Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 28.11.1696

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7

Ausfertigungeigenhändig

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128 novembris 96 2Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerlibster herr bruder 3Ich hab dero angenehme schreiben vom lezten passato 4vndt 8ten dis 5dero gutte gesuntheit daraus vernommen, 6darbey sie der almechtig erhalten wolle. Die reinische 7sach betreffendt werden dero Liebden durch disen courir 8ihr Mayestät intention mit merern vernemmen. 9Es ist mihr leidt zu sehen, das dero Liebden einige 10diffidenz in den Grauen Goes gesezt, welcher sonst 11allzeit sowoll als der Cardinal sehliger vohr 12vnser cuhrhaus sich ein eifrigster vndt 13partialer diener bezeiget hatt, auch


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14auch im übrigen alzeit ein erligen, vninteressirten 15caualier gefunden. Was er etwan in diser sach 16gedahn, so dero Liebden misfallen, bin ich versichert, das ers 17in gutter intention gedahn vndt aus verlangen, 18dero Liebden mit dem Landgrauen widerumb in 19gutte verstantnus zu sezen. Vndt wirt er anderer 20seits nit weiniger gedahn haben, dan einer, der 21frid will machen, mues keiner partei zuelegen, 22er wurd sonst keinem eben auch nit recht haben 23geben, vnd derft er auf dise weis bederseits 24vndankh verdienen, wie es in dergleichen fällen 25ordinari pflegt zue geschen. Ich bitt, dero Liebden wollen 26auf ihr Mayestät verlangen sich hinfüro aller dätlich- 27keiten enthalten, welches hoffentlich auch der herr 28Landgraue duen wirt, vndt villmehrer gedenken, 29ein gutte harmoni im Reich zu erhalten, welches 30mihr besorglich könftige campagne woll 31werden von nöten haben, sonst wirt nuhr


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32Frankreich sein conto darbey finden, welcher allem an- 33sehn nach ein großen effort am Rein duen wirt, 34gott wolle alles zumb besten schiken. Den Doctor 35betreffendt hab ich ihr Durchlaucht, meiner geliebsten fraw mutter, 36geschriben, was dero Liebden melden, vndt wan er loß vndt 37so gutt versorcht ist, wirt man allerseits vrsach 38haben content zue sein. Den Herzog von Saxen 39betreffendt, so ist er schon hier ankommen, zeigt 40eine große deuotion gegen dero Liebden vnd vnser ganz 41cuhrhaus, dauon er dan vill contestationes gemacht 42hatt. Ich weis nit, ob der Deütschmeister sich vmb 43disen cuhr anemmen wirt oder soll, doch mihr 44dah hart reusiren werden, vndt ob nit villeicht beßer, 45das mihr allerseits diesem Herzoch von Saxen 46darzu verhölflich sein dähten, welcher aus erkantnus 47noch vill mehr deuot wurd sein vndt dero Liebden wären48gesichert einen gutten nachtbarn zue haben.


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49Ich will hirüber auch dem Deütschmeister zu 50schreiben vndt alsdan seine gedanken auch dero Liebden 51comuniciren. Was die antwort des d' Arcourt betrift, 52hab ich mihr sie niemahlens anderst eingebilt, 53als wie sie ist, vndt also klar daraus zu 54sehn, das dises nuhr ein malitiose erdichtung 55von ihnen geweßen, dero Liebden vndt mich mit ihr Mayestät, mein 56Keiser, in diffidenz zu sezen, welcher streich inen 57aber gottlob nit geraten ist. Hiraus ist aber 58woll abzue nemmen, das alles, was sie 59zeigen vndt wolten, war, beßere conditiones machen, 60das alles nuhr falscheiten vndt bedrug vndt 61sie es gleich den andren mit noch mehr leysezungen 62comunicirn vndt dardurch suchen diffidenzien 63vndt trennung vnter den allijrten zu machen, wie 64sies in Sauoia haben gedahn. Also ihr Mayestät ver- 65meinen, das sich hirinfals mit ihnen gahr nit ein-


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66laßen, weil doch alle ihr sachen in malitiosen bedrug 67stehet. Das, was dero Liebden mihr schiken in der dänischen sach, 68finde ich, das nichts anderst als das alte 69liedel, das sie dem Pater Wißer gesungen, vndt 70scheinet schier daraus, das wan sie auch entlich 71catolisch wurd, villeicht nuhr ein fictio heraus 72kommen möchte, welches bey innen erlaubt 73ist, daruohr vns der almechtige behüetten 74wolle, vndt kan man in dißer sach nit 75behuetsamb vndt sicher genueg gehn. Ein anders 76wer, wan das angieng, was dero Liebden im vohrigen gemeld, 77das etwan der König selbst vnd das ganze haus 78sich bekeren möchten, dah kunt man woll beßer 79trawen. Die antwort auf das, was der inuiato 80hinein geschriben, wirt es zeigen, vndt solte solche 81auch so auf schraufen gestelt sein, wehre 82wehnig gutts zu hoffen vndt beßer auf ein


