Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 25.01.1698
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7
Dankt für EMTs Weihnachtswünsche. – Ist erfreut, dass König Joseph I. sich über JWs Schreiben gefreut hat und hofft, dass auch das letztere gut angekommen ist. – Die verlangte Sendung an den Telliers ist unterwegs und der Douven ist bereits nach Innsbruck abgereist. – Ist betrübt, dass das Kaiserpaar seine friedliche Inbesitznahme von (Teilen des Fürstentums Pfalz-)Veldenz so ungnädig aufnimmt; er kommt damit nur einer unberechtigten Übernahme durch Pfalz-Birkenfeld und Pfalz-Sulzbach zuvor und hat damit auch im Sinne der kaiserlichen Position gegenüber Frankreich und zum Besten der katholischen Religion gehandelt. EMT möge mehr Mitleiden mit ihrem Kurhaus, das für seine Kaisertreue so viel hat leiden müssen, als mit den Pfalzgrafen von Birkenfeld und Sulzbach haben. – Bittet nochmals um Protektion der westerwäldischen, wetterauischen und oberrheinischen Stände gegen den Landgrafen von Hessen-Kassel .
0001copia 25 junii1 980002Allerdurchleuchtigste etc. 0003Ewer kayserlichen Mayestät allergnädigstes handtbriefflein 0004vom 15 dieses sambt dem gnädigst angelangtem 0005eigenhändigem postscriptum habe ich mit schuldigst 0006tieffistem respect zue recht vnderthänigst er- 0007halten, vnd daraus zue meiner höchsten vnderthänigsten 0008consolation ersehen, mit was gnädigkeit 0009dieselbe, meine so wohl meinenden wunsch 0010zue denen heyligen weynacht ferién, vnd numehro 0011angetrettenem newen jahr, allergnädigst an- vnd 0012auffgenohmen, auch mir allergnädigst wündtschen, 0013vor welches ich dann allervnderthänigst danckh er- 0014statte, vnd umb die beständige continuation ein- 0015ständigst vnd fueßfälligst bitte, welche ich mit 0016meinen trewisten diensten bestmögligst zue de- 0017merieren, mir eusseristen fleiß nach angelegen 0018sein lassen werde. Waß ich sonsten für eine 0019vnaussprechliche frewde gehabt, zue vernehmen, 0020das mein ersterer hinabgeschickter courier, nicht 0021allein meine vnderthänigste schreiben zue recht 0022überlieferet, sondern auch ihro Mayestät mein allergnädigster 0023König ein gnädigstes vergnüegen darab ge- 0024schöpffet, kan ich vnmöglich beschreiben, vnd hoffe ich,
0025mein lezteres, werde nicht weniger beyder seits 0026ewer ewer kayserliche kayserliche Mayestät Mayestät als auch ihro Mayestät mein- 0027em allergnädigsten König zue recht überlieferet worden 0028sein, vnd seine königliche Mayestät nicht weniger allergnädigsten 0029contento geschöpffet haben, als ab dem jezt- 0030obengemeltem, wolte gott! das ich so glücklich 0031wehre, vnd so viel kräfften hette, deroselben aller- 0032seits auch mit verlust meines lebens, bis auff 0033den lezteren bluetstropffen ersprießliche- und nuz- 0034liche diensten leisten zue können vnd bin ich ad in- 0035terim deroselben ferneren allergnädigsten befelch in 0036dem hohem heyratswerckh vmb demehr aller 0037vnterthänigst gewärtig, als die gnädigst verlan0038gte dispacci vor den Telliers nicht allein0039albereits deroselben underthänigst zue0040geschickt worden, sonderen der Douven auch0041wurcklich schon vier von hier per posta0042auff Inspruckh abgereiset ist, also das 0043ich nichts hierinnfals übrig habe, als ferners zue 0044erwarthen, was ewer kayserliche Mayestät wirt allergnädigst 0045gefällig sein mir auffzuegeben, deme ich dann 0046mit allem gehorsamb, vnd punctualiter gehor- 0047sambst nachzueleben nicht ermanglen werde. 0048So viel das veldensische successions werckh
0049vnd meine aldorthen ganz quierè vnd nicht vio- 0050lenter glücklich genohmmene possession betrifft, 0051betrüebet mich zwahren in der seelen, daß beyder- 0052seits ewer kayserlichen Mayestät mir selbe auff all zue hiziges 0053vnd mildes anbringen meiner gegen partie 0054so vngnädigst auffnehmen. Ich halte mich aber 0055allervnterthänigst versichert, das wann ewer kayserliche 0056Mayestetten erstlich, nebengehendes guetachten 0057so mir gegeben worden allergnädigst lesen, auch deme- 0058negst sich recht vnparthyisch von sachen werden 0059informieren lassen, dieselbe in der that selbsten 0060finden werden, das ich nicht allein einige geringste 0061violenta consilia von jemanden bekommen, weder 0062auch einige violenz gebrauchet, sonderen nur 0063das jeniges vorgestellet, vnd quiétissimè 0064was ein jeder priuatus, vnd sogar vnterthan 0065sine ullam lesione superioris jurisdictionis sui 0066proprii domini territorialis zue thuen höchstens 0067befuegt ist, der ich hoffentlich nicht solcher con- 0068ditionis, will geschweigen deterioris sein werde, 0069oder werde wollen geachtet werden, absonderlich 0070wohe zuemahlen alles guetwillig sine ullae vel 0071minimae oppositione, et contradictione, vnd zue 0072dem ende, wie hier würckhlich geschehen, geschiehet,
