Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 19.06.1687
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15
1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Ich bitt ewer Durchlaucht vnterdehnigst vmb vergebung, das ich zwey 3posten mein schuldichkeit hab vnterlaßen, ewer Durchlaucht mit 4meinen vnterdehnigsten schreiben zue bedienen. Seindt meine 5geistlige breüt vhrsach daran geweßen vnd mihr 6vergangen sontag erst vmb 9 vhr von der fonction heim 7kommen seindt. Heündt komb ich abermahl mit gleicher 8abitt, das ich kurz schreibe vnd ewer Durchlaucht gnädiges schreiben 9nit beantworten due. Ist die vhrsach, das ich 10in meiner cuhr begrifen, zuedeme heünt die 11bedrüebte zeitung des gefährligen standt meiner 12liebsten fraw schwester, der Erzherzogin Maria Anna, mit 13großer bestürzung vernommen, vnd mues ich bekennen, 14das mihrs starkh zueherzen geht, in dem ich sie 15allezeit herzlich geliebt, wie sie es auch 16meritirt hatt, vnd mihr auch allezeit vill 17lieb erwißen. Der güttigste gott wolle die 18beßerung verleyen, doch alles noch seinem gottligen
19willen vnd was zue ihrer sehlen heil ist, in dem ich 20mich gänzlich ergebe. Überschike hirbey ein schreiben von 21Pater Marco vnd ein verschlogel mit portugesischen 22limoni, seint inwendig sües, aber die schalen wie 23die ordinari limoni, weil die vohrigen verfroren, seint 24zue probiren, obs auf der post gutt ankommen. 25Due mich hiermit vnterdehnigst in ewer Durchlaucht gnade befehlen 26vnd werde sterben 27ewer Durchlaucht 28vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 29EMT 30Wien den 19ten junij 168731Sag ewer Durchlaucht vnterdehnigsten dankh vohr den gehorsamst wuntsch, den sie zue ihr Mayestät 32mit vns noch oft disen fröligen dag genießen mogen.