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83andere zue gedenken, deren sich genuech finden 84werden, so auch villeicht ohne dem verlangen 85dragen, ihr sehl zu saluiren vndt vnser allein 86selichmachenden glauben anzuenemmen, bey 87Vndt bitt ich, dero Liebden wollen die sach beschleünigen, das man weis, an wem man ist,88dan ihr Mayestät verlangen mein sohn balt verheirat zue sehen, die succession zu stabiliren.89welchen man woll sicherer wehre. Bruder Carl betrefent, 90so wißen dero Liebden, wie schwer es hir mit dem gelt 91geht, ihr Mayestät duen ohne dem, was sie können, 92ist ihnen ein mahl vnmöglich alles zu bestieben. 93Man wirt aber nit saumen, wan man solt sehen, 94das vohr den Prinzen Jacob gahr kein hoffnung, vohr 95mein brudern auch bedacht zu sein. Wegen Schpanien 96ists an dem, das der Grau von Harrach hinein 97solle, vmb welchs ich fleisig solicitire. Bedanke 98mich dero Liebden bezeigten vohrsorch vndt das sie mihr der 99Perlips brif haben comuniciren wollen. Des Degenfelt 100bericht hab ich gleich der Königin in Portugal 101hinein geschikt, auf welchs von dort die antwort


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102erwarte. Meiner fraw schwegrin schreiben betreffendt, 103wehre vnötig gewesen selbiges zu schiken, vndt 104seindt mihr hier so kindisch nit als das mihr 105woll kennen, das, nach dem sie die reis auf 106Düßeldorf resoluirt, sie schon zueuohren sich der 107heirat halber wirt resoluirt haben, vmb das 108mehr solches bestettiget, das der Großherzoch vohr 109den Prinzen vohn ihr Mayestät das incolat in Behmen 110gleichsam per conditione zue erlegung der gelder, 111so er zue denen völkern geben solle, begeret. 112Also ist mihr leidt, das ihr Mayestät vndt meine 113reccomendationes schon zueschpaht komen wurden, 114hoffe aber, dero Liebden werden darob sein, das die eh 115pacta nit gemacht werden ohne dem, das 116iemandt darbey von ihr Mayestät, mein Keiser, der 117dero interesse, weilen meiner fraw schwegrin merer 118gütter in Bemen ligen, möge darbey beobachten.


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119Im übrigen wüntsche ihnen vill glükh, das sie bede 120alles vergnügung haben mögen. Den Hohenloh betreffendt, 121wollen dero Liebden nit übel nemmen, was ich dero Liebden geschriben, dan 122woll wahr, das bey mein sohn noch vill decreta haben, 123die nit dienen, aber eben dise haben die decreta 124schon lang, vndt wehre ihr Mayestät schwehr, die dür, so 125sie izt verschpert, wider aufzuemachen, weil noch 126gahr vill pretendenten vmb ein gleiches sein, 127denen man es nit woll abschlagen könte. 128Auch so lang er geistlich ist, kann ers gahr 129nit pretendiren, dan bey mein sohn gahr kein 130geistliger zum cammerhern ist admitirt worden 131noch wirt. Werden also hoffentlich dero Liebden es nit übel nemen 132können noch werden, das man es diesem auch nit dut. 133Den reichshoffrahtstell betreffendt, ist er schon dar- 134mit content geweßen, das man ihms geben soll, 135wan er den weltligen standt anemmen wirt. Der 136Boineburg ist schon gahr lang, das ers worden ist,


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137vndt ihr Mayestät haben selbiges mahl stablilirt, das 138sie nit vohr gutt gefunden, das geistlige mehr 139hinein kommen sollen, vndt wan er doch ohne 140dem den geistligen standt ablegen wirt, so ligt 141ihm iah niks dran, ob es so lang verschoben werde, 142dan es ihm iah sicher ist. Ich hoff, dero Liebden haben 143beßer meinung von mihr vndt von meiner 144affection gegen dieselbe, als das ich nit von herzen 145allezeit dero reccomendationes vohr alles andren 146mihr wurde angelegen sein laßen, werde aber auch 147hingegen nit verlangen, das ich etwas mit impor- 148tunitet solle durch druken, welches ihr Mayestät, mein 149Keiser, nit zu dero dienst finden. Den Hamilton 150betreffendt werden dero Liebden zum besten wißen, was dero 151conuenienz ist, vndt ich mich darein nit mischen 152will, mueß aber bekennen, das ich die ihme 153aufgebürte delicta nit so groß noch


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154fondirt finde, das wan sie ihm comunicirt 155wurden, er glaublich selbiger sich woll purgiren 156wurde. Ich wüntsche, das dero Liebden in allem woll bedient 157werden vndt alle satisfaction mögen haben. Den Balle- 158rino haben ihr Mayestät gahr gern erlaubt, das er 159dero Liebden in disen fasching bediene, wünsche, das sie sich 160woll diuertirn mögen. Ich aber due mich in dero 161affection befehlen vndt werde sterben 162dero Liebden 163getrewste schwester 164Eleonora 165Wien den 28ten novembris 1696 166Ich bitt dero Liebden aufs höchste vmb 167vergebung, das der Perlips brif nit schik, ich hab in 168zue den meinigen gelegt, dan sie mihr fast eben dis 169schreibt, vndt izt kan ich ihn nit finden, förcht, er sey 170anstatt meins verbrendt, will aber noch beßer 171suchen, vndt so balt in finde, werde ihn dero Liebden überschiken. 172Weil dises durch eigen curir geht, so hab mich 173keiner zifer gebrauchen wollen.