Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 08.06.1687
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15
1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Verhoffe, ewer Durchlaucht werden sich in guettem wohlstandt 3befinden, welches mein gröste consolation sein wirt 4zue vernemmen. Ich hab von ihr Mayestät vernommen die 5vhrsachen, so ewer Durchlaucht haben meinen bruder Carl dises iahr 6nit in die campagne zue schiken. Weil aber der 7Hoffkanzler ewer Durchlaucht bey vohriger post hierüber 8wirt ausführlich geschriben haben, so will ich ewer Durchlaucht 9nit mehr darmit aufhalten. Vermeinen halt, weil mein 10schwester erst im july wekh geht, also schwehrlich vohr 11end der campagne oder aufs wehnigst, das die 12meiste vohrbey sein wirt, etwas aus Portugal 13kommen könne, vnterdeßen man doch mit der Ratschiuilen 14niks veruänkligs vohrnemmen könten vnd er also 15bederseits niks versaumen wurde, dah hingegen dise 16campagne hoffentlich die lezte vnd gloriosiste sein 17wirt, vnd er so balt kein solche occasion mehr 18finden wirt, sich im krieg zue perfectioniren. Wegen 19der mittel wirt er schon ein beßrer wirt sein, 20vnd ewer Durchlaucht mitt so großer spese nit incomodiren.
21Ich vernemme aber von ihr Durchlaucht, meiner geliebsten frawen mutter, das 22er sich mit einem fieber incommodirt befindt, also wirt es ihm 23villeicht daselbige verhindern, dan wan er nit recht wollauf 24ist, wolt ich ihm nit rahten, in die vngarische luft zue gehen. 25Wegen Mainz werden ewer Durchlaucht vom Hoffkanzler gleichfals 26alles vernommen haben. Vnsere beys haben beschloßen, 86 reiger 27gefangen, auch etlige schöne milan, vohr elster, enten vnd kraren, 28auch lustig gebeist, aber wehnig enten hatt es dis iahr 29geben. Wahr schad, dan treflige vögle gehabt. Ihr Mayestät 30seint schon ein pahr mahl auf ein groß hirsch gangen, aber 31nie zue schuß kommen können. Jezt gleich empfang ich 32ewer Durchlaucht gnädiges schreiben vom 30ten passato . Gottlob, das ewer Durchlaucht woll 33auf, derr gebe, das ihr Durchlaucht, meiner geliebste fraw mutter, das 34einemmen woll bekommen. Die pietra ceraunia belangent 35will ich heündt den Minati bey der prob fragen. 36Das mein bruder, der Deütschmeister, bey ewer Durchlaucht ist, freüdt 37mich, gott geb ihm glükh zur campagne. Ich 38hoff, mit meinen bruder Carl sein fieber wert weiter nichts 39sein. Befehl mich vnterdehnigst vnd werde sterben 40ewer Durchlaucht 41vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 42EMT 43Wien den 8ten junij 168744Ich hab dem Minati nach der prob gesacht 45wegen des steins, so hatt er mihr geantwort, er weis selber nit, 46ein ieder edelgestein in rozo, wie er erst ausgehawen ist, sey recht. 47Er wolle aber nach schawen in sein büechern, was er daruon findt. 48So schikt er mihr iezt dis bey ligende, niks anders hatt er 49finden können. Ich hab mich verwundert, das er so vill so geschwint gefunden hatt.







