Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 04.10.1705

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/7

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Sage deroselben schuldigsten dankh vohr die condolenz 3vnd mittleiden, so dero Liebden so woll durch dero schreiben als 4dero Oberkammeren von Diemantstein haben wollen 5gegen mich bezeigen. Die wunden ist so dief vndt 6schmerzlich, das ich allein bey dem güttigsten gott vmb 7trost anhalten mueß, bitte denselben, er wolle dero Liebden 8in bestendigen wohlstandt erhalten vnd mihr 9vill gelegenheit geben, dero Liebden zu erweisen, das ich 10von herzen bin 11dero Liebden 12getrewste schwester 13Eleonora 14Wien den 4ten octobris 1705


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15Auch, durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder, 16due ich mich wegen der wolfenbüttlischen sach vndt 17in andren negotijs auf den Diemantstein bezihen. 18Wegen der acht ist alles in gutter disposition. 19Ich hab ein großen trost wegen des vergleichs mit 20dem Deütschmeister, das aber er auf Münster 21concuriren soll, mein ich, sey er vohrigs mahl 22genugsam prostituirt vnd bedrogen worden, zu dem 23haben ihr Mayestät, mein Keiser sehliger, deßen willen mein oraculum, 24wie auch mein sohn, dero Liebden selbst vndt ich dem 25Bischof von Osnabrukh heilich verschprochen, ihm 26dazu vohr allen andren zu helffen. Also wehr 27mihr vnmöglich anderst, als dero Liebden, mein sohn vndt instendich 28zu bitten, dabey zu verbleiben, dan einmahl 29was man verschprochen, ist man schuldich zu halten,


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30vndt was recht ist, ist gott lieb, gott wirt alles 31zum besten schiken vndt sein segen geben. Wegen Hanouer 32hatt der Deütschmeister heüdt schon der Keiserin verschprochen, 33ihn zu erkennen. Ich bin woll froh, das dero Liebden vndt 34er sich dis meritum bey der Keiserin machen, dan 35ich dero Liebden versichren kann, das vnmöglich mihr ein 36eigne dochter mehr lieb, vertrawen vnd auch 37submission zeigen könte, als dise liebste fraw, 38gott wirt ihrs vergelten. Wegen der heirat vohr mein 39sohn werden dero Liebden schon mit den courir vernommen 40haben, einmahl mus man sich auf eine nit 41binden, vndt hab ich wider sicher nachricht, das ihrs 42vatter schwestern alle 3bede närinnen sein, die eine hatt 43den Morgraf von Dorlach, die ander weisnit wen, 44vndt eine soll gahr angeschmitt sein, dah ist doch 45reflection auf zue machen. Ich hör auch, der vatter 46selbst soll einmahl ein anstos gehabt haben, 47vndt was kan es preiudiciren ander auch zu sehen. 48Dero Liebden könen, vmb sie zu erhalten, ihm alle officia vorschlagen,


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49vndt wan entlich es nit vohr rahtsamb gefunden wurde, 50die schuldt auf vns vndt mein sohn selbsten schreiben. 51Dis ist ein sach von gahr zu großer importanz, das 52man es woll überlegen mus. Wegen des Rougier bin 53ich dero Liebden vnerhört obligirt, das sie mihr die justiz 54duen wollen. Einmahl ist es gahr zu schantlich, 55dah die sach auf 3 wochen, wie er es verschprochen, 56ankommen, dass er so schandtlich ausgerißen ist, 57zu dem sicht man den claren bedrug, dan der rstin 58von Liechtenstein hatt er ein tinktur gelaßen, von welcher 59er ihr etlich pfundt silber tingirt hatt, das hatt 60sie iezt probirt vndt probirn laßen, ist niks draus 61worden, also ists lauter bedruch, hatt es doch auch 62dero Liebden verschprochen, in so vill monat das multiplico, 63vndt hör noch kein effect. Er meritirt woll was 64anderst, aber basta, las man ihn nuhr laufen, 65gott wirt ihm schon finden. Von mein sohn aus Cattalonien 66schreibt man vnterschidlich, gott wolle als zum besten 67schiken, von mein sohn seint nuhr vom 28ten brif, das sie ankomen,


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68dero Liebden werden es schon wißen. Wehr woll gutt, wan der 69courir den Pater Denneman noch angetroffen 70hette, denn sonst er weit vmbreisen wirt 71müeßen, vber Genua wehr es vill näheter. 72Mit übrigen bezihe mich auf den Demanstein, 73lebe vndt sterbe 74vt in litteris 75Dis gehört zum schpaß, wis herbey kombt.