Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, o.O. am 07.03.1697
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7
Entschuldigt sich für seine krankheitsbedingte späte Antwort auf EMTs Schreiben vom 30.01.1697 und dankt für die Zusicherung ihrer anhaltenden Gnade und schwesterlichen Liebe. – Drängt auf einen raschen Beschluss über seinen kürzlich gemachten Vorschlag (betreffend eine Ehe zwischen König Joseph I. und der Mademoiselle (Elisabeth Charlotte von Orleans). Es eilt, weil Frankreich für die kommende Kampagne besser vorbereitet ist, während die Schwäche, Unentschlossenheit und Langsamkeit der eigenen Seite bekannt ist. Es scheint, dass England und Holland schon Frieden gemacht haben und die französischen Bevollmächtigten schon nach Delft gekommen sind. England und Holland haben das Reich („uns“) schon beim Frieden von Nimwegen betrogen und tun es wieder. Aber JWs Vorschlag könnte dem noch gegensteuern, die spanische Thronfolge sichern und dem Kaiser das nur ihm gebührende arbitrium pacis et belli zurückgeben. – Sendet beiliegend seine eigene sowie eine Relation des Grafen Sinzendorf über den Ehevertrag der Schwägerin (Pfalzgräfin Anna Maria Franziska); nun fehlen noch das (böhmische) Indigenat für den Prinzen (Gian Gastone) und die Mitvormundschaft des Großherzogs . – Verweist wegen der dänischen Heiratsverhandlungen und seiner Subsidien auf das beiliegende Kanzleischreiben. – Stimmt EMTs Ansicht zur spanischen Thronfolge zu, denn die Königin (Schwester Maria Anna) wäre in Lebensgefahr, wenn eine solche Intrige vorzeitig bekannt würde. – Für die Prinzessin von Zweibrücken fällt JW leider kein katholischer Fürst mit Vermögen ein. – Bittet um ein Patent als kaiserlicher General der Kavallerie für den Grafen (Johann Ernst) von Nassau-Weilburg .
17 martii 97 2copia 3Allerdurchleuchtigste etc. 4Ewer kayserliche Mayestät bitte ich aller vnterthänigst fueßfällig 5vmb vergebung, das ich auff deroselben allergnädigstes 6handtbriefflein von 30 januarii jüngst nicht ehender 7vnterthänigst schuldigster massen beantworthet, die vrsache 8dessen seind, das ich eben dahemahlen, wie der Graff 9Philipp von Zinzendorff, obgemeltes dero schreiben 10mir überlieffert, in einen solchen vnbeschreiblichen kopf- 11wehe und catarren, so mich in 14 tage gequehlet 12gehabt, das ich das allergeringste nicht habe appli- 13ciren können, zue deme so ists täglich darauff ge- 14standen, das obgemelter Graffe von Zinzendorff, 15einen courrier hat depechiren wollen, welches sich 16dan von einem tag zum anderen bis anjezo ver- 17zögert, das ich also hoffe, ewer kayserliche Mayestät werden 18mir disen, wider meinen willen beschehenen auffent- 19halt, nicht in vngnaden vermerckhen. So viel 20nun die materias obangezogenen dero allergnädigsten 21handtbrieffleins betrifft, thue ich vor allem ganz 22tieffisten allervnterthänigsten dankch erstatten, vor die 23allergnädigste continuation dero kayserlichen und schwester- 24lichen zuneigung, gnädigkeit und liebe, so die- 25selbe mir durch mehrgemelten Graffen von Zinzen- 26dorff zue meinem gewis grösten trost, vnd vnbe- 27schreiblichen vergnügung so mündt- alß schrifftlich
