Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 18.01.1707

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/9

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Curfurst, mein herzallerliebster herr bruder 2Ewer Liebden liebste schreiben vom 9ten, 26ten passato, 7ten diß, deren eins 3duch den Graven Sinzendorf, das lezte mit dem courir, hab 4mit großen trost empfangen, in deme ich daraus 5ersehen, in was gutten terminis die wolfenbüttelsche sach stehet. 6Hatt mich aber nit wehnig mortifficirt, zu vernemmen 7das vnbesonnene reden des Sinzerling, welches mihr auch 8der Grav Sinzendorf mit mehren erzehlet hatt. Ich hab es 9nit vnterlaßen, meinen sohn zu berichten, vndt bin 10versichert, das er ihms gahr nit gutt heißen werde, 11in deme es ganz clar, das er alles dis nuhr aus sein 12kopf heruohr bringe vnd vnterwegs villeicht in Italien 13ihm erst die sach eingereimbt worden vndt das mein sohn 14gahr niks daruon weis, in dem eben das schreiben, so er 15Sinzerling an mich von mein sohn mittgebracht hatt 16vnd ich dero Liebden die particularia von communicirt habe, 17ganz das widerschpill in sich haltet vndt gleichfals, 18wie mihr dero Liebden schreiben, das er dero Liebden auch gleichförmich


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19als wie an mich geschriben hatt. Es wehr mihr woll lieb, wan 20dero Liebden auch, was dise materi betrifft, aus dero brif zue 21extrahirn vndt mihr zu überschiken ließen. Ich bin dero Liebden höchst obligirt, 22das sie dem Herzoch zuegeschriben, ihme die schwehrmüetige 23gedanken, so der vngereimte Zinzerling veruhrsachet hatt, zu benemen, 24vndt hoffe dauon gutten effect vndt das ihr Liebden, der Herzoch, 25sich resoluiren werde, die liebste Prinzeß hier her zu schiken, in 26dem sie des Keisers, meins geliebsten herrn sohns, vnd der Keiserin Liebden protection 27sich versicheren können, vndt das ich nichts mehres verlange 28vndt alles anwenden werde, damit dises große werkh balt 29zu einen glükhligen schluß kommen möge. Auch der Keiser Mayestät 30versichert, das wan, dah gott vohr sey, ein incidens gesche, das aus 31der heirat niks werden könte, die Prinzesin nach ihren hochen standt 32zue versorgen in allem, wie es die Keiserin Liebden selbsten durch 33den Imhoff an den Herzogen schreibt vndt versichert. Also 34wollen dero Liebden cooperiren, das die Prinzessin balt möge hir her 35kommen, dan es in Schpanien einen gahr gutten effect 36machen wirt, wan sie einige zeit vnter vns catolische 37hier sein wirt, eh die heirat offentlich declarirt 38werde. Das schreiben, so mihr dero Liebden eingeschloßen, war nit 39von Herzoch, sondern von der Prinzesin, auf welches die


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40antwort herbey kombt. Laße in deßen durch fromme sehlen 41instendig den lieben gott bitten, dises werkh zu seiner hochsten 42ehr vndt allerseits sehlen heil zue dirigiren. Due mich auch 43gegen dero Liebden schönsten bedankhen vmb den gutten wuntsch zu meinen 44geburzdag. Mein greste vergnügen wirt sein vill gelegenheit, 45dero Liebden meine bestendige affection zu zeigen. Es freüdt mich, das 46dero Lieden mit dem Graven Sinzendorf woll zufriden seindt, ich hab allzeit große 47deuotion vohr dero Liebden an ihm geschpürdt vnd zweifel nit, er werde 48also continuiren. Die munstrische sach betreffendt, kan ich dero Liebden nit 49bergen, das man von Rohm aus noch bestendig schreibt, das 50der Fede noch bestendig gegen den Herzoch von Lottring negotire aus 51befehl des Großherzoch auf dero Liebden anleitung, vndt, fals die sach 52nit woll auschlagen solte, zue Rohm selbsten es dero Liebden 53meistens zuegeschrieben wirt, welches mihr gahr leidt, in dem 54ich besorge, es einiges mistrawen schwischen beden heüßern 55veruhrsachen werde, welches bedlen vnd dem publico 56höchst schädlich währe vndt mihr höchst schmerzlich fallen 57wurde. Was die Obre Pfalz anbelangt, können dero Liebden versichert 58sein, das ich mit freüden möglist cooperiren werde. Sehr 59leidt ist mihr, das der König in Schweden wegen eins gewißen 60schreiben, so dero Liebden an ihm abgehen laßen, ser digustirt ist, wie auch 61sehr ressentirt, das dero Liebden ihre troupen in dem Zwejbrükischen


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62so übel hausen. Also hab es dero Liebden berichten wollen, damit sie beyzeiten 63remediren vnd nit ein großes übel daraus entstehen möchte. 64Man mueß den heren auf alleweis coultiuiren, damit man ihn 65mit gutten widerumb aus dem Reich brengen möge. Mit 66disen due ich mich in dero affection befehlen vnd werde sterben 67dero Liebden 68getrewste schwester 69Eleonora 70Wien den 18ten jener 170771Postscriptum Die fraw von Frenz olim Verk hatt mich wider so gebetten, ihr precess 72dero Liebden zu reccomendiren, das ein mahl zum end kommen möge, 73die patres carmelitter gleichfals von Heidelberg wegen wider 74erbawung einer kirchen, also habs hirmit bestens ablegen 75wollen.