Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 24.12.1701

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/8

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Mitt der gelegenheit dißes zuruckhgehenden courirs hab ich 3nit vnterlaßen wollen, dero bede liebste schreiben vom 27ten 4passato vnd 8ten dis zue beantworten. Der curir wer 5ehnder despescirt worden, wan nit ihr Mayestät, mein Keiser, wider 6ein pardag die schmerzen von grieß gehabt, welche aber 7iezunder gottlob vollig auf gehort. Vndt verhoffe 8ich desto ehender, das es ein bestandt haben werde, weilen 9heündt nachmittag ein steinel wekh gangen, schier wie 10ein kleine linsen, mit dem, hoff ich, werde das übel 11ein mahl aus dem leib sein, welches der almechtig 12gnädig verleyen wolle, amen. Was anbelangt, das 13mein sohn, der König, die könftige campagne


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14duen solle, seindt zwarn ville rationes pro et contra, 15danoch finde ich, das ihr Mayestät darzu inclinirn, werden auch mit 16eben dißer gelegenheit dem herrn Margraf Liebden darüber zueschreiben. 17Wan dises solte resoluirt werden, wurde woll höchst nötig 18sein, das der Margraf ein postrit herunter dähte, vmb 19alle sachen mitt ihme zu aiustiren, dan es last sich 20in einer stundt mehr reden, als in 8 dagen schreiben, weiln 21die brif nit reden vnd antworten können. Im übrigen seindt 22ihr Mayestät, mein Keiser, sehr eifrich, das alle veranstaltung 23gemacht werde vndt dem Margraven in allen nach 24seinen verlangen möglist an die handt zue gehen, 25damit ein gloriose campagne erfolgen möchte. Zu 26welchem das vohrnemste verhelfen wurde, wan man 27zu Regenschpurg auswürken kunte, das Frankreich vohr 28ein feindt des Reichs, wie billigst, erklärt wurde, doch 29halten sie sich mit den calen cerimonialien auf, 30wie dan der Cardinal deswegen auch dort wider wekh ist. 31Mit dem richt man in keiner sachen niks, ein mahl 32ist izt nit zeit, mit dem Papsten zu disputirn, 33das hiran alles ligt, gott wolle als zum besten schiken.


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34Wegen meiner schwester von Parma, hatt sie mihr geschriben, das sie 35vermeint, derzeit were es beßer, die verenderung noch etwas 36zu verschieben wegen vnterschildligen vhrsachen, die sie villeicht dero Liebden selbst 37wirt geschriben haben, also wehr vnmasgeblich herin noch etwas 38zu warten. Den Ansalone wolten ihr Mayestät zwar gern balt despechiren, 39ich förchte aber, weil dero Liebden gemelt, das er so gutt den Bonzon 40in comedia macht, es möchte villeicht ihr Mayestät ein lust 41ankommen, ihn disen fasching recitiren zu sehen. 42Ich zweifel nit, in sollichen vall wurden dero Liebden es ihme 43erlauben, doch weis ichs noch nit gewiß, werds aber 44mit nechster post dero Liebden berichten können. Die 45minora antimoni seindt schon verhanden, wan er noch nit 46so balt gehn solte, werds mit einer andern gelegenheit 47schiken. Wegen des golt hab wider schreiben laßen, man bekumt 48es gahr schwehr, doch werde allen fleis anwenden laßen, 49es zuesammen zu bringen. Vohr die überschikte 50nadlen due mich zum schönsten bedanken, seint woll 51herzich vnd schön, gahr gutt zu der arbeit, vnd 52bin ich auf mein lebtag mit nadlen versehn. 53Due mich schonstes bedanken, wan dero Liebden wider mit


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54was dienen kan, wirts mein große freüdt sein. Der fraw Kezchen brif 55kombt hirbey zurukh, es wirt woll gutt sein, wan dero Liebden die 56geweste nunen so versorgen, das sie keine tentation mehr 57haben, ihr Durchlaucht mama zu beheligen. Was schwester Lischen anbelangt, 58wans der Prinz nit gern sicht vndt ihr Durchlaucht mama selbst 59nit so hoch verlangt, wie aus den brief zu ersehen, so wehre 60es woll beßer, wan es vnter der handt könte verhindert 61werden. Die alte Sara, mein ich, wirt den antekrist 62heruohr brengen, ich glaubs nit, das sie schwanger 63ist, bis sie niderkombt, aber wan man mit dißer 64oder andren occasion könte ein andre gescheide dame 65zu ihr brengen, wie ich dero Liebden schon einmahl geschriben, wehr 66es woll sehr gut, aus villen vhrsachen, die sich nit 67alle schreiben laßen, dero Liebden werden schon wißen die sach zu 68dirigirn, das zum besten anschlagt. Wegen vnser schwegrin, 69so könen dero Liebden versichert sein, das ihr Mayestät sehr eifrich, 70das dise sach möchte beygelegt werden mochte. Es 71wirt wegen ihr Mayestät dienst dise dag der Grav Kinski auf 72etlich wehnige dag her kommen, sowerdens ihr Mayestät ihm aufdragen 73vnd auch den Sternberg schiken, damit die comißion möge


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74möge geschen vndt die sach in der stille güttlig 75beygelegt werden. Den Papsten haben ihr Mayestät schon versichern laßen, 76das kein winterquartir soll haben, ihr Mayestät werden aber auch 77in dero Liebden schreiben meldung daruon duen, welches dero Liebden ihr Heiligkeit 78comuniciren könen. Den Leander werd ihr Mayestät bestens re- 79comendirn. Es es haben ihr Mayestät auch mit dißen courir 80den Herzogen zu Saxen, Bischof von Rab, 4000 gulden vbermachen wollen, 81welche hier dem Perseus schon erlegt seint worden. Ich hab 82glaubt, es werd dero Liebden gelegen sein, wan der Wißer hero 83kombt, wirt er filleicht gelt brauchen, so wirt es 84hie finden, dan der Perseus es bis auf dero Liebden weitere 85verordnung aufheben wirt, also bitte dero Liebden, solche 4000 gulden 86dem Herzochen gleich erlegen zue laßen, dero Liebden werden ihr Mayestät 87darmit obligirn. Mit disen due mich dero Liebden befehlen 88vnd werde sterben 89dero Liebden 90getrewste schwester 91Eleonora 92Wien den 24ten decembris 170193Wie der Perseus disen brif geschriben, hatt er das 94gelt noch nit gehabt, iezt aber ists schon erlegt.


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95Auch due ich hirmit zu des heiligen weinacht feirdagen 96vndt newen iahr dero Liebden alle selbst erwünste glükh- 97sehlichkeit von grundt meins herzen anwüntschen mit 98vnzalbaren villen volgenden, vndt dass das liebe gottlige 99kindt dero Liebden vohr allen gefahren vndt vnheil gnädig 100beware, amen.