Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 04.08.1705

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/7

Ausfertigungeigenhändig

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11Die geweste Ferk, izig Frens placht mich fleisich, ich soll ihr recht dero Liebden reccomendirn. 2Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerliebster herr bruder 3Das ich nit ehnder auf dero liebst schreiben vom 10ten, 13ten, 14ten junij, 42ten, 7ten vnd 18ten passato geantwort, ist allein die vhrsach, das 5ich däglich glaubt, der courir werde abgefertigt werden 6vndt allso das schreiben von einen dag zum andren verschoben. 7Weilen er aber izt entlich expedirt ist, so komme, 8mein schuldichkeit abzulegen vndt dero Liebden vohrdrist vohr so 9ville bezeigungen dero affection vndt guetten wuntsch zu dem 10dag der heiligen Madalena, welches ich woll nit meritire. 11Werd mich aber befleisen, alles gegen dero Liebden abzuedinen, absonderlig das 12mittleiden, so dero Liebden mit mihr in meinen bedruebtisten standt 13erzeigen, woh ich kein andren trost als bey meinen gekreüzigten 14heilandt finden kan, dem lege ich alles in seine heiligen 15wunden vndt bitte ihm nuhr, diser edlen sehl die ewige 16freüdt, wie ich hoff, das es schon sey, mihr aber aber die gnad, 17ihm recht zu lieben vnd nieh mehr zu beleidigen, zu verleyen, 18amen. Die romanische sachen betreffendt, so werden dero Liebden 19schon wisen, wie die sachen stehn, vndt das es alleweil erger 20wirt, der Papst auch meinen sohn so ein groben brif geschriben 21vndt die affront, so er dem Botschaffter gedahn 22vndt


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23vnd mehr dergleichen sachen. Auf dise weiß wirt es sich alzeit 24wehniger vergleichen laßen vndt das üble alleweil erger werden, 25dan mein sohn sich auch nit also kan strapaziren vndt prejudiciren 26laßen vnd es billich ressentiren mueß. Obwollen er allzeit in den 27geistligen ihr Heiligkeit als oberhaubt vndt vatter respectirn vnd die füeß küßen wirt wirt, 28so kan er aber in den weltligen, als er als prencipe secolar 29zu considerirn, sich niks prejudiciren laßen. Das dero Liebden mit Cur Meins 30in so gutter corespondenz vndt vertrawen stehen, kan nit anderst 31als dem publico den besten effect bringen, vndt duen dero Liebden gar höchst 32erleücht, disen hern bestens zu cultiuiren. Meines sohns, des König in 33Schpanien heirat betreffendt, wirt er woll sehr empfinden, das dise 34so schantlich zurukh gangen, vndt hatt, die warheit zu bekennen, 35dise Prinzessin sehr falsch vndt wehnig honest die sachen tractirt, in dem 36sie noch kaum etlich wochen vohrher so instendig in ein eigenhendig 37schreiben, welches ich gesehn, meines sohns conterfait an die Fürstin 38von Liechtenstein begert, hatt auch nach meinen großen verlust 39noch sondiren laßen, ob man hier noch refflexion auf sie mache. 40Ich förcht, sie werd es büeßen, bitte gott, er wolle es ihr vergeben 41vndt verleyen, was ihr an sehl vnd leib nuzlich ist. Izt aber auf 42die sach zu kommen, woh man izt hin gedenken solle, so hab ich 43von dero Liebden vernommen dero meinung wegen Wolfenbüttel . Nuhn wehre, 44weil vordrist die disposition zur religion, dan auch das haus vnd die 45gestalt, so vill man den conterfe nach abnemen kan, nit vneben, woll 46darauf zu reflectirn, allein ist die jugent ein groß impe- 47diment, dan sie erst dises monat 14 iahr wirt compliren. Über 48dißes werd ich mit dero Liebden erlaubnus dero gemahlen mich 49mitt


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50mitt mehren expliciren, welcher ich in der materi freyer schreiben kan. 51Man red auch, als wan sie zu der dör oder lungensucht inclinirte, 52deswegen mein sohn, der Keiser, ein doctor wollen hinn schiken, welches aber alles 53noch nit de tempore bey der iugent ist, vndt in solchen vall, 54wan man ein kindt nemmen will, könte man eben auf 55vnserer brüder vnd schwester kinder reflectiren, welche kein große 56differenz in alter von diser haben. Meine vnmaßgeblige 57meinung aber wehre, das der Pater Dennemann gleich woll, ab- 58sonderlich weiln er von dorten zu haus vnd seine befreünte dah hatt, 59solle hinein gehen, sie sehen vnd meinen sohn relation dauon brengen. 60Indeßen aber, meinete ich, solle man sich nit auf eine 61allein binden, sondren an alle höff schiken iemandt vertrauten 62von dero Liebden, welchem von hier der iunge Hertot könte mittgeben 63werden, woh man weis, das Prinzesin sein, die könten considerirt 64werden, könte auch ein mahler mit gehen, vnd so dan konte 65man meinen sohn von allen eine relation schiken, sich auch dabey er- 66kundigen, woh disposition zu vnserer religion, damit es vns nit 67wider wie mit der Ansbach geh, vnd so dan ihme gleichwoll die 68wahl laßen. Dero Liebden könten vndt sollen gleichwoll die sach dirigiren 69vndt alles durch dero höchsterleuchte vndt vnsren haus, 70insonderheit mein sohn Carl, zu dragender lieb vnd sorge confi- 71dirt werden. Ich hör, es seind Prinzessinnen zu Darmstatt, Caßel, Mekelburg, 72Saxenweißenfelß vnd villeicht dern noch mehr. Das anschawen 73vnd erkundigen kost niks, vndt wirt mein sohn auch leichter sein, 74wan man ihm vnter etligen die wahl laßet, als wan man ihn 75nuhr eine vohrschlacht vnd gleichsamb dazu obligiren wolte. 76Erwarte


