Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 15.12.1697

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7

AbschriftSchreiber

Entschuldigt sich für sein langes Schweigen; die nun geschlossenen Friedensverträge, seine Reise nach Jülich, ein Katarrh und die Notwendigkeit, die hessischen Truppen vom Durchzug durch den Westerwald abzuhalten, waren die Ursache. – Seine „hiesigen Lande“ haben sehr unter dem Durchzug von über 50.000 Mann gelitten, insbesondere die bayerischen und braunschweigischen Truppen haben übel gehaust. – Vertraut darauf, dass die Andacht EMTs bei dem wundertätigen Marienbild ihm die Fürbitte der Gottesmutter für seinen Wunsch nach einem Nachfolger erwirken wird. – Hat dem Gottfried Wiser geschrieben, wie unfreundlich er die Althann empfangen würde und ihn angewiesen, ihr den Brief zu zeigen. – Dankt für die Erklärung wegen der türkischen Fahnen, Pauken etc.; EMTs Gnade ist ihm wichtiger als alle Schätze. – Erwartet den Tellier und wird dann gleich den Douven mitschicken. – Wird sich nicht EMTs Wunsch entgegenstellen, das Bistum Osnabrück im Fall des Todes des Herzogs von Hannover an den Herzog Karl von Lothringen zu bringen. Sie möge jedoch bedenken, wie hart dies für JW und seinen Bruder (Franz Ludwig), den (Hoch- und) Deutschmeister, ist nach all ihren treuen Diensten und nachdem sie so oft zurückgestanden sind, zumal die Nachfolge in diesem Bistum dem Vater für eben diesen Bruder versprochen wurde. EMT möge auch ein wenig an ihr Kurhaus denken. Der Bruder hätte gute Aussichten; sollte nun aber letztlich ein Dritter zum Zug kommen, läge die Schuld nicht bei JW oder dem Fürsten von Heitersheim, sondern bei schlechten Beratern wie dem Domherrn Nesselrode . – Bedankt sich, dass Graf Kaunitz ihn vor wenigen Tagen besuchen konnte; dieser wird EMT alles übrige berichten. – Empfiehlt seine Gemahlin .

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0001copia 15 decembris 970002Allerdurchleuchtigste etc. 0003Ewer kayserliche Mayestät bitte ich allervnderthänigst 0004fueßfälligst vmb verzeihung daß ich so lang 0005still geschwigen, auch vor allem auff dero beyde 0006allergnädigste handtbrieffel vom 30ten octobris 0007vnd 20ten novembris jüngst nicht ehender, meiner 0008allerhöchsten vnterthänigsten schuldigkeit gemäß, 0009geantworthet. Die numehro geschlossene 0010friedens tractaten, meine nacher Gülich 0011auff etwahe drey wochen gethane rayse, der 0012durch marsch der hessischen troupen, so mit 0013lauter gewalth durch den Westerwaldt ge- 0014wolth, vmb mit ihren ohne dem aldorthen ge- 0015habten noch übrigen troupen, die arme 0016stände, wans möglich gewesen wehre, noch 0017mehrers, als geschehen, in den grundt zue 0018ruinieren, so ich aber, gottlob, noch verhin- 0019dert, und ihnen einen ganz anderen weg, 0020mit gewalth, habe halten machen, vnd was 0021dergleichen facherien mehr seind, haben 0022nebenst einigen starckh gehabten cattarren 0023vnd kopffwehe daran verhindert. Daß ich 0024also der gänzlichen allervnderthänigsten hoff- 0025nung lebe, ewer kayserliche Mayestät werde mir


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0026dise obangezogene vnderlassung desto 0027ehender in höchsten gnaden und milte nachsehen, 0028vnd mich gnädigst vmbsomehr compatieren, 0029als meine hienidige arme lande, einen 0030durchzug von mehr dan 50000 mann aller- 0031handt troupen hatt leider? erleben miessen 0032vnder welchen theils gar übel, absonderlich 0033die bayrische vnd theils braunschweigisch- 0034hannover- vnd zellische, gehauset. In jeztgemelter 0035hoffnung dann, thue ich zue forderist aller 0036vnterthänigsten danckh erstatten, vor den gnädigsten 0037glückhwunsch so dieselbe mir zu meinem 0038glückhligem wohlstandt, leibs, und der seelen 0039haben thuen wollen, bitte nur allein vnterthänigst 0040wann der guete ehrliger Pater Graz gar zue 0041viel guets von mir gesagt, nicht alles zue 0042glauben, dann er ist ein wenig zue sehr par- 0043teiisch vor mich, vnd er weiß wohl, daß ich 0044ihne von herzen liebe. Vnderdessen habe 0045ich mein ganzes vertrawen auff die ab- 0046sonderlige andacht, so ewer kayserliche Mayestät an dem 0047miraculosem bildt vnser lieben frawen 0048vor mich werden halten lassen, wafür ich 0049allervnderthänigsten danckh erstatte, der allmächtige 0050gott werde sich durch die kräfftige vorbitt


