Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 04.03.1688
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15
1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Ich hab mit vnterdehnigstem respect dero gnädige schreiben vom 17ten, 320ten vnd 24ten empfangen. Der fasching ist woll schuldig 4daran, das ich nit ehender geantwort, deswegen ich vnterdehnigst 5abitte. Aus dem leztern aber hab ich mit leid 6vernommen, das sich ewer Durchlaucht mit einem cattar 7incommodirt befinden, vnd haben sich dannoch mit 8schreiben meinet wegen bemühet. Bitte vnterdehnigst 9vnd auf den knien, ewer Durchlaucht machen sich doch wegen 10meiner kein vngelegenheit, es wurd mich gahr 11zue vill bedrüeben, wan ewer Durchlaucht es schaden möchte, 12vnd förchte auch in vngenaden zue sein, das 13ewer Durchlaucht cerimori mit dero vnterdehnigstem kint machen vnd 14nit dero gelegenheit vnd gesuntheit in acht 15nemmen. Es freüt mich zue hören, das meine 16bede brüeder widerumb beßer seindt, hoff, es 17werd iezt ein rechten bestandt haben. Wegen Cuhr
18Cöllen ist iezt woll gahr übel, wan solt der fall 19geschen. Ihr Mayestät werden nit vnterlaßen zue duen, 20was möglich, vnd auch zue resoluiren, was ihn 21sollichem fall zue duen sey. Wegen des Cauniz, 22so wirt man suechen bedes zue richten, ihn 23woll iezt in diser sach schiken, aber nit, das 24er bestendig dort soll bleiben, so derf er das 25weib nit mit nemmen. Ich hab mich erkundigt, 26ob ihr Mayestät sich schon eingelaßen oder impegnirt wegen 27des Fuker, so haben ihr Mayestät schon in der sach schreiben 28laßen, so woll mit der Erzherzogin als dem Füker ist 29darüber gehandelt worden, so das ihr Mayestät nit 30woll zuerukh können. Vnd meinen ihr Mayestät, 31wie sie diesen beschreiben hören, er möchte woll 32eben dise bede dienst zue versehen dauglich sein, 33dan das land wirt er balt kennen lernen, dan er 34ein gescheider man ist. Ihr Mayestät haben dis gedahn, weil ich 35ihnen gesacht gehabt, was ewer Durchlaucht selbiges mahl 36dem Graven von Oting haben geschriben, das sie den Fuker 37gern würden bey der Erzherzogin sehn, so haben ihr Mayestät
38es gedan. Erwart, was euer ewer Durchlaucht gnädigst befehlen werden. Ich 39mein, man wirt balt antwort vom Fuker bekommen. 40Wegen des Solers, so kenn ich ihn nit, hör 41aber vom Öting, er sey einmahl gutt fürsten- 42bergisch geweßen vnd hab das gelt lieb. Ewer Durchlaucht 43werden ihn aber zumb besten kennen. Das meiner44schwester in Portugal hoffnung continuirt, freüdt 45mich zue hören, gott geb ihr sein gnad, das woll 46mög abgehen. Der fasching ist woll abgangen, 47aber als in der still. Iezt seint die walischen 48predigten, gestern wahr die erste, er hatts woll gahr 49schön gemacht. Mit disem due ich mich ewer Durchlaucht 50vnterdehnigst befehlen vnd werde sterben 51ewer Durchlaucht 52vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 53EMT 54Wien den 4ten merz 1688






