Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 15.12.1704
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/7
Dankt Gott, dass EMT und der Kaiser sich wieder von ihrer Unpässlichkeit erholt haben. – Hofft, dass der römische König (Joseph I.) bereits angekommen ist und dass das Kaiserpaar von seinem Wohlverhalten beim Feldzug gehört hat. – Bittet um Zustimmung für seine Abmachung mit dem König (Joseph I.) über 4.000 Mann in Italien ; wäre andernfalls gezwungen, seine Truppen zu reduzieren und nur noch zum Schutz seiner eigenen Lande einzusetzen; der Wiser wird dies näher erläutern. – Versucht weiter, die Prinzessin von Ansbach und wenn nötig auch den Markgrafen (Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach) zum Fasching hierher einzuladen; sendet beiliegend, was sie ihm geschrieben und was er geantwortet hat. – Sendet auch, was er dem Bischof von Raab wegen dessen Reise nach Ansbach schrieb, weil er mehrfach von der Prinzessin gehört hat, dass sie mit dem Bischof nichts zu tun haben will. – Sendet beiliegend ein Kanzleischreiben wegen des Bischofs (Karl Joseph von Lothringen) von Osnabrück und der Präbende in Münster, die der Bischof von Augsburg (Bruder Alexander Sigismund) zugunsten des Bischofs von Paderborn (Franz Arnold Wolf von Metternich) resignieren will; bittet, dem Bischof von (Fünfkirchen, Wilhelm Franz von) Nesselrode nichts davon mitzuteilen. – Erinnert an seine Empfehlungen für den Baron von Rechteren, der dem Kaiser schon gute Dienste in den Vereinigten Niederlanden geleistet hat, den Grafen Kokorsowitz in Böhmen sowie den Grafen Lazansky, der gerade die Gräfin Fugger, das ehemalige Kammerfräulein von JWs Gemahlin, geheiratet hat. – Bittet, de Pater della Torre mit der bewussten Koadjutorie zu erfreuen und ihn schleunigst herzuschicken.
0001 15 decembris 17040002Copia aygenhändigen schreibens von 0003ihr churfürstlichen Durchlaucht ahn die Kayserin Mayestät also 0004erlassen de dato Düsseldorff den 15 decembris 1704. 0005Kaumb bin ich am letzt verwichenen freytag 000612 dieses zue abendtß alhier angelangt, vnd wolte 0007mich vnderstehen, ewer kayserlichen Mayestät mit meinen wenigsten 0008zeilen allervnderthänigst auff zuewarthen, erhalte ich, 0009deroselben allergnädigstes vom 29 novembris jüngsthin, und 0010ersehe daraus, mit vnaußsprechlichen herzen- 0011layd, das ewer kayserliche Mayestät bederseits sich eine 0012zeith lang gar übel disponiert befunden, so mich 0013in die äusseriste ängsten gesezet. Ich kan aber 0014dem allerhöchsten nicht genueg danckhen, das dise 0015von ewer ewer kayserlichen kayserlichen Mayestät Mayestät gehabte vn- 0016päßlichkeith, numehro gott lob wider vergangen, 0017vnd dieselbe sich numehro widerumb restituiert 0018befinden, den allerhöchsten einständigst bittend, 0019daß seine allmacht dieselbe allerseits noch vn- 0020zehlbare jahren fristen, und mit überhäufften 0021geist- und weltlichen seegen, sieg vnd glorie 0022überschütten wolle, zue mehrerer außbreitung 0023seiner ehren, der christenheit auffnehmen, deß
0024gemeinen wesens besten, mehrerem zue- 0025wachs dero glorreichesten erzhauses, und dero- 0026selben trewer vnderthänigster dieneren höchstem 0027trost Amen. Sonsten miessen ihre Mayestät der 0028Kayser ihre höchste gelegenheith brauchen, meine 0029einfältige gedanckhen zue lesen, vnd sich im 0030allergeringstem nicht incommodiren, erwarthe 0031alß mit tieffistem vnderthänigstem respéct 0032dero allergnädigste resolution vnd befelch, aber 0033anderster nicht, alß nach ihrer kayserlichen Mayestät 0034höchsten gelegenheith, dann an deroselben con- 0035seruation nur gar zue viel gelegen. Numehro 0036hoffe ich