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0051seiner gebenedeytesten muetter, dero er 0052nichts abschlagen kan, die so sehr verlangte suc- 0053cession gnädiglich mittheilen, vnd mir selbige zue 0054meiner seehligkeith gedeyen machen, dann 0055das stehet nur bloß und allein bey ihme. 0056Wegen der Althan, habe ich so bald ewer kayserliche Mayestät 0057allergnädigsten befelch nicht empfangen, oder ich 0058habe mit selbiger post noch dem Gottfriedt0059Wieser schrifftlich befohlen ihr absolute von mei0060netwegen zue bedeutten, das sie sich den lust0061entweder allein oder aber mit ihrem mann0062hiehero oder in der nähe zue kommen solle0063vergehen lassen, wann sie nicht sich0064sambt ihrem mann eines unfehlbahren0065affronts exponiren vnd sicherlich ohne fehl 0066erwartten wolle, welchen brieff er Wieser0067der Althan in originali weisen soll, daß 0068ich also meines wenigen ohrts vermeine ewer 0069kayserlichen Mayestät allergnädigsten befelch hierinfalß vnterthänigst 0070recht vollenzogen zue haben, vnderdessen 0071thun mir ewer kayserliche Mayestät die gröste gnade 0072wann dieselbe obgmelter Althan ein0073rechtschaffenes gebisse inlegen0074lassen und machen, das sie balt mit ehren von Wien0075weghkomme. Was sonsten die fahnen, pauckhen, 0076zelten vnd dergleichen anlanget, erstatte ich


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0077vor dero allergnädigste erklährung allervnterthänigsten 0078danckh, bitte mich nur ferner in dero gnaden 0079erhalten zue wollen, welche mir über alle schäze 0080der ganzen welt ist. Den Tellier erwarthe ich 0081hier mit dem grösten frewden vnd verlangen 0082vnd werde sodann nicht lang saummen den0083Dauven mit zue beförderen. Denen Herren von Aachen 0084habe ich blos in ansehen ewer kayserlichen Mayestät allergnädigsten 0085vorworths so mir jederzeith ein absoluter 0086befelch ist, meine rechtmässig an sie gehabte gelts for- 0087derung mit den grösten frewden der welt, bey 0088meiner anwesenheith daselbsten in besuechung 0089der heyligen reliquien geschenckhet, nicht zweyflendt 0090sie werden derentwegen auch ihre schuldigste 0091vnterthänigste danckhsagung abgestattet werden 0092haben. Was das Bischthumb Osnabrückh 0093in fauorem deß herrn Herzogen Carl zu Lothringen 0094Bischoffen zue Vllmitz Liebden in casum eines zeit- 0095ligen todtß deß jezigen herren Herzogen von 0096Hanouer zuewegen zue bringen betrifft, 0097bin ich vergessen vergangen auff selbigen 0098punct vnderthänigst zue antworthen bey der 0099vielheith vnd mehrerer wichtigkeith anderer 0100materien. Thue also ewer kayserliche Mayestät in aller 0101vnderthänigkeit vnuerhalten, das es weith von


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0102mir vnd von meinem bruederen dem herrn Hoch- 0103und Teutschmeister sein solle, vnß deroselben allergnädigsten 0104intention in viel oder wenig zue op- 0105ponieren (wie ich dann dem gestern zue abendts 0106alhier erst wider ahngelangten Fürsten von Heyters- 0107heimb dero gnädigstes durch den Fürsten von Schwarzen- 0108berg ihm überschickendes schreiben heunt gliebts 0109gott überieferen werde) allein lasse ich ewer 0110kayserliche Mayestät allergnädigst consideriren, wie schwehr, 0111schmerzlich, und hart, mir und meinem 0112bruedern und meinem ganzen chur-haus 0113vorkommen mueß, das nach so vielen ausge- 0114standenen ruinen, geleisteten trewisten diensten, 0115so offt gethanen abstehen, in sachen wohe mein 0116haus hette vnfehlbar spuntieren können, vnd 0117das bloß vnd allein ewer kayserlichen Mayestät Mayestät 0118vnd dero erzhause zue ehren vnd lieb, fast 0119in allen vorfallenheiten wohe dasselbe mit 0120andern chur- oder fürstlichen häusern concur- 0121rieret, absonderlich aber auch in disem zue- 0122ruckh stehen mueß. Dahe doch ewer kayserliche Mayestät 0123sich annoch allergnädigst werden zue erinneren 0124wissen, daß eben dises Bistumb vnserem 0125herrn vattern christseligster gedächtnüß vor 0126eben dem jezigem Teütschmeistern bey dahe-


