Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Favorita am 20.07.1701
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/8
1Durchleuchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Auf dero liebst schreiben wehr mihr heüt vnmüglig 3zu antworten, weilen mihr gleich ausgehen auf ein 4iagen. So vill nuhr hab wolen berichten, das dero Liebden woll könen, 5wan sie wolen, ihr Mayestät danken wegen der Molar vnd Lamberg, wie woll 6ihr Mayestät es in ansehen dero Liebden gahr gern dahn vnd wegen solcher bagatell 7nit vill dankhs werd. Ihr Mayestät, mein Keiser, vnd ich verlangen 8in allen zue zeigen die lib zu dero Liebden. Ich bitt vmb vergebung, 9das negst das muster von golt vergeßen, habs drumb heüt 10dem Wißer geschikt, das nit wider vergeßen soll. 11Sach schuldigen dankh vohr die nahnadel, ist zu 12wehnig zu ein muster, wan ich so alt als Matusalem 13wurd vnd fleisich nähete, könt sie nit verbrauchen. 14Sonst seint die er woll ein wehnig eng, aber bitt 15vmb gots will, nit ein solche meng zu schiken, nuhr ein
16klein poidel zum muster. Ich bin recht erschroken vohr so 17vill, mein Keiser sacht, wans wie pfeil scheßt, wurt erger als 18Sankt Sebastian sein. Wan dero Liebden auch aber nuhr ein klein papirl 19von kleine ganz kurze zum krüzel stich wollen schiken, wirts mihr 20ein gnade sein. Lebe vnd sterb 21dero Liebden 22getrewste schwester 23Eleonora 24Fauorita den 20ten julij 170125Der Wißer wirt balt abgefertigt werden, auf den 26mich bezie wegen aller negotien. Bedankh mich 27vohr den liben fils, will schon ins könftig fleisiger 28sein. Die gutte zeitung aus Italien werden dero Liebden vernomen 29haben, wie woll es nit ein großer sach ist, 30doch ein gutter anfang, gott geb witers sein 31gnad . Vmb den armen Tirheim ist woll schad. Bitt 32vnerhört vill schöns meiner libsten fraw schwegrin zu sagen.