0073damit man nicht von Birckhenfeldt vnd Sulzbach 0074mit begleitung 40 abgedanckhter franzosen (dahe 0075dieselbe schon vorhin ihren recursum, cum summa 0076et praejuditissimae praetensione caesaris et imperii 0077zue der außwehrtigen cron Franckreich vnuer- 0078antworthlicher weyse genohmen) vorgekommen 0079würde. Hoffe also ewer kayserliche Mayestetten werden 0080mir dises so innocentes, vnd nicht allein keineswegs 0081dero höchstem munéris zue wider stehendes, sonderen 0082selbiges vielmehr befästigendes vnd cum summae 0083pace, auch mit allgemeinem frohelocken der da- 0084selbstigen armverlassenen, absonderlich aber der 0085catholischen vnderthanen factam possessorium 0086vmbdemehr allergnädigst genehm halten, vnd appro- 0087bieren, als ich sub auspiciis meines allergnädigsten 0088Kaysers und herrens gethan, auch vnserer allein 0089seelig machender religion dadurch kein geringes 0090vortheil zue geworffen. Bitte dahero ganz vnderthänigst, 0091vnd nehme meine ganze zueflucht zue 0092beyderseits ewer kayserlichen Mayestät dieselbe allergnädigst 0093geruhen wollen, mir dero mächtigste handt 0094vnd protéction, vmbdemehr hierin zue ver- 0095leyen, als ich jahe nur zue dem ende, vnd in 0096dem fall deroselben allergnädigstes sequéstrum
0097in obgemelten landen, allervnderthänigst im- 0098plorieret, wann ich nicht mit solchen uniuérsal 0099frewde der vnderthanen, vnd so quiéte hette pos- 0100session ergreiffen, sondern zuesehen miessen, das 0101die cron Franckhreich (wie vnfehlbar geschehen 0102wehre) den König in Schweden in obgemelter 0103landen possession gesezet, oder auch ich die Pfalz- 0104graffen von Sulzbach vnd Birckhenfeldt nicht 0105hette aus ihrer widerrechtlicher possession 0106bringen, vnd vielleicht die sachen zue grossen weith- 0107läuffigkeiten dadurch bringen können und müssen. 0108Nunmehro aber heisset es Beati possidentes 0109vnd hoffe ich ewer kayserliche Mayestät vnd hoffe ich ewer 0110kayserliche Mayestät Mayestät werden darab, kein vngnädigstes 0111mißfallen tragen, sondern mirs, als der ich alles 0112waß in meinen kräfften vnd macht ist, mit frewden 0113zue deroselben vnd dero glorreichisten erz- 0114hauses dienste ist, sacrificiere, vnd auffopfere 0115gerne vor allen anderen absonderlich auch 0116propter extensionem cultus nostrae ortho- 0117doxae religionis, gönnen, in welcher hoffnung 0118ich mich zue deroselben beharrlichen höchsten 0119kayserlichen hulden vnd gnaden etc. Düsseldorff den 25 januarii 98. 0120verte
0121Ich bitte ewer kayserliche Mayestät nur vnderthänigst sich des 0122Pfalzgraffen zue Sulzbach und Birckenfeldt 0123so starckh nicht erbarmen zue lassen, das er dero 0124aygenem chur hause vnwiderbringlich vnd solcher 0125gestalten, wie dises praejudiciere, sonderen sich 0126auch vnd vmb so mehr über selbiges ein recht- 0127schaffenes mitleyden tragen, als es wegen deß 0128glorwürdigsten erzhaußes vnd zue selbigem 0129tragendes vnueränderliges attaccamento 0130so vnaußsprechlich hatt leiden miessen, dauon 0131die über einen hauffen liegende so ansehentliche 0132stätte, schlösser, und dörffer gnuegsamb zeug- 0133nuß geben. 0134Postscriptum 0135Bitte ich nochmahlens ewer kayserliche Mayestät allervnterthänigst, 0136das, ohnerachtet entlich vor vnge- 0137fähr 8 oder 10 tägen dem zueverlässigem 0138bericht nach, der herr Landtgraff zue Hessen 0139Cassell, auff den lezteren scharpffen kayserlichen 0140befelch, nachdeme er zue forderist die stände 0141auff dem Westerwaldt, Wetteraw, vnd oberem 0142Rhein ganz und zuemahlen sans resource recht 0143muethwilliger vnd vorsezliger vnuerantworthliger
0144weise zue grundt, und boden ruinieret, 0145abgezogen, ewer kayserliche Mayestät dero recht mütterlich 0146bishero bezeigte allergnädigste protection obge- 0147melten ständen, zue stewerung der lieben justiz 0148und acquirierung vnsterblichen nahmens, 0149gloire vnd attaccamento, allergnädigst leisten 0150wollen auff das der Landtgraff zue billig- 0151messiger totalen restitution des verüebten 0152schadens angehalten werde. Ewer kayserliche Mayestät 0153erwerben sich hierdurch sich eine doppelt- 0154fache kron im himmel, vnd machen sich 0155lauter vnderthänigst vnueränderliche creaturen, 0156nicht allein an gemelten ständen, sondern 0157auch am ganzen Reich vnd allen derselben 0158ständen, vnd ich ersterbe. 0159Ahn 0160ihre Mayestät die römische Kayserin 0161von 0162ihro churfürstlichen Durchlaucht aygenhändig 0163also abgangen.







