Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 21.10.1688

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Ich hab mit vnterdehnigstem respect dero gnädiges schreiben 3vom 13ten dis empfangen aus solchem ich schmerzlich 4vernommen, das sich ewer Durchlaucht noch gahr matt 5vnd ihr Durchlaucht fraw muetter noch mit dem fieber 6incomodirt befinden, welches bey einer solichen 7weiten, bey so üblen wetter vndt bedrüebten 8reis mich in große sorgen sezet, der almechtige9aber durch sein barmherzichkeit wolle ewer Durchlaucht 10gnädig erhalten vnd beystehn. Mihr haben hier 11leider auch die üblen zeitung von Wirtenberg


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12vnd andren vernommen. Es ist nit ohne, das 13die sachen ein übles ansehn hatt vnd das 14Reich, wie auch ihr Mayestät erblanden, in höchster 15gefahr steheten. Ich vertrawe aber festiglig auf 16den barmherzigsten vnd gerechtigsten gott, das noch 17alles wider alle apparens beßer ausschlagen 18wirt, vnd dass des Pater Stridonius profezeiung in disen 19gleich noch wie bis dato in allem andren verificirt 20werden, welcher alle dise sachen klar vohr gesacht. 21Ihr Mayestät vnterlaßen vnterdeßen nit, alles mögliste 22anzuewenden auf allen seiten zue solictiren, 23bis vnsere leüt, auch die beyren, schwaben vnd 24franken, aus Vngern kommen. Gott hatt dis 25regenwetter nit vergebens geschikt, das wirt 26die franzoßen wohl noch mehr hindern. Das 27der Deütschmeister zue Heidelberg sich offerirt 28hatt zue bleiben, hatt er billich sein vnterdehnigste


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29kintlige schuldichkeit vnd lieb erzeiget. Aber ich 30weis nit, ob er ewer Durchlaucht dort wirt vill dienen 31können, vnd ob es nit beßer, das er von danen geht, 32insonderheit, wan ihr Mayestät völker herauf 33kommen, bey selbigen zue bleiben vnd ewer Durchlaucht 34land zu deffendiren. Wan der Hoffkanzler wirt 35zue ewer Durchlaucht kommen, werden ewer Durchlaucht alles dises 36mit ihm deliberiren vnd resoluiren können, was 37sie zue dero dienst finden werden. Weil ich hir noch die 38antwort von ewer Durchlaucht noch nit hab gehabt 39vnd ich auch die spesen betracht hab, so 40bruder Pfilip Wilhelm erforderte, wan er auf München 41solte gehen, so hab ichs sotto mano verhindert, 42vnd weil er von ewer Durchlaucht gnädiger erlaubnus hat, so ich aus 43ihr Durchlaucht fraw mutter brif vernommen, wirt er sein reis 44in Italien vortsezen. Will ewer Durchlaucht nit lenger mit 45mein schreiben aufhalten, due mich in dero gnade vnterdehnigst 46befehlen vnd werde sterben 47ewer Durchlaucht 48vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 49EMT 50Wien den 21ten octobris 1688