Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 27.01.1698

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7

Ausfertigungeigenhändig

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127 januarij 98 2Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herz allerliebster herr bruder 3Ich hab dero liebsts schreiben durch den courir vom 13ten dis woll 4empfangen mit allen beylagen vnd expedition vohr den 5Telliers . Dero Liebden derfen sich gahr nit entschuldigen, das sie die 6brif zu gleich beantworthaben, dero Liebden wißen woll, das allein 7mein verlangen ist, das dero Liebden ohne zeremoni mit mier 8sollen bleiben vndt dero gelegenheit nachkommen, 9daraus werd ich erkennen, das ich noch was gilt. 10Bedankh mich zum schonsten vohr die condolenz vndt 11erzeigtes mittleiden whegen absterben der volkommen 12Königin in Polen . Ich glaub woll, das dero Liebden es auch 13werden empfunden haben, dan vnmöglich ist, das


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14wer sie gekendt, sie nicht herzlich beklagen mueß. Basta, die 15welt wahr dis kleinodt nit werd, also hatts gott 16in den himmel versezt. Dero Liebden aber werden dise affec- 17tion, so sie gegen diße vnuergleichlige fraw gehabt, 18gegen ihren kindern continuiren, deßen sie iezt in der osna- 19brukischen sach die beste prob geben können vndt werden. 20Es wehre vnötig geweßen, dem Deütschmeister darüber 21weiters zue schreiben, dan er sich schon gegen mich erklert 22hatt vndt versichert, das er es gahr nit verlange 23vndt dem Herzoch Carl von Lotring von herzen gern gönnen, 24auch, was er wurde können, seine officia anwenden 25wolle. Der Fürst von Heidersheim aber hatt mihr 26so geantwort, das ich mich billich sehr darüber 27verwundert, dan ich glaubt, ihr Mayestät, der Keiser, haben 28ihm so vill gnaden erzeigt vndt könnens ihm 29auch inskönftig erzeigen, das er in diser sach 30ihr Mayestät nit solte aus handen gehen. Es ist woll 31lächerlich sein entschuldigung, die ist gutt kindern 32vndt nit gescheiden leüten vohrzuesagen. Man hatt


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33nit von ihm begert, das er soll verschprechen vohr seine 34vettern, sondern das er sie soll disponiren vndt persuadiren, 35weill gahr woll bewust, das sie völlich von ihm 36dependirn vndt woll niks anders duen werden, als was er 37ihnen wirt rahten, vndt das, wan sie in dißen passu 38sich wider ihr Mayestät intention zeigen wurden, es mehr 39dem Fürsten als ihnen zue zue schreiben wurde sein, er auch 40den meisten dankh oder vndankh, je nachdem wie die sach aus- 41schlagen wirt, daruon dragen wirt. Also bitte, dero Liebden wollen 42ihm nachmahlen rechtschaffen zue reden, so wirt 43er dero Liebden nit aus handen gehen. Ich hab kein bedenken, das 44dero Liebden ihm dis mein schreiben in hoc punctu sehen laßen. 45Bitte auch, dero Liebden wollen ihres orts das ihrige beydragen, 46dan ich gahr woll weiß, das, wan dero Liebden efficaciter werden 47wollen, vill seindt, die inen zuegefallen darzu helfen 48werden. Dero Liebden wollen das best der religion vohr augen 49haben, dan wie iünger der sein wirt, der zu disen 50bistumb gelangt, ie lenger bleibts in catolisch 51henden, und kein iüngers subiectum ist einmahl 52nit noch als diser herr . Es ist zwar war,


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53das die iungen auch können sterben, aber man mus 54dise sachen dem natürligen lauf nach nemmen 55vndt hoffen, weil es zue der religion besten, 56der liebe gott werde sein gnad verleyen vndt 57ihm langes leben verleien. Ich weis, wan dero Liebden den 58herren recht kenneten, sie wurden alles vohr in duen, 59dan er gewißlich ein, derfet schier sagen, heiliger 60herr ist, der seiner eltern dugenten auf alle 61weiß nachfolget. Vndt dorten absonderlich ist 62notwendig ein exemplarischer bischoff, der durch 63sein guettes exempel die vncatolischen auferbauen 64vndt die cattolischen fram zue leben anfrische. 65Ich verlaß mich genzlich auf dero Liebden, das sie dis 66gott gefällige werkh werden helfen zue glükhligen ende 67bringen, amen. Die heßische sach werd bestens rec- 68comendiren, der Cauniz ist ohne dem in dießer 69sach gahr woll intentionirt, also wirt geschen, 70was möglich ist. Des Telliers expedition 71ist auf das beste eingericht vndt


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72wirt er heündt sein abgereist. Allein wehre gutt, 73wan dero Liebden ihm einigs negotium an Florenz möchten 74auf dragen, deren sie leicht was finden können, das ein 75schein hatt, damit er nit so gahr mit lehren 76complimenten aufzihe vnd an einen ord vohrgebe, 77das er am andern ein negotium, vndt hernach 78gahr niks heraus komme, welches doch nit 79verborgen bleiben kan. Dero Liebden wollen ihm die expedition 80grad auf Florenz schiken, dan weil er erst auf 81Parma vndt Modena geht, so wirts noch 82schon zue recht kommen, bis er nach Florenz 83kommen wirt. In übrigen erfrewet mich von 84herzen dero Liebden stanthafftichkeit in gutten vohrnemmen, 85wan sie das eine halten, occasionem fuge, vndt 86nuhr mit erligen gutten leüten ihren hoff anfüllen, 87die übrige weit daruon halten, wirt das 88andere leicht sein vndt der liebe gott dero Liebden mit 89zeitligen vndt ewigen glükh vndt segen überheüfen.


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90In höchsten vertrawen, in Schleßien stehn die sachen sehr 91übel, welches mich bis in doht bedrübet, vnd 92mues ich solche sachen hören, die mihr das herz 93abdruken. Dero Liebden wollen noch neben ihren gutten exempl 94ihnen zue reden, mihr werden sonst die straff gottes 95zue förchten haben. Ich hab den Pater Waßenhoffen laßen 96her kommen, ihme alles comunicirt, was ich 97mit meiner höchsten mortiffication hab hören müeßen 98vndt noch alle dag höre, ihme comission geben, 99in meinen nahmen ihnen scharf zue zue reden. Man 100mueß halt gedenken, bruder Carl zu verheiraten, 101sonst wirt kein beßerung zue hoffen sein. Dero Liebden 102wollen doch darauf bedacht sein, dan es zue ehr 103gottes, des hauß fachtzeit besten vndt zue seiner 104sehlen heil höchst vonöten ist, vndt wan der Deütsch 105Meister ihn vnd den Forstmeister, der auf alle 106weiß wekh zu bringen, nit mehr bey sich haben 107wirt, so hoff ich, soll es dort auch beßer 108gehen. Diser leztere verlanget ins feldt zu


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109gehen dise campagne, welches ich glaub ihr Mayestät 110ihm erlauben werden, wan er wegen des Oberambts 111niks versaumbt. Der andere kan mit reputation 112nit gehen, weil gahr der Stirheim nit will vnter den 113Prinz Eugen stehen, also bruder Carl wehniger, weil diser 114ihnen ist vohrgezogen worden, gott wolle alles zum 115besten schiken. Welches von herzen wüntschet die ienig, 116so sterben wirt 117dero Liebden 118getrewste schwester 119Eleonora 120Wien den 27ten jener 1698