen eine 0105allergnädigste gewührige ehiste resolution, vnd bitten 0106ewer kayserliche Mayestät dises negotium in dero mächtigste 0107protection zue nehmmen. Ich aber werde etc. 0108Düsseldorff den 11 novembris 1696 0109Ahn 0110ihre Mayestät die römische Kayserin 0111von 0112ihro churfürstlichen Durchlaucht zu Pfaltz etc. aygen- 0113händig also abgangen.