Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Ebersdorf am 19.09.1677
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/8
1Durchleüchtigster Fürst, herzallerliebster herr vatter 2Beyde ihr Durchlaucht gnädiges schreiben vom 1 vndt 4 dises hab 3ich mit gehorsamen respect empfangen, vndt zeigen ihr Durchlaucht 4darinen so vill gnädichkeit vndt sorchfalt vohr mich, 5geh das ich nit genuechsam wort finden kan, meine 6schuldige danksagung daruor abzulegen. Bitte auch vmb 7vergebung, das vohrige post solliches vnterlaßen, das 8heraus zihen, wie ich in vohrigem schreiben gemelt, hatt 9mich daran verhindert. Sage auch gehorsamsten dankh vohr die 10fohrsorg, so sie vohr ir Mayestät, meinen allergnädigsten Kaiser, haben. 11Ich mues bekennen, bey der aderlaß ist mihr wohl 12gahr angst gewesen, gottlob, das wohl zugeschlagen, aber 13was das purgiren anlangt, darüber kan nit klagen, 14dan in der krankheit nuhr einmahl geschen, welches hoch 15nöttich wahre, vndt nichts starkes, welches der doctor 16Hueber selbsten aprobirt. Gesunder haben ihr Mayestät 17auch nuhr einmahl im früeling eingenomen, das dränkel, 18welches ich allezeit gebraucht, vndt etwas zicori saft 19darbey. Die eselmilch ist ihr Mayestät auch wohl zuegeschlagen, 20also das, wan nuhr das vnötige aderlasen nit 21währe, ich über niks klagen könten, gottlob, das 22wohl abgangen. Ihr Mayestät haben sich in gahr kurzer
23kurzer zeit wohl erholt, befinden sich, dem allerhöchsten 24seye gedankt, in guetter gesuntheit. Haben die drey 25dag, das mihr heraus seint, haben ihr Mayestät 7 hirsch 26geschoßen, heütt morgen noch einen, der 490 pfunt gewogen, 27aber schon ganz mager, ist schadt das nit früer ist 28geschoßen wohrden. Heütt vndt morgen werden ihr Mayestät 29noch bürsten, darnach, vermein ich, werden sie das 30schießen auf geben vndt die übrige zeit mit 31hezen vndt beysen zubringen. Die liebe Erzherzogin 32nimbt auch daglich an kräften zue, wie mihr 33ein fräulein iezt bericht, welche eben von Wien komt. Ist 34heütt ein wehnig allein gangen vndt gestanden, hoff, 35wirt iezt alleweil beßer kommen. Was die coadiuto- 36ri anlanget, das wollen ihr Mayestät so einrichten laßen, 37sie werden ihr Durchlaucht selbsten darauf ausfürlig antworten. 38Wegen meines bruedern will iezt gelegenheit die dag 39suechen, mit bey ihr Mayestät ein gehorsamste anmahnung zu duen. 40Die Grauin von Ripperg ist noch nit wider 41kommen, sie ist mit ihrer schwester, der Fürstin 42von Lichtenstein, auf ihr guett. So balt sie 43aber komt, will ihr die sach eiferichst recomen- 44diren, auch ihr Mayestät, mein gnädigster Keiser, vnterdehnig



