Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 11.03.1688

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Sage vnterdehnigsten dankh vohr bede ders gnädige schreiben 3vom 27ten passato vnd 2ten dis, aus welchen ich mit 4großen freüden vernommen, das sich ewer Durchlaucht 5in so guttem wohlstandt vernommen vnd das 6sie den fasching mit gueten vnterhaltungen passirt 7haben. Wie er hier ist abgangen, werden ewer Durchlaucht 8aus deme, was ich ihr Durchlaucht, meine geliebsten fraw mutter, über- 9schiket, ersehen haben. Iezt haben wir die predigen vnd 10oratorien, das lezte wahr von Sankt Agata, gahr schön. 11Heünt haben ausgewolt, so hatt aber den ganzen 12dag geschniben, ist aber als wider zergangen. 13Wegen der cölnischen sach wirt iezt alles durch ein 14conferenz überlegt werden vnd ich werde so dan ewer Durchlaucht als 15berichten, auch der Cauniz vnd Carch werden gleich vort 16geschikt werden. Der Cauniz meindt, man soll kein 17particullar proces anfangen als zu dem der 18Peruci di procuren verlangt hatt, sondern


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19die sach in genere zue sammen nehmen vnd 20in nahmen ihr Mayestät vnd Beyrn die sach anbringen 21vnd die simonia probiren. Sie werden aber alles 22überlegen, vnd so dan wird resoluirt werden, was zue 23duen wirt sein. Ewer Durchlaucht werden vom Cauniz schon 24vernommen haben, was als mit Beyern wegen der 25haubtsach wirt tractirt werden, also will ich 26es nit widerholen. Wolte gott, das der mensch 27nuhr ein wehnig reflexion auf sein ehr machete, 28aber das ist man ganz vergeßen, ich kan es nit 29capiren. Er eifert so starkh mit der Fehlen als sein 30weib vnd kans nit verbergen, doch kan man 31ihn gebrauchen hin zue schiken immer zue, aber 32nit, das er den nahm auf bestendich hatt, so kan er 33sein weib nit mit nemmen vnd werden die 34sachen doch gericht werden. Wegen der franzosen 35armatur kan ichs nit begreifen, nach dem der 36hiesige franzos die declaration in nahmen seines 37Königs gedahn, das vnangesehn der differentien, 38die er mit dem Papsten hab, er doch darbey 39bleib bey der mediation, die er dorten angenomen,


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40so mues er nuhr ein andren pretext als ewer 41Durchlaucht suechen. Ich förcht nuhr, die cölnische sach bringt 42vns in ein krieg, gott wirt vns bey stehen. Izt 43mit den türken ein frid zue machen ist 44nit zue gedenken, dan im anfang der campagne 45vnd izt insonderheit vnter einem neüen 46Sultan seint sie orgoglios. Wan vns aber 47der almechtige ein glükhsehlige campagne 48verleien wurde, wie ich auf sein vnentlige 49güette vnd barmherzichkeit hoff vnd mihr 50woll vhrsach darumb zue betten haben, dan 51heruohn alles dependirt, so hoff ich woll 52einen guetten vnd gloriosen friden, darzue der 53almechtige sein gnad verleyen wolle. Mit 54dißem due ich mich vnterdehnigst in ewer Durchlaucht 55gnad befehlen, als die ich sterben werde 56ewer Durchlaucht 57vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 58EMT 59Wien den 11ten merz 1688