Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 11.12.1686

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Das ich dero gnädiges schreiben vom 23ten vndt 28 dis nit ehnder 3beantwort, ist die vhrsach der bedrüebte vnd 4vnverhoffte dohtuall ihrer Mayestät der Kaiserin, wie ich schon in 5meinem vohrigen gehorsamsten bericht. Iezt ist auch 6der Hoffkanzer krankh an einem starken 7catar, so gehen die negotien etwas langsammer 8mit Brandenburg, dannoch hoffen ihr Mayestät, das gericht 9werden werden, erwarten die antwort auf dero 10lestere schreiben. Wegen das sich der Caniz beklagt, das 11der Josephl ihm mit bedektem haubt die audienz 12geben, so ist es allezeit hier stilo geweßen vnd wun- 13dert mich, das der Cuhrfürst dis mag anten, in 14deme seine inuiati in Frankreich von des Daufin seinen kindren, welche noch 15vm ein gutts iünger als er, kein andres tractament 16empfangen werden, dah man doch vermeint, das er auf 17diser seit mehrer consideration haben wurden als dorten, 18die nuhr cadeten bis dahto sein, auch der Josephl dem


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19dem hiesigen franzosischen vnd keinem inuiato kein anders tracta- 20ment geben wirt, wie es von ihr Mayestät, als sie noch erzherzoch, vnd 21allezeit bey diesem haus geschen. Also glaub ich nit, 22das der Cuhrfürst mehr als die könig pretendiren 23werde. Wegen Meins werden ihr Mayestät auch ehistens 24einige antwort ablaufen laßen. Es ist halt die 25zeit bis zur campagne gahr cuhrz vnd 26dis ein großes werk, welchs doch ein zim- 27lige zeit erfordert. Iezt mit der Kaiserin doht ist 28dise dag so vill zue duen gewesen, das sich wehnig 29in negotiis duehn laßen. Heünt seint mihr auf Laxen- 30burg ein wehnig luft zue schepfen. Ihr Mayestät haben heünt 31vohrmitag frey gehezt vnd ein schwein vnd ein bachen 32gefangen, das schwein war iachtbar, aber schon zimlich mager, 33der bachen aber hatt nuhr 5 pfund wehniger als ein iachtbars 34schwein gewogen, ist ganz feist gewesen. Nachmitag haben sie 35gleich bey Laxenburg auch ein schwein frey gehezt, 36ist aber nit gahr groß gewesen. Das wetter ist so 37übel, das mein bruder Carl vnmöglich in Walischlant 38kan, steht also bey ewer Durchlaucht gnädigem befehl, ob er auf 39Heidelberg soll oder was ewer Durchlaucht gnädig befehlen. Ich mein, 40er wolt gern ewer Durchlaucht vnterdehnigst aufwarten, dan hier


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41ist iezt gahr abgeschmacht mit disem klagligen fall. Die 42arme Erzherzogin wirt gahr bedrüebt sein, wan 43sie nuhr nit schwanger ist, sonst wurd es 44ihr gewis schaden. Mit diesem due ich mich 45vnterdehnigst in ewer Durchlaucht vätterlige gnade befehlen vnd werde 46sterben 47ewer Durchlaucht 48vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 49EMT 50Wien den 11ten decembris 168651Überschikh ewer Durchlaucht dis beygelegte memorial. Wan villeicht 52mein schwester kunte ein caplan mit nemmen, möcht 53diser woll ihr ahnstehn, dan er gahr ein exemplar- 54ischer man, kan guett lattein, schpanisch, franzosisch, walsch vnd 55deütsch. Weil er ein portugeßer, wurden sie ihn 56villeicht auch ehender nemmen. Vom Pater Hippolito 57überschikh auch ewer Durchlaucht vnderthenigst ein brif, aber nit 58von seiner hant. Der arme ist aller krankh 59vnd im anfang nit ohne gefahr gewesen aber 60noch so schwach, das er nit schreiben kan. Das gnädige 61schreiben von ewer Durchlaucht vohr den Fürst von Locowiz hab 62ich noch nit empfangen. Werd ewer Durchlaucht gnädigem befehl 63allzeit nachkommen, ich förcht aber, er sey ihr Mayestät noch 64etwas zue iung.