Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Ebersdorf am 26.09.1677
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/8
1Durchleüchtigster Fürst, herz aller liebster herr vatter 2Ich sage ihr Durchlaucht gehorsamsten dankh vohr dero gnädiges schreiben . 3Ist mihr wohl von herzen leidt, das in dero landen so 4übel her geht, hoffe aber zu gott, er werde solliches 5enderen vndt vns das übel nit vngestraffet laßen. 6Hett Ihme sey ewig dank, das ihr Mayestät, mein gnädigster herr, 7vndt die liebe Princessin widerumb wohl auf seint. 8Ich habe mihr freilich wohl eingebilt, das ewer Durchlaucht 9sich darüber bedrüeben würden vndt die sorge, das 10sie sich solliches gahr zufill zu herzen würden nemmen 11vndt ihnen dardurch auch schädlich an dero gesuntheit 12würde sein, solliches hatt meine leiden noch mehr 13vermehret, dan ihr Durchlaucht leicht könten erachten, in was 14vnauschprechlige bedrüebnus mich solliches würde 15sezen. Bitte derowegen mitt gehorsamen kintligen respect 16auf das aller vndterdehnigste, ihr Durchlaucht wollen sich suechen 17zu conseruiren vndt ihnen die sache nit so gahr 18zu herzen gehn laßen, sich auch nit so fill mitt 19den negotiis überladen, insonderheit mit villem schreiben 20wie ich wohl weis, das sie sonsten allezeit gedan,21vndt leßen bey der nacht, sondern ihre gesuntheit 22beßer in acht nemmen, damit nit alle ihr Durchlaucht 23vntterdehnigste kinder, welche ich wohl weis, das mit
24einstimmen werden in dieser meiner gehorsamen bitten, 25nit in ewigen sorgen vndt ängsten müeßen leben, wie 26ich dan wohl gewis kein ruhigen augenblik werde 27haben können, so lang mich ihr Durchlaucht in diesen sorgen 28steken laßen. Bitte mihr meine grose freiheit 29nit in vngenahden auf zue nemmen, geschicht 30aus andrieb meiner kintliger affection, welche hoffentlich 31deren vergebung erhalten wirt. Wegen der coadiutori 32haben ihr Mayestät schon befohlen, das der Bischoff von 33Gurk mit dem Beuilaqua stark reden soll, 34vndt haben ihr Mayestät vohrgestern gahr gnädig mit 35mihr daruon gerett so vndt gesacht, das noch 36mit der comission, das man ohne licenz nit 37solle fort fahren, sich nit zu übereilen sey, 38weil mit lezter post der Cardinal Pio geschriben, 39das der abate Fauoriti ihme gesacht, der Papst 40würde es nit leicht confirmiren, wan es ohne 41seine licenz geschehe. Ich habe aber darbey gehorsamst 42eingewent, man könte die sache doch in fohr- 43sorg einrichten, so haben ihr Mayestät gesacht, ia, das 44könne sein, will aber iezt ihr Mayestät widerumb 45anmahnen, wan sie es noch nit befohlen hätten, 46das es möge geschehen. Der Königsekh hatt sich
47anerbotten, so balt ihr Mayestät es würden befehlen, 48solle es expedirt werden. Wegen meines bruedern 49habe die dag noch nichts gesacht, weillen 50wegen der coadiutori ihr Mayestät alleweill angelegen, 51so balt aber gelegenheit werde haben, soll 52nichts versaumbt werden. Wan nuhr ihr Durchlaucht 53sich conseruiren vndt nicht sich alles so sehr zu 54herzen nemmen, so hoffe ich werde sich alles 55noch wohl zu dero contento schiken. Befehle mich 56in deßen vnterdehnig vndt werde sterben 57ihr Durchlaucht 58ganzergebenste trew gehorsamste 59dochter 60EMT 61Eberstorf den 26 septembris 167762Der fues vom hirsch ist wohl gros gewesen, mues ein guetter 63hirsch sein, ist schadt, das ihn ihr Durchlaucht nit bekommen 64haben. Ich hoff, zu Bensberg werden ihr Durchlaucht guetten 65schpaß haben.








