Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 15.06.1690

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Aus dero gnädigem schreiben vom 9ten dis hab mit höchster 3meiner freüdt vernommen so woll ewer Durchlaucht erwüntschte 4gesuntheit als auch, das sie anoch vohrhabens, dero 5reis auf den 3ten konftigen monats vortzuesezen 6vnd ich also die gnad bald genießen werde, ewer Durchlaucht 7vnterdehnigst zue bedienen, welches mihr woll ein vnausschp- 8rechlige freüdt ist, vnd bitte gott inniglich, das ewer 9Durchlaucht dise reis noch mehrere bestendige gesuntheit 10bringen möge. Jezt due ich schon die dag zehlen, bis ich11dißen trost werde erlangen. Wegen der pferdt hab ich 12schon in mein vnterdehnigsten schreiben vom 4ten dis vnterdehnigst bericht, 13wie auch mit vohriger post, also selbiges nit will 14widerholen. Cuhr Beyren, wie ich aus den heitigen brifen ersehen, 15wirt morgen oder vmb dise dag aufbrechen. Er hatt dise


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16reis gahr zue hurtig vericht, das er hatt können anderst 17woh einkeren, wan er nuhr zue haus nit so vill einker 18hett. Pater Marco, gebs gott, das er vill hab ausgericht, 19die vnteredung wahr gahr cuhrz, gott woll alles zum 20besten schiken. Die portugesische sach ist, die warheit zu 21bekennen, nit gahr schön, aber wie mihr die Königin schreibt, 22hatt der König nit schuld, sondren die Infantin sich 23declarirt, das sie nit in Deütschlandt will, wie 24ewer Durchlaucht aus disen schreiben ohne zweifel mit nehern 25ersehen werden. Ich merkh woll, sie ist ein 26meisterloß döchterl, gott gebs, das ihr woll gerat. 27Freilich ist iezt Florenz ein gutte parti, aber 28ich förcht, es geht vns wie dorten, dan ich glaub, 29Frankreich werd beden das maul machen vnd 30suechen aufzuehalten, vnd villeicht keine daruon 31nemmen. Insonderheit weil Sauoya sich vohr vns 32declarirt hatt, wirt er wollen einigen fürsten in 33Italien suchen auf seiner parti zue halten, vnd 34weil bey Parma kein hoffnung ist, wirt er Florenz 35suechen, gott aber wirt alles hoffentlich gutt nach 36seinem willen schiken. Die sachen von Mansfelt, wirt er


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37woll ein sichere gelegenheit erwarten müeßen zu 38schiken, dan alle vnsere sachen gehn iezt vnsicher, 39was sich nit durchstilt, wie es zwar ein pahr 40mahl vnsern curiren geraten, aber ist halt 41ein gewagts stükel, dan ich ich förcht woll, vnser 42brif auf der post werden die meisten aufgemacht 43vnd geleßen, ist ein hart sach. Gott aber wirt 44mittel schiken vnd der gerechtichkeit bey stehen. Hirbey 45überschik wider vnterdehnigst das portugesische schreiben wie auch 46von beden Königin, Portugal vnd Schpanien, auch der 47verwitibten . Gottlob, alle können nit genuegsamb 48schreiben, was sie vohr ein aplauso vnd lieb von 49König, Königin vnd dem ganzen volkh hab, gott 50geb weiters sein gnad. Dismahl hab kein brif vom 51Deütschmeister, ich hör, er gehet nit in Portugal . 52Due mich hermit in ewer Durchlaucht gnade vnterdehnigst befehlen 53vnd werde sterben 54ewer Durchlaucht 55vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 56Eleonora 57Wien den 15ten junij 169058Der brif von der verwitibten Königin ist der Wißer mit 59dem decifriren nit vertig worden.