Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 28.12.1697
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7
128 decembris 97 2Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr bruder 3Ich hab dero liebsts schreiben vom 20ten dis woll empfangen. 4Dero Liebden derfen sich gahr nit enschuldigen wegen vnterlaßung5des schreiben, ich hoff iah nit, das sie mitt mihr 6wollen cerimoni machen. Bey vns mus alles 7in alter vertrewlichkeit bleiben, also auch wegen 8das sie vnrecht auf das blatt geschriben, auf dise 9weis müest ich woll offt vill excuses machen, 10dan ich die menge solcher lapsus begehen due, 11hoff aber auf dero Liebden gutte, die sie mihr alzeit 12erzeicht, das mihr einander niks übel 13nemmen vndt ohne cermoni bleiben.
141Die Altheimb betreffendt due ich 15mich gegen dero Liebden schönstes bedanken wegen der gene- 16rositet, so sie hierin bewißen, mit disen, hoff ich, 17werd alles woll bleiben, der almechtige sterke 18alle gutte propositi ins werkh zue sezen. Zue 19disen ist kein beßers mittel als allein 20was selbige verhinderen kan 21aus dem weg zue raumen und alle ge- 22legenheiten im gleichen. Ich werd fleisich 23betten laßen, das der almechtige sein gnad dazu 24verleyen vndt das, was mihr alle so hoch verlangen 25vnd so nötig ist, geben wolle. Der Telliers 26ist schon zue Linz gewesen, 27aber wegen vnpäslichkeit wird er zueruckh 28kommen, er ist halt schon zimlich alt. 29Also vermein ich, wan ewer Liebden die instruction 30hier her wolt schiken, nemlich ein 31klein negotium dort in die nacht- 32barschefft etwan auff Parma an vnsere
33schwester oder was dero Liebden vohr gutt befinden, 34darbey aber ein heimblige, daß er 35sich wegen der Princess wohl 36informiren soll, alles vnter 37der handt, sich niks zu verstehn geben mit 38dem Garelli, welcher ohne 39dem hinein wegen seiner gesundheit, 40die sachen combinire 41vndt alles fideliter sans flaterie 42relationire, 43vohrnemlich aber, was die succession 44concerniren duet. Dises alles 45bitt mihr ohne einzigen zeit verlust auf das 46geschwindeste als möglich her zu schiken, den 47Douuen, den mahler, aber gerad 48auff Inspruckh, von dort mit dem 49Telliers zue raysen. Bitt 50noch mahl, kein zeit zu verlirn, dan ich dis schon lengst 51schreiben sollen, aber mit disen leidt ists rukstendig
52bliben. Mein sohn hatt ewer Liebden auch 53selbigs mahl, wie der Tellier 54schon auff Lins wahr, geschriben, 55worauff er mit schmerzen ein ant- 56worth erwarthet, worinnen 57vnmasgeblich ewer Liebden ihm der assistenz 58zur befürderung der sach 59versichern könten, wardurch sie ihn sehr 60obligirn werden. Iezt Osnabrukh betreffendt, 61so will ich den Neßelraht nit deffendiren, wie 62er sey oder was er sey, in disen aber ist er 63so weit vnschuldich, dan er die sach nit auf 64den tapi gebracht, sondern ihr Mayestät, mein Keiser, vndt 65ich selbsten, weil der Deütschmeister schon mit 66andren beneficiis versehen, wahbey er woll bestehen 67kan, auch weder er noch dero Liebden nit gezeigt, es 68weiters zue verlangen, anzi er mihr selber 69versichert, das er es dem Herzoch Carl
70ganz gern gönnen werde, auch diser so vill iünger, 71das auch der religion zum besten lenger wirt 72dem bischtumb können vohrstehen. So seint mihr auf 73ihn gangen, vndt weil eben kein anderer bey 74handen wahre, welchem man dise comission 75hette aufdragen können, vndt der Neßelraht 76gleich hier ware, so hatt man ihms aufgedragen. 77Obs nit etwan ein anderer beßer gemacht 78hette, will ich nit wider schprechen, disen hatt 79man in der eil genommen, vnd nach seiner 80relation stehen die sachen in gutten terminis. Dero Liebden 81glauben nit, das ihr Mayestät vnser haus wolten iemandt 82posponiren, aber mihr haben ein mahl gefunden, 83das vohr vnser haus selbsten beßer es auf 84dise weis ist. Es wurde gahr zu lang 85fallen, alle raisons herüber zu schreiben. Ich bedankh 86mich indeßen gegen dero Liebden, das sie ihres orts auch
87cooperiren wollen vndt bitte, sie wollens fein eficaci- 88ter duen vndt dem Fürst von Heitersheim krefftig 89zue schreiben zue schprechen, so wirt es hoffentlich gehen 90vndt dero Liebden ihnen ein groß meritum bey gott, der reli- 91gion vndt mein Keiser machen, auch die freüntschafft 92zwischen beden heüsern mehr befestigen. Ich zweifl gahr 93nit daran, auch iezt absonderlich, weil die armen 94hern ihr vnuergleichlige fraw mutter verlohren, dero Liebden 95werden auch zu ihrer consolation in disen helfen. Wüntsch 96dero Liebden von herzen zu disen heiligen weinacht feirdagen vnd 97newen iahr alles erdenkliche wollergehn mit villen 98volgenden vnd sterbe 99Bitt mich bey meiner fraw schwegrin zu ent- 100schuldigen, ist heündt vnmöglich, mit negsten 101wirt es geschen. 102dero Liebden 103getrewste schwester 104Eleonora 105Wien den 28ten decembris 1697106Dis memorial hatt mich der Botschet gebetten zu 107reccomendiren, er meritirt woll, das dero Liebden ihm 108genedig sein, ist ein stattliger officir vndt 109hatt sich überall gahr woll vnd rümlich gehalten.