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0127mahls vorgewesener chur cölnischer coadju- 0128torie vnd erzbischofligen, auch ersteren lüttigischen 0129wahl von beyderseits ewer kayserlichen Mayestät Mayestät 0130vnd dem herrn Churfürsten zue Cölln vnd Bayern 0131nebenst dem Bistumb Hildesheimb, ist ver- 0132sprochen worden, fals wir, wie geschehen, auff das 0133Churfürstenthumb Cölln vnd Bistumb Lüttich 0134als respectiue dem jezigem herrn Churfürsten, vnd 0135dem lezt verstorbenen Bischoffen zue Lüttig 0136einem von Elderen vor das mahl renuntiiren 0137würden, wie auch geschehen. Zue deme thuet 0138es mir vnd meinem haus, noch vmb so mehr 0139schmerzen, als wir von der zeith an, ohnwissend 0140diser vor den herrn Herzogen Carl von ewer kayserlichen 0141Mayestät allergnädigst formierenden praetension 0142vnder der handt die sachen, gott lob, so weith 0143gebracht das eine zimbliche sichere hoff- 0144nung dahe gewesen, vnd uns anjezo der- 0145selben, durch den vom Thumbherrn Nesselrath 0146(als welcher in obgemeltem stifft nicht allein, 0147sondern auch in allen den anderen alß Münster, 0148Hyldeßheim, Paterborn, vnd andere, nicht 0149allein nichts vermag, vnd recht verhasset 0150ist, sondern allein vor einen prahler vnd be- 0151trieger geachtet wirt) bloß vmb sich ein


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0152meritum zue machen vnd quodammodo ne- 0153cessarium etwahe ohne einige wissenschafft vnd 0154apparenz versprochenen successum in sachen, solcher 0155gestalten frustrieret sehen miessen, dahe er doch 0156absoluté absonderlich nichts kan odder vermag. 0157Ich schreibe dises nur bloß damit ewer kayserliche 0158Mayestät sehen mögen den candorem mit welchem 0159ich handele, lege alles zue dero füessen, vnd 0160bitte eine wenige consideration auff dero 0161eigenes chur-haus auch mit zue haben, dann 0162quo ad religionem, vnd allanderer considera- 0163tionen, hoffe ich, werden ewer kayserliche Mayestät gnädigst 0164persuadieret sein, daß es eben daß vnd 0165vielleicht noch ein mehreres, mediante der 0166allergnädigsten kayserlichen protection (deren entziehung, 0167weder ich, noch mein brueder oder mein 0168chur hauß hoffentlich, nach so vielen gethanen 0169sacrificiis ausgestandenen ruin, truebsahlen, 0170vnd geleisteten trewisten diensten, nicht werden 0171verdienet haben) wirt praestiren können 0172als einig anderes. Bitte dahero ewer kayserliche Mayestät, 0173dieselbe geruhen allergnädigst darauff zue 0174reflectieren, vnd demnegst zue resoluiren, 0175ob es der mühe werth ist, vmb einem solchem 0176menschen als der Thumbherr Nesselroth ist,


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0177keine dimentita zue geben, dero aigenes 0178haus, also zue mortificieren, vnd zu bedrieben. 0179Ich remittiere mich in allem auff ewer kayserlichen Mayestät 0180so willigst, als schuldigst, allein dieselbe werden 0181sehen, wann sie vns die gnade entziehen, 0182ob der Nesselrath etwas wirt können? Es 0183wirt heyssen Parturiunt, dann wann wir 0184schon guete freunde haben, so können wir doch 0185ohnmöglich versprechen, daß sie eben auff 0186den mit gehen werden den wir gern wolten, 0187es seind halt wundere leuthe. Dieses 0188schreibe darumb, damit ewer kayserliche Mayestät vor- 0189raus wissen, daß es in unseren kräfften vner- 0190achtet aller anwendender mühe, trewe, eiffer, 0191vnd sorgfalt nicht wirt stehen zue reussieren 0192oder nicht, vnd das ein tertius, vnd priuatus, 0193hiscenerum circumstantiis ohne fehl es em- 0194portieren wirt, welchen fals gehorsamst bitte 0195nicht mir oder meinem bruederen noch 0196dem Fürsten zue Heytersheim, sondern den 0197gueten rathgeberen von Nesselrath allein 0198die schuldt zue geben. So viel den herrn Graven 0199von Caunitz anlanget, erstatte vnterthänigsten 0200danckh, das ewer kayserliche Mayestät mir die gnade 0201ausbracht, das er bey mir hatt zuesprechen


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0202dörffen, welches dan vor wenig tagen ge- 0203schehen, und habe ich mich völlig gegen ihme 0204expectorieret, thue mich derowegen kürze 0205halber auff denselben, mit dero gnädigsten 0206erlaubnuß beziehen vnd etc. 0207Ewer kayserlichen Mayestät lasset sich meine herzaller- 0208liebste gemahlin allervnterthänigst befehlen, 0209vnd vnderthänigst bedanckhen vor dero gnädigsten 0210grueß, vnd ich bitte ebenfals mir nicht 0211in vngnaden zue vermerckhen, das ich den 0212bogen abig genohmen, ich bins erst innen 0213worden, wie auff die andere seithe habe an- 0214fangen zueschreiben, vnd ist mir die zeit 0215zue kurz gewesen es vmbzueschreiben. 0216Bitte derentwegen es mir nicht vngnädigst 0217zue vermerckhen. Düsseldorff den 15 decembris 1697. 0218Von 0219ihro churfürstlichen Durchlaucht zue Pfaltz etc. 0220ahn 0221ihre kayserliche Mayestät die Kayserin 0222aygenhändig also abgangen.