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77Erwarte hirüber dero Liebden höchstschäzbare meinung vndt raht, darüber 78dan weiters mit ihnen vndt im, mein sohn, dem Keiser, welcher 79in dißen auch vollich meiner meinung ist, die sachen debatiren 80vndt resoluiren. Die niderlandische sach betreffendt, so bitte ich 81vohraus, dero Liebden wollen mihr nit übel nemmen, wan ich aus herzliger 82lieb vndt schwesterligen offnen herzen ihnen meine zu dero selbst 83eignen nuzen vndt aufnemen drogende meinung überschreibe. 84Nuhn ist vohr allen kein zweifl, vndt wollen sich vmb gottes 85willen dero Liebden keine scrupul vndt schwehrmütige gedanken machen, 86als solten meine bede söhn einige meinung haben, das von 87mein vnuergleichligen Keiser sehligen vnd König in Schpanien gedahnes 88verschprechen wegen des gouerno von Niderland zu verendern. 89Allein wißen sich dero Liebden anoch woll zu erinnern, das, wie man es 90dero Liebden geben hatt, dabey gebetten vndt protestirt, das es in höchster 91geheim, vnd das die allijrten nit den geringsten argwohn 92dauon nemmen könten, gehalten werden biß dahin, dass mein sohn in 93der poses der monarchia, vnd es so woll seine als dero Liebden 94conueniens, selbiges zu declariren sey. Also bitte ich nachmahlen 95dero Liebden, vmb gottes willen die sach zu secretiren, dan es dem publico, 96mein sohn vnd ihnen selbst zum grosten schaden gereichen wurde, 97wan die sach vohr der zeit esclatiren solte. Den Clairmond 98betreffendt, weil es wider die schpanische gesäz, das ein national 99der erste soll sein, wans gleich nuhr auf ein zeit, wurde eoipso dis declariren, das ein ander 100ober ihm, vndt der archwohn auf dero Liebden vallen. Weilen dan dero Liebden so


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101so woll an mein sohn, den Keiser, als Moles wider den Bischoffen von 102Rab geschriben (welches mihr zwar sehr leidt vndt bitt dero Liebden noch- 103mahlen instendig, doch wider niemand so zu schreiben als allein 104mihr, bey welcher es secretirt wirt vnd es also werde mena- 105girn, das dero Liebden ich die leüt nit zu feindt machen vndt danoch 106dero intent ereichen werden. Ich mues bekenen, wie ich die 10 zeilen, 107so mihr dero Liebden von desen brif an Keiser geschikt , geleßen, ich recht erschroken bin, 108dan daß kombt hernach vnter die leüt, macht nuhr üble 109gemüetter, welches weder vohr gott noch der welt gutt 110ist, dan mihr sollen vns alle befleißen, einander zu lieben 111nach dem gottligen gebott, deme mihr alleschuldich seindt 112zu gehorsamen, vndt schad auch in dem zeitligen, dan wer weis, 113wie heünt oder morgen einer oder anderwirt noch weiter 114kommen, das hernach schaden brengen könne. Also bitte nochmahlen, 115wan dero Liebden wider iemand, es sey wer es wolle, etwas haben, 116wollen es keinem menschen als mihr allein schreiben, werde 117suchen, dero intention zu secondiren, dan ich nit anders sagen 118kan, als das mein sohn ein große deferanse vohr mich zeigt 119vnd mich vill vmb raht fragt, so werd schon was richten konen, 120aber bitt, dero Liebden wollen mihr auch ein wehnig volgen.) Also sach 121ich, weil dero Liebden den Bischoff von Rahb auf keine weis wollen, so hatt 122mein sohn den Wels resoluirt, vnd neben ihm den Clairmont, 123welche bede aber vnter dero Liebden direction, wie der Sinzendorf, 124stehen werden, aber bitt nochmahlen das die sach secret bleibe,


