Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 06.12.1702

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/8

Ausfertigungeigenhändig

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16 decembris 1702 2Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 3Ich verhoffe, dero Liebden werden sich in gutten wolstandt 4befinden. Ich mus mich auch entschuldigen, das so 5lang nit geschrieben, hab mit des Heiligen Xaueri 6aufpuz vill zu dun gehabt, auch ein 7patienti, mein Maria Annl hatt die blattern, 8ist heündt aber gottlob schon der 12 dag vndt 9befindt sich so gutt als es sein kann, hatt 10zimlich vill, ob sie keine masen wirt kriegen, 11steht zu erwarten. Ich kan mihr nit gedenken, 12warumb von dero Liebden kein anwort bekommb 13wegen Mutter Annamad, was zu duen sey, dan mich 14dunkt, so stehn die sachen nit guett. Ich vernehme


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15auch aus dero Liebden schreiben, das sie dero Beichtuatter 16licencirt haben. Weil ich die vhrsach nit weis, 17so kan niks darzue sagen, das aber mues 18ich woll mein fürwiz bekennen, das ich gern 19die vhrsach möcht wißen, habe gehofft, es von 20Wiser zu erfahren, von welchen ich aber leider höre, 21das er gestorben sey, so mihr gahr leidt. Dero Liebden 22werden mihr disen vohrwiz nit übel nemmen, 23dan ich mueß bekennen, das, weil ich dero Liebden so herzlich 24liebe, ich so vill sorg vohr die sehl als den leib 25habe vndt iah gahr nit hoffen will, das man 26wider in die alten schprüng komen vndt von dem 27gutten weg, warauf sie hie wahrn, mit des Pater Graz 28hülf, werden wollen obweichen, dan einmahl offt 29den beichtuatter wexlen ist der sehlen kein 30vortel. Ich bitte dero Liebden vmb gottes willen, weilen 31es doch schon geschen, sie nemmen doch einen gelerten 32vndt gescheiden man vnd nit nach inclination,


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33sondern informiren sich recht bey den superioribus, 34welche die leut zumb besten kennen, den daran ligt 35ihr heil des leibs vndt der sehlen. Dero Liebden bitte ich, 36mihr dise vermeßenheit nit übel zu nemmen, 37das ich mich vntersteh dis zu schreiben, ich wolte, das 38sie mein herz könten sehen, wie es mit lieb vohr 39sie angefült, ich weis gewis, sie dehten meinen guten 40raht annemmen. Im übrigen hab ich ein comission, 41die ich nit gahr gern ausricht, weil es villeicht 42dero Liebden nit gelegen vndt weil es zu mein geburz 43dag gehört. Weil mihrs aber mein Keiser befohlen, 44so richte es aus vndt hoffe, dero Liebden werden es nit 45abschlagen. Vergangen fasching, wie der Ansalone 46hier wahr, hatt er sollen ein parte in einer 47comedi machen, so ist der poet krankh worden 48vnd die opera nit ausgemacht. Iezt woltens 49ihr Mayestät zu mein geburzdag halten laßen, das heist zu 50mein geburzdag etlige wochen darnach, vndt


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51weiln der Ansalone den parte hette machen sollen, 52auch ihr Mayestät keinen andren haben, so eben zu 53disen part dauglich were, so verlangen sie 54gahr hoch, das dero Liebden möchten den Ansalone er- 55lauben her zu kommen, so balt als möglich, 56man wirt es so lang verschieben. Ich zweifl 57nit, weil dero Liebden allezeit ihr Mayestät, mein Keiser, sein 58gusto suchen zu secondiren vnd das ohne seiner 59die comedi nit so kundt gehalten werden, dero Liebden werden 60ihr Mayestät den schpas nit wollen verderben, sondern den Ansa- 61lone auf das baldist schiken, daruon, weil 62es meins Keiser gusto betrift, ich auch dero Liebden 63obligation haben werde, die ich lebe vndt sterbe 64dero Liebden 65getrewste schwester 66Eleonora 67Wien den 6ten decembris 1702