Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 29.08.1686

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Fürst, herzallerliebster herr vatter 2Ich bitt vnterdehnigst, ewer Durchlaucht wollen mit dero vnterdehnigstem 3kint kein eintschuldigung machen, ist mihr 4angst in vngnaden zue sein, dan ewer Durchlaucht 5iah woll wißen, das ich als dero gehorsamstes kindt 6mihr vohr die groste gnad scheze, wan ewer 7Durchlaucht dero gelegenheit nachkommen vnd mihr 8genuech, wan ich nuhr weis, das ewer Durchlaucht sich 9in guttem wolstand befinden, warbey der 10almechtige ewer Durchlaucht bestendig erhalten wolle. 11Das die Erzherzogin auch in einer hoffnung ist, 12freüdt mich vnd hoffe ich woll, weil sie sich 13auf die aderlaß wohl befindet, es werde 14dißmahl wohl abgehen. Wie es zue Offen steht, 15werden ewer Durchlaucht aus diesen bey ligenden von meinen 16brudren wie auch aus denen dagzettel vernemmen. 17Der Hoffkanzler geht heütt hinunter, so woll 18mitt dem Herzoch als Cuhrfürstin zue vntereden wie


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19operationen zue befördern vnd die könftige einzurichten, 20gott geb sein gnad. Den Pater Marco werden ihr 21Mayestät auf Neüburg laßen liuren. Ich hoff aber, er 22werd noch bey der armade bleiben, auf das wehnigste 23biß esmit Offen ein end nimbt, welches gott glükhlich 24verleyen wolle. Das die sachen mit Portugal so 25weit gottlob kommen, freüdt mich von herzen, 26vnd werden gewiß ihr Mayestät niks vnterlaßen, was 27sie cooperiren können, von Schpanien etwas zue 28erhalten. Schwehr aber wirts hergehn, wan man 29ihnen nuhr andre pretext vohrzeigen derf. Allein 30mueß ich bekennen, ist mihr suspect, das der Embergador 31nuhr dißes müntlich vohrbracht vnd gahr kein 32creditiu vom König gebracht. Ihr Mayestät kombt es 33auch etwas frembt fohr, vnd will ich iah nit 34hoffen, das der mensch etwan dis vohrgebracht mit 35gutter manier wekh zue kommen. Ihr Mayestät aber, wie 36auch sie mit dem Hoffkanzler daraus gerett, vermeinen, 37wan ewer Durchlaucht etwelchen vertrauten drinnen hetten, 38der schon in diser materi negotirt hette, den kunten


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39auch in secreto vnter einem andren pretext 40audienz machen begeren vnd dem König auch nuhr 41ein müntligs compliment über dis, was der 42Embergador angebracht, machen laßen, mit disen 43keme man aus dem draumb. Doch werden ewer 44Liebden zum besten wißen, was sie vohr sicherheit in 45diser sach haben oder was zum besten sein wirt. 46Mein bruder, der Bischoff, hatt verlangt, die ort 47in Vngarn zue sehn, Rab, Komorn, Neüheüsel vnd, 48wan gott gnad gebe, gahr Offen . Also haben ihm ihr 49Mayestät erlaubt dise kleine reis zue duen. Der 50Pater Herwarts ist mit ihm, damit er nit zu weit 51hinunter geh, woh es gefährlich möcht sein. Wegen des 52Berchtrams, so ist es nit des Könisekh schuldt, 53das noch nit expedirt ist, sondern der Berchtrams selber, 54welcher wegen der meriten so hinein gesezt müeßen 55werden, noch nit eingeben hat, wie der Hoffkanzler alles 56dem Ihrsch ausfürlich schreiben wirt. Bitt auch vnterdehnigst 57vmb vergebung, das ich mit vohriger post mein 58schuldichkeit nit hab abgelegt. Seindt gahr schpaht 59vom iagen kommen vnd förcht ich, heündt auch


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60wehnig oder gahr nit ihr Durchlaucht fraw mutter konen vnterdehnigst zue bedienen, 61weilen mihr heünt in der königin kloster gewesen, und62ihr Mayestät gestern eingenommen vnd dem nachen 63heündt noch nit allerdings eingericht, also werden 64sie etwas früher schloffen gehn. Also mus enten, 65mich in ewer Durchlaucht gnade vnterdehnigst befehlen, die ich 66sterben werde 67ewer Durchlaucht 68vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 69EMT 70Wien den 29ten august 168671Disen walischen brief hatt mihr der Cardinal 72Bonuisi geben, also überschike ihn gehorsamist. Den 73mensch aber kenn ich nit, mein bruder wirt 74zum besten wißen, waß er vohr capacitet hatt. 75Es hatt auch der Deütschmeister einen anstoß mit 76dem brandenburgischen General gehabt. Er selbsten 77schreibt mihr nuhr, er vnterwerf sich dem, was sein 78General daruon verd iudiciren. Der Herzog von Lottring 79aber schreibt ihr Mayestät die sach ausführlich vnd zeigt 80klar, das der Schönekh große insolens, mein bruder aber 81gleiche prudenz vnd retenue darbey gebraucht, 82also, das wan etwas vohr ewer Durchlaucht käme, ewer Durchlaucht ihm nit vngnädig wollen sein.