28haben versicheren wollen, allervnterthänigst bittendt, 29mich darinnen beständigst zu conseruiren, und gänz- 30lichen persuadiert zue sein, das ich nicht allein in meiner 31vnuerfälschten trewe vnueränderlich verharren, sondern 32auch nichts in der welt deroselben jemahls vorgetragen 33habe, noch in alle ewigkeit vortragen werde, als blos 34und allein, waß wahrhafftig zue deroselben, vnd des 35glorwürdigsten erzhauses dienst, nuzen, gloire vnd 36auffnahmb immer und zwarn handtgreifflich gereichen 37kan, dahero ich dann allervnterthänigst flehentlichst, vnd 38einständigst bitte, mir dero allergnädigste resolutiones 39wegen der mit letzterem zue ruck geschickt 40tem curier von Tiberio gethanen proposi 41tion vmbso mehr eiligst zu kommen zulassen, als die cam 42pagne vor der handt und es leider vor uns gahr 43schate apparents hat wegen des feindts prae 44potenz und unbeschreibligen vigilans und ans 45talt und unserer kundtbaren schwachheit, 46langsambkeit, irresolution und gar schle 47chten oder gahr keinen gegenahnstalt, dahe 48leider hinzue kommet, das wir unserer sei 49tten nostram sortem von frembder handt als 50in welcher wir selbsten das arbitrium pac 51is et belli gesetzet und zwahren von uncatholi 52schen zuewartten haben und zwaren von solchen, die 53uns schon einmahlen beym nimwegischen frie
54den ehrvergessener weise betrogen haben und ahn 55iezo wieder auffs newe betruegen, wel 56chem aber nicht anderst als ich in obahnge 57zogenem ahn deroselben gethanem schrei 58ben underthanigst gemeldet, geholffen, 59noch disen fremden potentien das von ihnen 60usurpierendes hefft des arbitrii pa 61cis et belli so privative allein ihro 62Mayestät dem Kayser und keinem in der weldt anderst 63competieret, aus handen 1con bellodo 64zuereissen. Ewer kayserliche Mayestät nehmen mir nicht in 65vngnaden das ich so eyferig, und starckh in diser materi 66schreibe, meine trewe pflichten mit welchen ich gleich- 67wohlen ihro kayserlichen Mayestät, dem Reich und meinem vatter- 68landt zuegethan, nicht allein, sonderen fürnehemblich 69die vnueränderliche deuotion, und innigliche liebe, so 70ich vor meinen allergnädigsten Kayser vnd herren vnd dem 71ganzen glorwürdigstem hohen erzhause beständigst 72zuetrage, haben mir den mehristen antrib hierzue 73geben. Vnd kommet das jenige was durch neben- 74gehendes canzleyschreiben wegen thuung dieser 75campagne vor unseren gnädigsten und unver 76gleichligen römischen König allervnterthänigst 77trewmeinendt gemeldet, desto mehr hier zuestatten 78als in similibus casibus armi et camere vnuergleich-
79lich besam stehen können. Es ist aber die gnädigste vnd 80schleunigste resolution vmb so viel nöttiger, als ich sonsten 81förchte, wie dann alle apparenz ist, Engelandt 82und Hollandt habe schon würcklich den frieden 83gemacht und seindt die franzosische plene 84potentarii nunmero schon würcklich zue 85Delfft vermuetlich ahnkommen. Ahn diesen 86von mir vnterthänigst bedeuteten resolutionen hangen blos 87und allein dass ganze werckh, retung oder ver 88lust des ganzen romischen Reichs et publici 89und stehet nunmero nicht allein dises, sonderen auch 90die gantze auctoritet und recuperierung des 91praecipium uneris unseres allergnädigsten 92Kaysers nimirum de arbitrii pacis et belli 93allein in ihro kayserlichen Mayestät allergnädigsten händen, aber es gehört 94eine prompte vnd cordate resolution, vnd noch promptere 95execution hierzue. Gott wolle durch seine gnädig- 96keit das allerbeste ihro Mayestät meinem allergnädigsten 97liebsten Kaysern und herren inspirieren, vnd das selbe 98mascule et fortiter exequieren machen Amen. 99Wie die hiesige einrichtung der pactorum dotalium 100abgeloffen, belieben ewer kayserliche Mayestät ab meinem 101so wohl, als deß Graffen von Sinzendorff neben- 102gehenden relation allgnädigst zu ersehen. Meiner 103seits habe ich alles gethan was in meinen kräfften
