Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 08.08.1705
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/7
1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Ich vernemme vom Deütschmeister, das er zu dero Liebden 3auf Düßeldorf auf dero verlangen geht, hoffentlich 4wirt sich mit diser occasion die differenzen schlichten 5laßen. Bitt dero Liebden nochmahlen, sie wollen doch alles möglige 6anwenden vndt auch etwas vnd auch mehr nachlaßen, 7damit nuhr die liebe vndt vohr gott vndt der 8welt notwendige einikeit vnder den brüdern, vnsers 9gnädigen herrn vater in dohtbett gedahnen vndt vnder scharfen 10bedrohunge geben befehl gemäß, möge erhalten werden. 11Auch kan ich dero Liebden nit verhalten, das izt der Bischoff 12von Osnabrukh (weilen die primas prezes schon zu 13Augschpurg dem Neßelraht verschprochen worden) izt 14gleich die resignation seins canonicats, wie ich
15ich ihm ein formula dauon geschikt, möchte geben. Er difficultirts, 16weilen dero Liebden ihme selbiges mahl geschriben, das er damit solle 17einhalten, bis sie ihm weiter schreiben werden, weilen izt aber 18der casus mutirt ist vndt der Bischoff gahr krankh, 19so ist periculum in mora. Ich habe ihm zwar geschrieben, 20wolle es bey dero Liebden verantworten vnd sey sicher, das 21dero Liebden es aprobiren wurden, wan er aber gleichwoll noch 22difficultiren möchte, bitte dero Liebden, ihme zu schreiben, das ers 23gleich schiken solle. Auch kan ich dero Liebden nit bergen, das der 24gutte Pater dela Torre, wie zwar dem Wißer schon 25habe comission geben, dero Liebden zu schreiben, sich hier nit zum besten 26comportirt, allerley intrigen vndt sachen macht, schwezt vill, 27vnd in soma hir nit woll steht, welches dero Liebden ein 28groß preiudiz ist, in dem die ganze welt 29dero Liebden von allen, was er aus seiner imprudenz 30duet, die schuld gibt, das sie ihn hetten her gebracht. 31Also bitte ich, dero Liebden wollen ihn gleich accolirn, vndt wan 32iah das negotium noch solte gedriben werden, auf welchs 33ich beken, das nit mehr vill halt, so woll dero Liebden wem 34andren damit her schiken, oder wen dero Liebden ihn nit gern zu sich rufen,
35wollens nuhr mihr erlauben, so wirt er gleich von Rohm 36aus von hir abgefordert werden, dan der Papst in schon 37längst gern hier wekh hette, einmahl daugt er hier 38nit. Der feder kan man nit alles trawen. Dero Liebden wißen, 39das ich sonst alle gern portir, was von ihnen ist, aber 40es daugt weder vohr dero Liebden, noch vohr ihn, noch vohr 41vns. Bitt, dero Liebden wollen mihr vergeben, das so frey schreib, 42due es halt inh allter confidenz, in deren ich 43leben vnd sterben werd 44dero Liebden 45getrewst schwester 46Eleonora 47Wien den 8ten august 170548Der Rogier arbeit zwar, ich bitt aber, dero Liebden wollen mihr nit 49übel nemmen, das ich zu meiner nachrich dero Liebden 50in der alten confidenz frage, wie es mit dem steht, 51was er dero Liebden von hir hatt mitt geben, vnd ob die multi- 52plication so angangen.





