Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 12.09.1705

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/7

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Dero liebstschreiben so woll durch den courir als mit 3der ordinari haben mihr großen trost veruhrsacht, 4in dem ich darauß vernommen der vergleich, 5so dero Liebden mit dem Deütschmeister zu allerseits 6satisfaction geschloßen. Der liebste gott wirt 7daran ein großes wollgefallen haben vndt 8dero Liebden vill segen, glüksehlickeiten vnd vergnügung 9dauohr erdeilen. Mihr ist es woll in meinem 10großen leidt ein große linderung meins schmerzen, 11dise einichkeit in vnsern haus stabilirt zu 12sehen. Mein sohn, der König, hatt ein große resolution 13genommen, gott wolle ihm beystehen vndt alles zum 14besten schiken. Der liebe gott hatt ihm wider ein großen 15bedrübnuß geschikt durch den verlust des lieben Prinz Joseph,


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16den er wie sein eigns herz geliebt hatt. Ich beken, ist mihr 17woll auch storkh zu herzen gangen, ist woll ein großer verlust, 18dan der herr in verstandt vnd conduit, dugent, valor 19sich alls von 40 iahren in diser jugent gezeigt hatt, 20der wirt hoffentlich schon im himmel sein, dan er kein einzige 21vndugent an ihm gehabt hatt. Mein sohn wirt sehr bedrübt 22sein, komt ihm iezt vill auf einmahl, so ein unvergleichlichen 23vattern, die braut vnd so ein allerlibsten freündt zu 24gleich zue verlihren. Ich hoff, der Pater Denneman, welchen 25er sehr verlangt, das er balt zu ihm kommen mög, 26werde noch nit embarquirt sein, dan es gahr zu weit 27vmb ist. Ich bitt, dero Liebden wollen ihm gleich ein courir 28nach schiken, das er wider zurukh hier her vnd so dan 29über Genua hinein gehe. Ich hab auch aus dero Liebden schreiben 30die relation von Wolfenbüttel gesehn, es scheindt zwar 31woll gutt, aber so lang sie nit in standt, kan man 32nit vrteilen, vndt in so jungen iahren solche flüß vndt 33zantweh zeigen doch ein große feüchtichkeit. Die lista, 34so dero Liebden mihr geschikt, dabey haben dero Liebden vnser zwey basen, 35die von Parma vnd bruder Pfilip Wilhelm sehligen sein dochter 36vergeßen. Ich mein aber, sie seint alle in ein alter wie 37bruder Carl sein dochter, dah kan man auf sie refflectirn vndt


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38woll allzeit beßer wäre ein cattolische, auch zu satisfaction 39der schpanier. Von denen zwey von Schweden ist nit zu hoffen 40die conuersion, die Hanouer hatt auch dis bedenken. Die andren 41von Saxen seindt vill cadett de cadett, das nit darauf zu 42reflectiren, die von Zeitz, wie mihr der Wißer sagt, das 43der Bischof von Rahb selbsten sacht, er förcht, es sey kein hoffnung 44wegen der religion, weil ihr fraw mutter gahr zu eifrich ist. 45Die von Mechlburg Schwerin hör ich auch loben, vnd möchte 46wegen der religion nit große difficultet haben. Wan die 47von Darmstatt hüpsch, wehr sie auch nebst diser 48vndt Wolfenbüttl zu considerirn, allso käm es auf 49dise 3 vndt vnsere 3 basen baßen an, die von 50Carignan vnd Guastalla haben her bedenken. Dero Liebden 51wollen mihr berichten, wohin sie wollen das ich den Hertot 52schiken soll, das dero Liebden iemandt in den sie confidenz, den 53Bruner vnd den Douuen, auch dahin schiken können, damit 54sie mitteinander an diße höff reißen können, von allen 55relation vndt conterfet schiken, so mag er ihm hernoch 56selbsten ausklauben. Die andren kan man ihm nennen vnd 57die bedenken dabey schreiben, warumb man nit darauf reflectirt 58hatt. Den Clairmont betreffendt haben sie iezt wider ein 59ander expedition gemacht, ihm zum Surintandan des


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60Finances, wie es der Bergeik gehabt, geben. Wegen seins sohns 61weis ich ein mahl nit mehr, was sie noch damit gemacht haben, 62dan ich von mein leidt her sehr vergeßen bin, haben doch ihm 63wollen auch etwas conferirn. Das in der volmacht dero Liebden nit 64benendt sein, ist allein dahrumb geschen, weilen er dise 65vollmacht offentlich zu zeigen vnd dero Liebden auch dise comission 66nit dem schein nach, sondern nuhr heimlich haben, als den andren 67keine ombrage zu machen, dan sie daraus gleich 68argumentiren wurden, das dero Liebden das gouerno auch haben 69wurden. So hatt man aber durch ein heimliche instruction 70oder befehl ihme auf dero Liebden lediglich in allem angewißen, 71das er absolute von ihnen dependiren soll, wie dero Liebden selbsten werden 72gesehn haben, dan mihr der Sinzendorf gesacht, das er dero Liebden 73alles hatt zugeschikt. Wegen Lüttich habens auch dem Wels 74geben, weil er schon das ander vnter dero Liebden hatt. Ich hoff, der 75Clairmont werd so zufriden sein, weilen dis ein reputierlicher 76vnd erdrägliger dienst ist. Den Frotslaw betreffent hab ich 77gehört, das er zu ein gutten freündt beklagt, das er 78die schuldige parte gebung nit in zeit gedahn vndt 79nuhr aus der vorcht es vnterlaßen duet, das dero Liebden es 80ihme übel wurden nemmen, das es nit ehnder ge- 81schehn sey. Ich will ihm aber suchen disen scrupel zu


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82benemmen, dan ich find, das es vohr dero Liebden vnd vnser haus dienst 83ist. Hab auch den Deütschmeister gebetten, miht ihm woll zu sein, 84der ist heündt frue ankommen, aber sicht sehr übel 85aus, klagt auch noch die seiten, das mihr recht angst 86dabey ist, werd die doctor laßen holen, zu sehen, was zu 87duen ist. Wegen des Bischof von Augsburg, so insistirt er noch alzeit, 88also ihm zue satisfaction werd ich morgen mein son ersuchen, 89das er dem Windischgraz so vill schreiben last, das wan kein hoffnung 90vohr den Harrach vnd er sehe, das vohr den Bischof mehr vnd 91vast sichere hoffnung seye, er so dan auch dazu cooperirn 92solle. Wegen bruder Carl, mein ich, wirt es sich schon schiken, er 93sacht schon, er hab den Geist nuhr zum Oberhoffmeister gemacht, 94wan ihm der Keiser ein Obristen Hofmeister geben wolt, werds ihm recht sein. 95Den Pater La Torres will ich suchen persuadiren zu konnen in 96ein closter zu gehen, etwan mitt einigen tittul, sonst 97möcht er gahr ein sproposito duen. Heünt ist es 98zimlich schpaht, morgen werden mihr die andacht verichten mitt 99dem Pater Antoni, der großer gnaden hier duet, also 100ende, due mich dero Liebden befehlen, werde sterben 101dero Liebden 102getrewste schwester 103Eleonora 104Wien den 12ten septembris 1705105Dis memorial hatt mich mein camerdiener 106gebetten dero Liebden zu schiken, weil sie ihm ein gnade versprochen 107hetten, dero Liebden werden duen, was dero conuenienz ist.


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108Ihr Liebden herrn Curfürsten zu 109Pfalz, meinen herzallerlibsten herrn 110bruder