104gewesen, vmb es so einrichten zu helffen, auff das 105ewer kayserliche Mayestät darab allergnädigst sehen mögen, das 106ich mein ambt gethan. Der herr Graffe von Zinzen- 107dorff aber ist infatigabel gewesen, und hatt seine 108ihme mit gegebene incumbens gewislich vnuer- 109gleichlich vertretten, vnd nichts im geringsten versaumet, 110es ist zwarn bey meiner fraw schwägerin so wohl, 111als dem Abbate Montauti etwas schwer hergangen, 112man hatt aber, gott lob, alle difficulteten gehebt, 113vnd dises werckh zum erwünschten zweckh gebracht, 114vnd bleibt numehro nichts mehr übrig, als bloß 115vnd allein das ewer kayserliche Mayestät dem herrn Groß Hertzogen, 116dem Principe Giovanni Gastone und meiner herzallerliebsten 117gemahlin, nebenst mir dise grosse gnade hinzue 118sezeten, auff das dieselbe mit zue ruckh schickung 119dises courriers vnd ratification der pactorum 120auch das indigenat vor den Prinzen vnd die con- 121tutelam wie in den pactis gemelt, vor den herren 122Groß Herzogen allergnädigst mit schicken vnd ertheilen, 123wolten, so wehre die gnade vollkommen. Was 124das dänisches heyratsnegotium antrifft 125beziehe mich ebenfahls, wie auch wegen der mir gnädigst 126assignierter, und assignierender subsidiorum 127so wohl alte als newe, auch commis vnd fourage 128gelder auff meine nebengehende allervnterthänigste
129cantzleyschreiben, mit dero allergnädigsten erlaub- 130nuß kürze halber. Vor die allergnädigste communication 131in der spanischen successionssachen erstatte 132ich aller vnterthänigsten danckh, und thue mich dieserthalb 133auff das jenige gehorsamst beziehen, was ich mit letst 134zue ruckh geschicktem courrier dieserthalben vnderthänigst 135gebetten gemeldet, vnd ist die beförderung 136des Graven von Harrachs reise in Spanien 137vmb so nöttiger, als meine von dannen gehabte 138letstere brieff von der Königin melden das der 139König wider auffs newe eine kleine recidi 140vam gehabt und ein unglückh bey so schwacher con 141stitution leicht wider fahren kann. Ewer kayserliche Mayestät 142seind sonsten gar recht daran, dann wann eine solche 143intrigue vor der zeith vor den Konig kommen solte, 144wehre das ganze werckh auff einmahl aus, vnd 145die Konigin die unglücksehligste fraw 146so auff erden, gott gebe, das sie solchenfals 147noch mit dem leben davon käme. Waß mir ewer 148kayserliche Mayestät wegen der ahn dero hoff anwesenden Prin- 149cessin von Zwey Bruckhen deß herrn Pfalzgraffen Adolphs 150aus Schweden fraw dochter allergnädigst befehlen darauf 151kan ich deroselben in vnterthänigkeit nicht verhalten 152welcher gestalten der Fürst von Nassau Hadamar 153mit deß Landtgraffen Wilhelm zu Hessen Rheinfelß
154tochter würckhlich geheyrathet, und aldorten nichts 155mehr vorhanden ist. Es ist zwar noch ein catholischer 156Fürst von Nassau Siegen im wittwe standt, diser 157hatt aber gar keine sonderliche mittlen, zue deme 158solle er mit der Josepha von Hohenlohe versprochen 159sein gewesen, ob deme aber also, oder ob er dauon 160ab ist, kann ich nicht wissen, will mich aber dessen 161erkundigen, sonsten weiß ich von catholischen fürsten 162die etwas mittlen haben, nichts im ganzen Reich, 163erwarthe dahero gnädigsten befehl, was ich sonsten 164in diser sachen thuen kann. Schließlichen thue 165mich ebenfahls auf mein nebengehendes vnter- 166thänigstes schreiben, wegen deß ehrlichen Graffen 167von Nassau Veylburg gehorsamst betzihen, vnd 168flehentligst und einständigst bitten, mit zuruckh- 169schickung dises courriers ihme auch das patent 170als kayserlichen General von der cavallerie zue- 171gleich mit zuschicken, dises wirt jetztgemelten 172Graffen desto mehrers zue continuierung 173seiner trewisten vnterthänigsten diensten animieren, 174ich es aber als eine mir selbsten widerfahrende 175höchste kayserliche gnade achten, und nebenst ihme 176Graffen von Nassau Veilburg mit trewisten vnterthänigsten 177vnermüedsten diensten hinwiderumb









