Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Favorita am 16.08.1698
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7
116 august 1698 2Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerlibster 3herr bruder. Ich hab dero bede liebste schreiben vom 49ten vndt 19ten passato woll empfangen. Das erste 5betreffent haben ihr Mayestät schon alle anordung gedahn, 6das, wohfern Sankt Goar noch nit euacuirt, solches 7doch mit ehisten geschen solle. Das ander der volker 8vndt subsidien halber wirt mit nechstem vohr- 9genommen vndt der Violet expedirt werden. Man 10wirt duen, was man kan, allen geht es überall schper 11her. Das heiratspunt hat dero Liebden leztes s 12chreiben einen guten vohrschub ge 13ben, dan man hier sporgirt hatt, Frankrei 14ch pussir es. Die historien dauon 15wehren gahr zue lang zu schreiben, basta.
16Gottlob, das dero Liebden gezeigt, das es nit war ist. Ich kan 17dero Liebden ist genuechsamb sagen, was vohr geschwäz und 18calumnien passirt sein, wie ich schon das vohrige 19mahl etwas daruon tockirt hab, aber got bes 20chüzt die seinigen, und ich hof 21zu got, Tiberius in diser materi bal 22t was gutes schreiben zu könen, dan 23die sach in gute stant ist. Bitt, 24dero Liebden wollen es in secreto halten, dan 25mein suhn es noch nit weis, 26hof aber balt. Wan es vor der zeit 27auskäm, möcht es alles wider schlim machen. 28Ich hab disen brief mit dem curir schiken wollen, 29weil ich aber selbigs mahl nit möglich zeit 30gehabt zu schreiben, auch der cuhrir nit lenger 31hatt warten wollen, sondern wekh ist, so bin gezwungen 32worden, es bis zue heüntigen post zu verschiben. 33Bitt, mein lieben fraw schwegrin vill schöns von mihr 34aus zu richten vndt bitt, sie woll mich in ihrer 35liben gedechtnus erhalten. Gott geb dero Liebden bestendichkeit 36in allen gutten vohrnemen, vmb welches ich eifrich 37bitten due. In Spanien gen die




