Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 18.02.1677
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/8
1Durchleüchtigster Fürst, herzallerliebster herr vatter 2Ich verhoffe, das dieses übele schreiben ihr Durchlaucht in 3guettem wohlstant finden wirt, wie wohl nit zue 4Neüburg, wie ich förchte, doch wan die reis nuhr nit so 5lang wirt vndt alles nach ihr Durchlaucht verlangen gereichen, 6so will mich als dieser abweßen heit getrösten, aber 7auf ein kurze zeit, dan mein höchster trost ist, beyder 8ihr Durchlauchten liebste gegenwart zu geniesen. Ich mein, als 9wan sie nuhr nit so weit wehren, so hätte noch mehrer 10trost. Alhier geht niks anderst ab, als das ihr Durchlaucht 11beyde nit auch dah seint. Der faschin wirt haubt 12lustich sein. Schike hierbey die poesi, so auf bey 2 academi 13gehalten, vndt ein discors. Heüt wirt widerumb 14ein academi sein. Ich förchte, in Schpanien werde 15ein schlechte freüdt diesen fasching sein, gott wolle 16es enderen. Es sicht übel aus, wie ihr Durchlaucht schon 17woll werden vernommen haben, sie haben drinen 18wohl so vill, das sie iezt gahr nit heraus, weder 19auf die Niederlanden noch Cecilien gedenken werden. 20Ihr Mayestät, mein gnädigster Kayser, haben wohl auch keine zeit, auf
21vill anders zue gedenken, dan sie mit so villen 22geschäften überheüfet, das wohl niks iezonder von meinem 23brueder sagen derf. Ich hoffe als alle post, es solle 24etwas beßers kommen vndt wirt schier alleweil 25schlimer. Es kan doch auf diese weis nit lang 26wehren, gott gebe, das alles auf soliche weis geh, das 27ich balt wieder das glükh möge haben, ihr Durchlaucht heraufreis 28zu vernemmen, als die ich mich noch verners in 29dero beharlige affection befehle vndt verbleiben werde 30alle zeit vnuerenderlich 31ihr Durchlaucht 32ganz ergebenste trewgehorsame 33dochter bis in doht 34Eleonora Magdalena Theresia 35Wien den 18 februarij 167636So eben bekome ihr Durchlaucht liebste schreiben, mit nechster 37post werde fleisigst darauf antworten.