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125vndt hoffe, dero Liebden werden mit disen also zufriden sein. In gleichen 126bitte auch, dero Liebden wollen doch sich nit so aparte vnd eifrich in 127der achts sach erklären vnd die sach so aller orten 128dreyben, dan dises bey andren nuhr gelosien macht vndt 129die sachen mehr verhindert als befördert. Wegen des 130Westerloh, hoff ich, werden dero Liebden mit der expedition, so mein sohn, 131der Keiser, schikt, zuefriden sein, dan auch vohr sein eigen con- 132veniens es also gutt scheinet. Wegen Lüttich sagen alle, das 133auch den iure canonico nach es einem geistligen gebüre, 134weis also nit, ob dero Liebden etwan zu disen den Bischoff von Rab, 135weil es mit Niderland niks zu duen hatt, oder wem 136andren etwan aus denen canonicis dazu dauglich 137finden möchten. Der Neßelraht melt sich auch 138drumb an. Wegen bruder Carl, so wirt die instruction izt, 139glaub ich, balt vertig werden. Ich weis nit, was er hatt 140oder waß man ihm in den kopf hatt gebracht, er 141will den Hamilton nit haben, hat seinen Geist zum 142Obristen Hoffmeister gemacht, welches ein sproposito 143ist vndt ihm hier übel genommen wirt. Ich hab ihm 144geschriben, das resoluirt sey, ihm einen mit zu geben, wan 145er den Hamilton nit haben woll, so werd man ihm doch einen


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146andren geben, so antwort er mihr widerumb, das er 147vermeint, es wehr genueg der obrige geheime raht, wan 148man aber jah nötig find iemand zu schiken, solle 149man den Grav Fuker noch ein zeit dorten laßen. 150Ich bitt, dero Liebden wollen nuhr mit gutter manir ihm 151etwas insinuiren, aber nit mitt schärfe. Ich antworte 152ihm, das dero Liebden den Fuker selbsten verlangt vndt nötig 153haben, vnd ihnen der Keiser es nit hette abschlagen könen, 154es sey alzeit der brauch, das iemandt mit geben werd, 155beim Herzoch von Lottring sey anfangs der Ferara, 156nach gehns der Graf Sigmundt vnter dem caracter 157der Königin Obristhoffmeister gewest. Izt aber müeße, der 158von hier hingeschikt, bey ihm den ersten posto haben, vndt sey das 159ein resoluirte sach, welche alzeit geweßen vndt bey einen 160ieden sein werde, es auch zu sein eignen decoro, 161einen bedienten von hiesigen ministerio zu haben. Will 162sehen, was es ausgibt. Wegen des Fratislaw las ich 163alles dahin gestelt sein, wie es ist, allein ist er 164schon dah vnd der Kinski wirt sterben oder ein narr 165werden, also mues man schon mit disem sich behelfen. Bitte


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166also, dero Liebden wollen mit ihme dißimuliren vnd in suechen zu gewinen, 167dan er vill gilt, vndt mues man bisweilen dem kankerl ein liechtel 168anzünten, damit, wan er auch niks nüzt, er wenigst nit schaden möge. 169Wegen Salsburg dähte ich nit rahten, das man sich vohr den Bischoff 170von Augschpurg impegniren solle, wan gleich der Harrach nit solte 171dazu kommen können, dan dorten der adel niemahlen keinen 172gebornen fürsten, weniger von einen so großen hauß, wurd dazu 173gelangen laßen, dan sie den broken vnter sich behalten wollen. 174Zue deme ist der Bischoff von Augschpurg wegen des Schallenberg 175vndt andren vhrsachen, so dero Liebden woll wißen, zimlich verschreit, das man 176mit ihm auf keine weis reussirn wirt vndt so woll mein sohn, 177dero Liebden vndt vnser curhauß sich nuhr prostituiren wurde, sich 178widerumb eines refus wie zue Eigstett zu exponiren. 179Wegen des Deütschmeister, wüntsche ich von herzen, das dero Liebden sich mit 180ihme in der gütte vergleichen mögen, welches vohr mich die 181gröste consolation sein wirt. Fals aber es nit reussiren möchte, 182so halt ich mich an dero Liebden mihr gedahnen verschprechen vndt bitte, 183das sie sodann die noturfften gleich anhero schiken wollen, damit 184man ein mahl aus der sach komme mit bederseits contento. 185Wan dise sach wirt gericht sein, wirt mihr ein rechter steinn 186vom herzen sein, der mich bey meinen großen leidt vnd bedrüb- 187nußen nit wehnig druket. Ich hab dero Liebden gahr zu lang mit mein 188abgeschmachten schreiben aufgehalten, due mich in dero bestendige 189affection reccomendiren, die ich leben vndt sterben werde 190dero Liebden 191getrewesteschwester 192Eleonora 193Wien den 4ten august 1705194Bitte dero Liebden vmb vergebung, das auf den ersten bogen 195ein seiten falsch geschriben, habs gezeichent wies geht, ist nit 196zeit abzuschreiben.


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