Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 11.05.1706

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/7

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Nachdem die nachricht eingeloffen des absterben des Bischoffen 3von Münster vndt mich der Herzoch Carl von Lottring, Bischof von Osnabrukh 4Liebden, ersucht, dises werk vnd seine person nochmahlen dero Liebden 5zue reccommendiren, welche sich alzeit so generos gegen ihn erzeicht 6haben, so bin ich dazu noch mehr angefrischt, als ich allzeit 7werd suchen zu seccondirn die intentiones, so mihr bewust, das mein 8vnuergleichliger Keiser sehligen andenkens gehabt hatt, mihr auch 9dero Liebden zum offtern, wie auch mein Keiser sehlig, verschprochen, 10alles möglige vohr disen herrn anzu wenden. Was das impendi- 11mentum des gewißen Zeno belangt, an welchen selbige dumheren 12ein bedenken haben, will ich schon sehn, wie ich mit dem Keiser 13ein mitel find, das man ihm zu erkennen gibt, wie 14schädlich er ihm ist vndt ihn wehnigst auf ein zeit von ihm 15bringt, wie woll ich, ie mehr ich den herrn kennen lern, ie mehr 16vernunft vnd so vill ihn ihm find, das ich nit hoffen due, 17das er sich von ein solchen kerl solte regiren laßen. Wan den


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18den Deütschmeister betrifft, so bitt ich nachmahlen, vmb gotteswillen auf 19ihn nit anzu dragen, sondren villmehr, wie man ihm balt in 20standt sezen könne, das vnser hauß sucession bekommen möge. 21Die har stehn mihr zu berg, wan ich daran gedenkh, das die 22gefahr ist, was wurd das dem publico vnd der religion 23vohr ein schaden sein vnd ein sach, die wider ein newes kriegs 24feür vndt villeicht woll gahr einen religions kriech veruhr- 25sachen möchte. Man mues nit feiren, dan der Deütschmeister eben nit der 26stärkiste ist vndt alleweil älter wirt, ich bitte, dero Liebden nemmen es zu 27herzen vndt duen es woll überlegen. Im übrigen wehrs dis bischtumb 28disen Prinzen vohr allen zue vergunnen, dan dero Liebden auch vill dran gelegen ist, 29dorten ein gutten freündt dorten zu haben, so sich dero Liebden auf disen heren 30versichern können vnd so vill mehr, wan er ihnen die obligation 31habe, das er dazu gelangt ist. Ich bitte, dero Liebden wollen mihr auf 32disen punct aparte antworten, das ichs ihm kann leßen laßen. 33Im übrigen komme ich nochmahlen, dero Liebden zu bitten, die troupen zu 34beschleünigen, wan sie nit balt in Italien kommen, helfen sie 35vns nit mehr, vnd doch ligt alles dran. Im Reich steht es 36auch schlecht, so das der Margraf hatt die posti verlaßen müeßen, 37gott gebs, das sie nit durch brechen. Dero Liebden solicitirn doch auch 38die allijrten, das sie troupen hin detachiren vndt dero Liebden ihre auch 39laßen marschiren so balt möglich, ich sehe sonst ein groß vnglükh 40vohr. Izt werden vnsere vngren auch wider größere seiten aufezien, 41haben das armistitium eingangen auf 2 monat vndt ware gutte


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42hoffnung zum friden, wan sie aber das werden hören, werden sie 43wider stolzer werden, der liebe gott woll alles zum besten schiken. 44Auf mein sohn Carl derf gahr nit denken, gott woll ihm bey stehn, 45auff den ich mich allein verlaße, drum bitt nachmahlen, die 46troupen nach Italien zu befördern. Sonsten kan ich auch dero Liebden nit 47bergen, das mihr der Taston ein brif von der Prinzeß von 48Sulsbach gebracht, welche mihr wehmütich klagt, das der 49alte sie so streng halt vndt niks auf die kinder gibt, 50das sie niks lernen vnd recht verderben, ist die Stadlin 51dorten, die regirt den alten vnd duet der religion großen schaden. 52Sie hatt mich so instendig gebetten, dero Liebden solches zu klagen vnd 53zu bitten, ob sie nit ihr dochter möchten begern vnd im closter 54zu Düßeldorf erzihen laßen, vnd den sohn auch zu sich begern 55vndt erzihen laßen. Ich hör, es seindt libe kinder, aber an 56der erzihung mangelt es, seint gleichwoll von vnsern 57haus, das es vns auch kein ehr, wan sie so übel erzogen 58werden als wie der Prinz Teodor, der recht verdorben ist. Dero Liebden 59wollen darauf reflectiren vnd mihr hinwider zu wißen dun, was 60ich ihr antworten solle, ich glaub die sach lies sich ehnder 61duen, wan der vergleich gemacht wehr, bitt, dero Liebden wollen auch in 62disen dun, was möglich sein wirt. Du mich in der vnschezbahr 63affection befehlen vndt werde sterben 64dero Liebden 65getrewste schwester 66Eleonora 67Wien den 11ten maij 170668Bitte meiner libste fraw 69schwegrin vill schons, der courir geht 70gleich, das nit hab schreiben können. 71vertatur


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72Dißer Grav Berg, dero Liebden wolbekanter gewester fratter, hatt mich gebetten, dero Liebden 73dis memorial zu reccommendiren.