Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 16.02.1707

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/9

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Dero liebste schreiben vom 4ten dis haben mich sehr erfreüdt, 3daraus so woll dero gutten wolstandt als auch die reso- 4lution des Herzogen zu Wolfenbüttel Liebden, die liebste Prinzeßin 5hirher abreisen zu laßen, vernommen, wie man dan 6hier dazue alle anstalten machen duet. Der Grav 7Joseph von Pahr vndt der Keisrin, meiner gelibsten fraw dochter 8Mayestät Liebden, Freile Hoffmeistrin so balt möglich werden abgeschikt 9werden, selbige abzueholen. Mein sohn, von dem ich woll 10mit verlangen die erwüntschte resolution däglich 11erwarte, wie auch der Keiser vndt das ganze haus wirt 12dero Liebden ewich obligirt sein vohr alles, was sie zu disen 13großen werkh haben cooperiren wollen. Was den 14Fede anbelangt, haben dero Lieben schon vnterschidlige information 15bekommen nit allein in der münstrischen sache, sondern auch 16noch vohrhero, auch gahr bey meins Keiser sehlig zeiten, 17seines comportements halben. Im übrigen, was


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18nit endren kan, mus ich gott heimstellen, der wirt hoffentlich 19dero Liebden schon zu seiner zeit, wüntsche nuhr nit alzue schpaht, die 20warheit zu erkennen geben. Wegen Schweden werden dero Liebden vom 21Wißer ausfürlich vernemmen, wie die sachen steht vndt 22was durch den Piper an den Sinzendorf disfals gebracht 23vnd hierher bericht worden. Dero Liebden duen gahr woll, das sie 24auf alle weis alles anwenden, disen iungen vndt feürfollen 25herz zue apaisiren vnndt allen pretext zue benemmen, einige 26vnruh im Reich anzuefangen, welches iezt ein greüligs 27contratempo währe. Wegen der contributionen in Italien 28werden dero Liebden selbsten leichtlich erkennen, das die trouppen 29vom lufft nit leben können. Das können dero Liebden aber 30woll versichert sein, das alzeit vohr ihr Heiligkeit vnd den 31Grosherzoch aller esguard gemacht wirt werden, so vill 32es möglich vndt die noht es zuelaßen wirt. Dero Liebden 33wirt auch bewust sein, das der Keiser, mein gelibster sohn Mayestät Liebden, 34gleich seinen liebster herr vatter sehligen andenkens dem Duca Moles die 35nomina zum cardinalat erdeilet haben. Wan dan nuhn nit 36allein einige vacanzen sein, sondern ihr Heiligkeit schon in dem geweßen, 37selbigen damit zu begnaden, weis nit, aus was vhrsachen solches 38bis dahto verschoben wirt. Als hab ich auch dero Liebden ersuchen wollen,


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39dero orts dazu zu cooperiren, dan hirdurch dises haus vndt in 40sonderheit mein geliebsten sohns, des König in Schpanien, dienst überaus befördert 41wurde, vndt ist diser aufzug ohne zweifel durch fran- 42zosische maleuoli bisdahto erhalten worden. Due mich hermit 43dero Liebden befehlen, die ich leben vndt sterben werde 44dero Liebden 45getrewste schwester 46Eleonora 47Wien den 16ten februarij 170748Wegen des Donnen seiner schwester hab ich dem Wißer 49die impedimenta vohrgestelt, welcher solches dero Liebden wirt 50berichten. Auch mues man erst sehn, ob man ihr mehr 51bediente, als sie schon hatt, wirt von dort aus lasen 52mitt nemmen, dan dero Liebden wißen selbsten woll, das man vnserer 53fraw schwester wehnig gelasen, dan die nation mit gern vill 54auslandische hatt. Was aber möglich wirt sein, kan dero Liebden 55versichert sein, das die Keiserin, mein libste fraw dochter Mayestät Liebden, vnd ich 56nichts mehr verlangen, als dero Liebden verlangen in allem zu secondiren.