werden deß römischen Königß Mayestät auch, 0037gliebts gott, glückhlich, glorios, frisch und gesund 0038ankommen, und dieselbe von jedermänniglich 0039dessen vntadelhaffte condotta wehrenden seines 0040feldtzugs zue dero gewis höchsten consolation, 0041gnädigst gerne vernohmen haben, so jedermännig- 0042lich die bey der armada vnd der belagerung 0043gehabten beständigen application zueschreibet, 0044das also ewer kayserliche Mayestät das mittel klahr vor 0045augen sehen durch welches diser allerliebste 0046herr von allem übel abgebracht, vnd mit gar
0047geringer mühe, völlig dauon, vnd bestän- 0048digst abgewendet werden kan. Sonsten zweifle 0049ich ganz und gar nicht, es werden ewer kayserliche Mayestät 0050von ihro Mayestät dem König allergnädigst vernohmen 0051haben, in waß tractaten ich mich, mit deroselben 0052wegen schickung 4.000 mann in Italien, sub 0053clementia ratificatione ihrer Mayestät meines allergnädigsten 0054liebsten Kaysers und herrens, eingelassen. 0055Gleichwie nun dieselbe so beschaffen, daß sie in 0056der högsten billigkeith bestehen, vnd falß ich 0057so vnglückhlig sein solte, daß selbige wider alles 0058verhoffen nicht solten acceptiret, vnd genehmb 0059gehalten werden, ich nothwendiger weise, gegen 0060meinen willen, vnd zue meiner höchster 0061mühe gnueg beweinender mortification 0062auß mangel der mittelen, wie deroselben 0063der Wiser mit mehrerem gantz sonnen- 0064clahr vnderthänigst vor augen stellen wirt, 0065gezwungen würde, meine ad 26.000 bis 006625.000 mann würckhlich erstreckhende ahn- 0067sehentlige mannschafft, so ich bis dato mit so 0068schwehren vnkosten, allein zue ihrer kayserlichen Mayestät 0069dero erzhauses und deß gemeinen wesens
0070dienst vnderhalten, vnd gute dienste 0071darmit geleistet, bis über die halbezeidt 0072zue reducieren, ahnstatt dieselbe mit 0073noch drey bis 4.000 mann zue augieren, 0074mich still, und allein auff der defension 0075meiner armen landen zue halten, vnd 0076mich incapabel zu sehen, fernershin gar 0077nicht mehr im standt zuesein, weder 0078ihro kayserlichen Mayestät noch dero erzhaus, weder 0079auch dem publico die allergeringste dienste 0080mehr leisten zue können. Ob dieses nun mich, 0081nicht billig vor meiner zeith in die erde 0082truckhen wirt, lasse ich ewer kayserlichen Mayestät allergnädigster 0083höchsterleüchtister dijudicatur allervnderthänigst 0084anheimb gestelt, bitte aber vnder- 0085dessen ewer kayserliche Mayestät allervnderthänigst und 0086coniuriere dieselbe auffs allerhöchste, mir 0087dero mögligste protection in diesen zue 0088blossen dienst ihrer Mayestät meines Kaysers 0089vnd deß gemeinen wesens auffgerichtem 0090tractat allergnädigst zue verleyhen, vnd durch 0091dero alluermögenheith die sachen dahin zue 0092richten, damit es bey denen entworffenen
0093punctis lediglich verbleiben vnd ich ehistens 0094dieselbe also allergnädigst ratificierter überkommen, 0095vnd dadurch in den standt gesezet werden 0096möge, durch welchen ich einzig vnd allein, 0097meinem so innigligstem verlangen gemäß, 0098noch einige trewiste vnderthänigste dienste 0099wie bishero also auch fürs künfftig forth und 0100forth leisten könne. Vor die allergnädigst re- 0101mittierte beylaagen die Princessin von0102Ahnspach betreffendt, erstatte vnderthänigsten 0103danckh. Ich habe zwahren noch nicht völlig des- 0104periert, und werde ich alle nur ersinnlige 0105mittel vor die handt nehmen vmb dieselbe0106zue der hieherrayse zu persuadiren0107und zum fasching hiehero sambt dem Marg0108graffen (wans anderster nicht sein kan) einzue 0109laden. Ich will dem Pater Orban aufgeben von0110dem ganzem verlauff eine exacte rela0111tion bis auf seine abreyse von Berlin0112zue entwerven, so ich alsogleich nach der ver0113fertigung vnderthänigst zue vberschicken 0114nicht ermangle. Vnderdessen belieben ewer kayserliche 0115Mayestät Ma auß den ahnlagen allergnädigst zuersehen
0116waß an mich durch den Pater die Princess0117in geschriben undTiberiusdarauf geantwo0118rthet, so bald III1 antworth darauf erhalte0119solle selbige unfehlbar überschickt0120werden. Waß mir sonsten ewer kayserliche Mayestät wegen 0121der dahinrays des herren Bischovs von0122Raab allergnädigst geschriben, eben ein solches hat0123III2 derselbe gleich beyTiberiiahnkunft0124alhier vermög der anlage communiciert, 0125vnd ich vermög der anderen beylaag dem- 0126selben geantworthet, vnd daß auß vrsachen, 0127weilen man dadurch absolut das ganzes 0128werckh verderbt hette, indeme III3 aus der0129Princessin mundt nicht einmahl sondern 0130zum öffteren vernohmen, das sie absolut mit0131dem Bischof von Raab nichts wolte zuethun0132haben, in deme derselbe viel zue violent.0133Habe ein solches also ewer kayserlichen Mayestät vnderthänigst 0134zu berichten, die höchste notturfft zue sein erachtet, 0135wollen dann dieselbe gleichwohl das der Bischof0136seine rayse nach Anspach gehe, so kan 0137ichs geschehen lassen, wenigstens habe ichs, zue 0138meiner exoneration vnderthänigst berichten miessen, 0139vnd hoffe ich ewer kayserliche Mayestät werden mirs nicht
0140in vngnaden vermerckhen. Waß ich sonsten 0141in dem nebengehendem vnderthänigstem canzley 0142bericht wegen der münsterischen sach, vnd wegen 0143deß herrn Bischoffen zu Oßnabrugg gehorsamst gemeldet, 0144wie auch wegen resignation der praebend zue 0145Münster vom Bischoffen zu Augspurg auff den 0146Bischoffen zue Paderborn, dahe ist kein moment 0147mehr in zue versaumen, vnd bitte ich ganz 0148vnderthänigst, dem lieben sauberen Bischoffen von 0149Nesselrath nichts dauon zu melden, sonsten 0150wirt unser ganze arbeith verderbet. Was 0151ich schließlichen ahn ewer kayserliche Mayestät nachmahlens wegen 0152deß Baron von Rechteren so dann anjezo wegen 0153deß Graven Kokorsowitz in Böheimb habender 0154carica, so derselbe dem verlauth nach zue 0155resignieren gedenckht, in favor deß Grafen 0156Lasanscki, so meiner herzliebsten gemahlin 0157Cammerfräwlein die Gräfin von Fugger ge- 0158heyrathet, vnderthänigst ahn ewer kayserliche Mayestät ge- 0159langen lassen, dahe bitte ich wohl ganz ge- 0160horsambst, vmb ehiste allergnädigste gewürige 0161resolution, vnd zwaren vmb demehrers, 0162alß der erstere ihro Mayestät meinem
0163allergnädigstem Kayser und herrn schon gar vile er- 0164sprießlige dienste bey denen Staaten General vnd 0165sonsten zue deß gemeinen wesens besten gethan, vnd noch 0166ferners zu thuen im standt ist, vnd es sehr zue 0167herzen nimbt, der anderte aber dadurch in 0168den standt gesezet wirt, (massen es ihme an der 0169capacitet nicht fehlet) deroselben noch vile vnd 0170lange trewiste vnderthänigste dienste zue leisten, 0171meine gemahlin aber vnd ich, dises vor eine ab- 0172sonderliche grosse gnade, vnd alß wann sie uns 0173selbsten widerfahrete schäzen, und mit allersinnligen 0174vnderthänigsten diensten abzuedienen uns äusserist 0175befleissen werden. Vnd dann entlich bitte ich 0176vnderthänigst den armen Pater della Torre der- 0177mahlen einist zue depechieren, und mit der 0178bewuster coadjutori allergnädigst zue erfrewen, 0179absonderlich aber die puncta, so doch keine 0180folge haben, bis er das versprochenes nicht 0181praestieret hat, vnd der effectiua vor erst 0182erfolget, dermahlen einist zue fertigen, 0183und den mann schleünigst hiehero zue be- 0184förderen.









